11 wie ein einflussreicher Teil der NS-Bewegung bald behaupten sollte,„reinblütiger“. Da es weder sozial, noch kulturell noch politisch einen homogenen deutschen Adel gab, lassen sich generelle Aussagen über „die“ Haltung„des“ deutschen Adels zum Nationalsozialismus nur sehr schwer treffen. Möglich ist es hingegen, bestimmte Grundkonstellationen zu beschreiben, die prinzipiell für den ganzen Adel gültig waren. In Form von Thesen möchte ich die wichtigsten Affinitäten und Differenzen skizzieren, die das Verhältnis von Adel und NSBewegung meines Erachtens geprägt haben. III. Affinitäten Erstens: Die kompromisslose, sprachlich in aggressive Formeln gegossene Ablehnung von Demokratie, Parlamentarismus, Liberalismus und„Parteienstaat“ bildete eine Basis, auf der sich alter Adel und NS-Bewegung gemeinsam bewegten und eine gemeinsame Feinderkennung hervorbrachten. Zur Zerschlagung der politischen Linken stellte die NS-Bewegung spätestens seit 1932 das überzeugendste Potential bereit, was im Adel zunächst als Herausforderung, immer stärker jedoch als begrüßenswerte Chance bewertet wurde. In einem Brief, den Friedrich Graf von der Schulenburg 1933 an den letzten Präsidenten des preußischen Herrenhauses, Dietlof Graf von Arnim, schickte, ließ der General a.D. seine zuvor erheblichen Zweifel fahren:„Hitlers Erfolg im Reichstag war erstaunlich und es war eine Freude, wie er aus dem Stegreif die Socialdemokraten zusammenschlug. Auf jeden Fall hat sich der ein geschichtliches Verdienst erworben, der dem alten Hindenburg Hitler als Kanzler abgerungen hat.“ Zweitens: Die Blut- und Boden-Ideologie, die negative Konnotation der Großstädte und der
Druckschrift
Vom König zum Führer : zum Verhältnis von Adel und Nationalsozialismus ; Dokumentation einer Veranstaltung am 9. Juli 2004 im Studienzentrum Karl-Marx-Haus in Trier
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten