4 der auf tatsächliche oder vermeintliche Herausforderungen(etwa im Fall der FalungongBewegung) mit unerbittlicher Militanz reagierte. Das fortwirkende Trauma des 4. Juni 1989 und seiner Vorgeschichte sorgten ebenso wie die zunehmenden sozialen Spannungen dafür, dass die Vorhaben zur Reform des politischen Systems, die der 13. Parteitag 1987 auf den Weg gebracht hatte, nicht über das Experimentierstadium hinaus kamen oder ganz von der Tagesordnung verschwanden. Verglichen mit der wirtschaftlichen Entwicklungsdynamik, war die Amtszeit von Jiang politisch insofern eine Periode der verpassten Chancen. Auch in demokratisch verfassten Staaten haben konkrete Vorhersagen, wie sich ein Regierungswechsel politisch auswirkt, spekulativen Charakter. Im Fall des Übergangs von der„dritten“ zur „vierten“ Führungsgeneration in China sind die prognostischen Unwägbarkeiten unter den Bedingungen eines intransparenten und der Kontrolle von außen entzogenen Herrschaftssystems noch weit größer. Da sich der öffentliche politische Diskurs im Korsett eines hohen Konformitätsdrucks bewegt und einer kryptisch-floskelhaften Sprache bedient, sind vorausschauende Aussagen FES-Analyse: China unter neuer Führung über handfeste politische Absichten und Präferenzen der Akteure nur in sehr begrenztem Umfang möglich. So war es nicht überraschend, dass sich der neue Parteichef Hu Jintao in seiner Vorstellungsrede vor der Presse nach der Wahl auf eine lupenreine Paraphrase der Vorgaben aus dem Rechenschaftsberichts seines Vorgängers beschränkte. Außerdem befindet sich die chinesische Gesellschaft mitten in einem rasanten Umwälzungsprozess. Das macht die von Partei und Regierung bemühte Beschwörungsformel von der angeblichen Stabilität der Verhältnisse angesichts der schwer zu steuernden Dynamik dieser Entwicklung bestenfalls zu einer Metapher für den politischen Selbstbehauptungswillen. Wo beweiskräftige Erkenntnisse fehlen, können sich ernst zu nehmende Vorhersagen mit entsprechenden Vorbehalten mehr oder weniger nur auf Indizien stützen. Dazu gehören im Wesentlichen die biografisch ermittelbaren Profile und Qualifikationen der neuen Spitzenmannschaft, die Arrangements bei der formellen wie der informellen Macht- und Kompetenzverteilung und, ausgehend von den verfügbaren Fakten, die Bewertung, wie zielgerichtet das kollektive Handlungsprogramm auf die zu lösenden Probleme zugeschnitten ist. Das neue Team: Problemlösung statt Ideologie? Auf den kurzen Nenner gebracht, lässt sich das neue Führungskollektiv als deutlich verjüngt, ausgeprägt technokratisch und nach den Karriereabläufen als erfahren und problembewusst beschreiben. An die Stelle des 76-jährigen Parteichefs Jiang tritt der um gut eine Generation jüngere Hu Jintao(59), der bei der Plenartagung des Nationalen Volkskongresses (NVK) im März wie sein Vorgänger auch das Amt des Staatspräsidenten(seit 1998 Vizepräsident) übernimmt. Das Durchschnittsalter des neu gewählten Zentralkomitees(ZK), dessen 356 Vollmitglieder und Kandidaten knapp zur Hälfte erstmals diesem Gremium angehören, lag zum Zeitpunkt der Wahl bei 55 Jahren. Noch größer als in dem nicht ständig tagenden Parteiparlament sind die Veränderungen im Politbüro und seinem Ständigen Ausschuss(Durchschnittsalter 60 bzw. 62 Jahre). Das 24 Mitglieder(plus ein nicht stimmberechtigter Kandidat) zählende Politbüro
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