FES-Analyse: China unter neuer Führung Konfliktpotenzials; und zur Überwindung der Asymmetrie zwischen wirtschaftlicher und politischer Liberalisierung, Rechtsetzung und Rechts3 anwendung, deren destabilisierende Wirkung zu den Erfahrungen des alltäglichen Lebens in China gehört. Führungswechsel im Zeichen der Normalität Auch ohne sich auf das hohe Anspruchsniveau der Leitartikler in der Volkszeitung einzulassen, bedeutet der 16. Parteitag der KP Chinas(8. bis 14. November 2002) für die innere und äußere Entwicklung Chinas in mehrfacher Hinsicht eine markante Zäsur: Mit Jiang Zemin hat sich nach 13 Jahren ein Politiker vom Amt des Parteichefs verabschiedet, dessen Berufung durch Deng Xiaoping im Krisenjahr 1989 und noch lange danach als eine Verlegenheitslösung mit absehbarem Verfallsdatum falsch eingeschätzt wurde. Während die Entscheidung für Jiang damals ebenso handstreichartig erfolgte wie die Absetzung seines Vorgängers Zhao Ziyang, ist der aktuelle Führungswechsel erstmals in der Parteigeschichte kein Produkt des Ausnahmezustands, sondern in geordneten Bahnen verlaufen. Zusammen mit dem neuen Generalsekretär Hu Jintao steht außerdem eine Führungsriege an der Spitze, deren biografischer Werdegang und Erfahrungshintergrund sie deutlich von den Vorgängergenerationen und den für sie typischen Konfliktmustern absetzt. In seinen letzten Amtsjahren ist Jiang zunehmend der Versuchung erlegen, sich mit einer Aura des Personenkults zu umgeben. Weil seine politische Statur nicht an die Ausnahmeerscheinung eines Deng Xiaoping heranreicht, hatte das operettenhafte Züge. Dennoch hat er sich unbestreitbare Verdienste erworben. Zusammen mit Ministerpräsident Zhu Rongji war es Jiang, der die Entscheidung für den im Dezember 2001 besiegelten WTO-Beitritt gegen hartnäckige innerparteiliche Widerstände durchsetzte. Damit waren endgültig die Weichen für den Übergang zu einem marktwirtschaftlichen System und – von ausländischen Investoren schon im Vorgriff honoriert – zur beschleunigten Integration Chinas in die Weltwirtschaft gestellt. In dem für Peking zentralen Verhältnis zur USA folgte auf die pragmatisch und ohne Gesichtsverlust beigelegte Krise um die Kollision eines chinesischen Kampfjet mit einem amerikanischen Aufklärungsflugzeug im Frühjahr 2001 eine Phase der Entkrampfung. Das war die Basis, auf der sich nach dem 11. September im Zeichen des Kampfes gegen den Terrorismus eine verstärkte politische Zusammenarbeit und die Wiederbelebung der militärischen Kontakte anbahnte. Dauerhaft und dankbar wird in China in Erinnerung bleiben, dass es in der Amtszeit von Jiang gelang, im Wettbewerb um internationalen Rang und Namen die heiß begehrte Sommerolympiade 2008 ebenso wie die Weltausstellung 2010 ins Land zu holen. Die innenpolitische Bilanz der Ära Jiang fällt zwiespältiger aus. Auf der Erfolgsseite steht, dass er es verstanden hat, durch Ausgleich und Vermittlung die heterogenen Kraftzentren in den Führungsetagen der Partei auch nach dem Tod von Deng im Februar 1997 zusammenzuhalten und neue Flügelkämpfe zu vermeiden. Gemessen an dem Zustand der offenen Spaltung der KP-Spitze, die Jiang bei seinem Amtsantritt vorgefunden hatte, war das eine bemerkenswerte Leistung. Die Kehrseite und die Bedingung dieser Beruhigung war die Verpflichtung auf einen Neo-Konservativismus,
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