Juli 2002 Indonesien: Reformasi Total unter Druck Dr. Hans Joachim Esderts, Gerd Botterweck und Anja Obermann, FES, Jakarta • Auf der Reformagenda 1999 stand die radikale Umwandlung einer autoritären Gesellschaft, die durch das Militär und seiner zivilen Gefolgschaft dominiert ist, in eine funktionsfähige Demokratie. • Bisher steht Indonesien in seinem Bemühen für eine demokratische Konsolidierung auf halbem Weg. Die Geschwindigkeit des Reformprozesses scheint sich seit dem Amtsantritt von Präsidentin Megawati jedoch verlangsamt zu haben. • Wirtschaftliche Probleme, zunehmende Kriminalität, Gewalt und Konflikte führen zu einer Desillusionierung bezüglich der Demokratisierung. • Eine Verfassungsreform ist notwendige Voraussetzung für ein demokratisches Regierungssystem. • Nach einem stetigen, wenn auch nicht gradlinigem Prozess der Dezentralisierung setzt nun eine Rezentralisierung ein. • Das größte Versagen der drei Suharto-Nachfolge-Regierungen liegt darin, dass der Rechtsstaat noch immer keine Wurzeln gefasst hat. • Dass die Nationalarmee nach wie vor neben ihren Sicherheitsaufgaben auch soziale und politische Aufgaben wahrnimmt, stellt eine erhebliche Gefahr für die noch junge Demokratie dar. • Die Pressefreiheit ist noch nicht fest verankert und durch den Entwurf des neuen Rundfunkgesetzes bedroht. • Die zivilgesellschaftlichen Organisationen sind eine treibende Kraft im Demokratisierungsprozess, werden aber von den staatlichen Institutionen nicht als Partner angesehen und verlieren durch Fragmentierung an Einfluss. • Korruption, Vetternwirtschaft und illegale Absprachen existieren weiter und passen sich den neuen Gegebenheiten an. • Die Wirtschaftsreformen sind zu zögerlich, um effektiv die Wirtschaft anzukurbeln. Reformasi Total hatten die Aktivisten des Umsturzes, Intellektuelle, Künstler, Studenten, Arbeiter und andere Vertreter einer aufkommenden zivilen Gesellschaft 1998 gefordert. Auf der Reformagenda standen zahlreiche wichtige gesellschaftspolitische Anliegen: eine Verfassungsreform unter Einbeziehung der Menschenrechte, Dezentralisierung der Entscheidungsprozesse und Partizipation der Regionen, Demokratisierung des Militärs und seiner zivilen Kontrolle, Stärkung der Zivilgesellschaft, Good Governance, Finanzstrukturreform, Parlamentsreform, Herstellung von Transparenz und einem System der Checks and Balances zur Bekämpfung der Korruption, Rechtsreform und Einführung eines Rechtsstaates, Reform der Arbeitsbeziehungen, Stärkung der Rolle von Frauen in der Politik, Religions- und Parteienpluralismus, Medienfreiheit. Kurz: die radikale Umwandlung einer autoritären, durch das Militär und seine zivile Gefolgschaft dominierten Gesellschaft in eine funktionsfähige Demokratie. Inzwischen machen sich jedoch Enttäuschung und Skepsis breit. Die Bevölkerung bezweifelt zunehmend den Fortgang des Demokratisierungsprozesses. - 1-
Download single image
avaibable widths