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Von Förderprogrammen zu Mainstreamingstrategien : Migrant/innen als Kunden und Beschäftigte des öffentlichen Dienstes ; eine gemeinsame Fachkonferenz des Gesprächskreises Migration und Integration der Friedrich-Ebert-Stiftung und des DGB-Bildungswerks, Bereich Migration & Qualifizierung am 1. Oktober 2002 in Bonn
Entstehung
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es sich hier um eine Querschnittsaufgabe handelt. Dieser Begriff ist jedoch mit konkre­tem Inhalt zu füllen. Da wir auf Dauer von einer ethnisch heterogenen Wohnbevölkerung in Deutschland ausgehen müssen, ist es notwendig, dass alle Bereiche der öffentlichen Verwaltungen eine neue Sichtweise entwickeln. Vielleicht können wir dabei von anderen Ansätzen lernen, etwa von der Weiterentwicklung der traditionellen Frauenförderung hin zu den Gender Mainstreaming- Strategien. Diese Umsetzung des Gender Mainstreaming wird zur Zeit in vielen Organisationen, Ministerien und Ämtern auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene diskutiert. Diese Konzepte zeichnen sich dadurch aus, dass bei allen Entscheidungen mitgedacht werden soll, wie sich diese auf die besonderen Interessen, Bedürfnisse und Lebensumstände von Frauen und Männern auswirken. Das ist aus mei­ner Sicht ein ganz interessanter Ansatz, der die Frauenförderung nicht abgelöst hat, sondern ergänzt. Wir sollten darüber nachdenken, ob derartige Überlegungen nicht auch in einem Cultu­ral Mainstreaming ihre Wirkung entfalten könnten. Wir können darüber streiten, wie erfolgreich die bisherigen Strategien waren, um die Benachteiligung von Frauen abzu­bauen. Von großem Vorteil ist jedoch, dass eine sehr breite Diskussion zu diesem Thema eingesetzt hat und viele Entscheidungsträger in den Verwaltungen und Behörden zu­nehmend ihr Handeln von dieser öffentlichen Diskussion beeinflussen lassen. Allein des­halb ist es sinnvoll, über eine Übertragbarkeit auf unser Arbeitsgebiet nachzudenken. Es gibt in vielen Bereichen, insbesondere für die Verwaltungen, bereits spezielle Gender Trainings, und auch die finanzielle Förderung konkreter Projekte erfolgt nur, wenn die Gender-Perspektive mit berücksichtigt wird. Das wird insbesondere von der EU Kom­mission unterstützt. Es ist eine spannende Frage zu erörtern, ob analog zum Gender Mainstreaming für die Migrantinnen und Migranten ein Cultural Mainstreaming entwi­ckelt werden kann, wobei Deutsche und Ausländer immer gleichzeitig im Blick gehalten werden sollen. Eines ist sicher: Ohne intensive Weiterbildung und ohne eine vertrauensvolle Zusam­menarbeit von Betriebsräten und Arbeitgebern wird dieser Ansatz nicht gelingen. Den Gewerkschaften insgesamt, im Bereich des öffentlichen Dienstes insbesondere ver.di, kommt in diesem Prozess eine besondere Bedeutung zu. Und sie werden vielfach auch die Motoren sein müssen, um die Veränderungen anzustoßen und am Laufen zu halten. 6