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Vom König zum Führer : zum Verhältnis von Adel und Nationalsozialismus ; Dokumentation einer Veranstaltung am 9. Juli 2004 im Studienzentrum Karl-Marx-Haus in Trier
Entstehung
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7 müsse, wer von denJunkern nicht reden wolle. Keine deralten Machteliten, so das Urteil Heinrich August Winklers, habeso früh, so aktiv und so erfolgreich an der Zerstörung der Weimarer Demokratie gearbeitet wie das ostelbische Junkertum. Die hier gewählte Begrifflichkeit verdeutlicht, dass sich der Blick der For­schung bislang auf eine kleine, auch nach 1918 immens einfluss­reiche Adelsfraktion konzentrierte, die alsJunker,vorindus­trielle Machtelite bzw. alsAgrarier bezeichnet wird.Der Adel ist mit diesen Kategorien allerdings nicht erfasst. Bei der Hindenburg-Kamarilla handelt es sich um zehn bis zwanzig immer wieder genannte Männer, ein Kreis, der sich auf einige Hundert Personen vergrößert, wenn man die Adligen hinzuzählt, die im Reichslandbund, der DNVP, dem Stahlhelm und ähnlichen Orga­nisationen wichtige Rolle spielten. Das ebenso frühe wiever­hängnisvolle Bündnis dieser Gruppe mit der NS-Bewegung ist bekannt und unbestritten. Nicht um diese Minderheit und ihre relativ gut erforschten Or­ganisationen soll es in diesem Vortrag gehen. Statt dessen möchte ich versuchen, einen Blick auf die Gesamtgruppe des Adels und seine Verbände zu werfen sowie auf die rapide wachsende Gruppe des Adelsproletariates hinzuweisen. In Form von Thesen werde ich anschließend zentrale Affinitäten und Differenzen skizzieren, die das Verhältnis des alten Adels zur NS-Bewegung prägten. Der Vortrag schließt mit einigen Anmerkungen zu Ausmaß und Deu­tung adliger Annäherungen an den Nationalsozialismus. II. Anmerkungen zur Heterogenitätdes deutschen Adels Der Adel war zur Zeit der Weimarer Republik eine Gruppe, deren Größe und innere Heterogenität längst nicht mehr in einem kleinen Kreis einflussreicher Großgrundbesitzer, Reichswehroffi­ziere und Landräte aufging. Die Gesamtgruppe des Adels bestand