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Vom König zum Führer : zum Verhältnis von Adel und Nationalsozialismus ; Dokumentation einer Veranstaltung am 9. Juli 2004 im Studienzentrum Karl-Marx-Haus in Trier
Entstehung
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11 wie ein einflussreicher Teil der NS-Bewegung bald behaupten sollte,reinblütiger. Da es weder sozial, noch kulturell noch politisch einen homo­genen deutschen Adel gab, lassen sich generelle Aussagen über die Haltungdes deutschen Adels zum Nationalsozialismus nur sehr schwer treffen. Möglich ist es hingegen, bestimmte Grund­konstellationen zu beschreiben, die prinzipiell für den ganzen Adel gültig waren. In Form von Thesen möchte ich die wichtigsten Affinitäten und Differenzen skizzieren, die das Verhältnis von Adel und NS­Bewegung meines Erachtens geprägt haben. III. Affinitäten Erstens: Die kompromisslose, sprachlich in aggressive Formeln gegossene Ablehnung von Demokratie, Parlamentarismus, Libera­lismus undParteienstaat bildete eine Basis, auf der sich alter Adel und NS-Bewegung gemeinsam bewegten und eine gemein­same Feinderkennung hervorbrachten. Zur Zerschlagung der poli­tischen Linken stellte die NS-Bewegung spätestens seit 1932 das überzeugendste Potential bereit, was im Adel zunächst als Heraus­forderung, immer stärker jedoch als begrüßenswerte Chance be­wertet wurde. In einem Brief, den Friedrich Graf von der Schulen­burg 1933 an den letzten Präsidenten des preußischen Herrenhau­ses, Dietlof Graf von Arnim, schickte, ließ der General a.D. seine zuvor erheblichen Zweifel fahren:Hitlers Erfolg im Reichstag war erstaunlich und es war eine Freude, wie er aus dem Stegreif die Socialdemokraten zusammenschlug. Auf jeden Fall hat sich der ein geschichtliches Verdienst erworben, der dem alten Hinden­burg Hitler als Kanzler abgerungen hat. Zweitens: Die Blut- und Boden-Ideologie, die negative Konnotation der Großstädte und der