FES Analyse: USA 3 Das Wahlergebnis vom 2. November: Legitimationsausstattung für eine zweite Amtszeit Präsident George W. Bush hat in den Präsidentschaftswahlen am 2. November 2004 eine sichere Mach- und Legitimationsgrundlage für seine zweite Amtszeit erhalten. Wie immer man das Wahlergebnis auch dreht und wendet: die Scharte des Wahlergebnisses vom November 2000 hat George W. Bush ausgewetzt. Bei den Wahlen im Jahre 2000 erhielt Al Gore eine Mehrheit der abgegebenen Stimmen, unterlag aber bei der entscheidenden Stimmenverteilung im Electoral College. Mit dem Legitimationsmangel von damals ist das jetzige Wahlergebnis nicht belastet. Präsident Bush hat 51% der abgegebenen Stimmen erhalten, über 3,5 Millionen Stimmen mehr als John Kerry. Von den insgesamt 538 Stimmen im Electoral College entfielen 286 Stimmen auf George W. Bush und 252 Stimmen auf John Kerry. Befürchtungen, dass es auch am 2. November 2004 wieder zu massiven Unregelmäßigkeiten bei der Stimmenauszählung wie damals in Florida kommen könnte, haben sich als nicht stichhaltig erwiesen. Verhindert wurde ein neues Wahldebakel à la Florida zum einen durch neue Computergestützte Wahlmaschinen und zum anderen durch ein Heer von Wahlbeobachtern und Rechtsanwälten in den Wahllokalen der battle ground states, d.h. dort wo knappe Wahlausgänge zu erwarten waren, insbesondere in Florida und Ohio. Beide großen Parteien haben aus der Erfahrung des Jahres 2000 gelernt und sich dementsprechend auch auf rechtliche Auseinandersetzungen vorbereitet. Die Fragwürdigkeiten im amerikanischen Wahlrecht ließen sich leicht als demokratische Schwachstellen, ja sogar als Achillesferse der amerikanischen Demokratie kennzeichnen. Sie sind aber bei genauerer Betrachtung eher als Ausweis einer reifen Demokratie anzusehen, denn nur eine reife, in sich gefestigte Demokratie kann sich ein Wahlsystem mit solchen Tücken leisten, ohne in innenpolitische Instabilität abzugleiten. Amerika ist eben nicht die Ukraine. Gewiss, auch diesmal kam es zu Fehlern bei der Auszählung. Abgegebene Stimmen gingen verloren oder wurden falsch gezählt. Es kam zur Ausgabe von Wahlunterlagen, die falsch adressiert waren oder fehlerhafte Angaben über die zur Wahl anstehenden Kandidaten enthielten. In einem Fall fehlte auf manchen Stimmzetteln sogar der Name von John Kerry. In einem anderen Fall stand in Pennsylvania der Name von Ralph Nader auf der Wahlliste, obwohl er dort gar nicht zur Wahl zugelassen war. All dies waren jedoch nicht wahlentscheidende Einzelfälle: Pannen, aber keine Verfälschung der Wahlergebnisse. Unbefriedigend am amerikanischen Wahlsystem bleibt aber die Tatsache, dass in Amerika eben nicht die Zahl der insgesamt auf nationaler Ebene abgegebenen Stimmen das Wahlergebnis darstellt, sondern das Stimmgewicht der Einzelstaaten im Electoral College. Obwohl in allen amerikanischen Einzelstaaten demokratisch nach den Regel des Mehrheitssystems abgestimmt wird, erfolgt die Zuteilung der Stimmen im Electoral College in der Regel nicht proportional, sondern nach der strikten Mehrheitsregel: The winner takes all. Eine Ausnahme sind die Staaten Maine und Nebraska, wo eine proportionale Aufteilung der diesen beiden Einzelstaaten zustehenden Wahlmännerstimmen vorgenommen wird. Das Beispiel des Wahlergebnisses in Ohio zeigt, zu welcher Schieflage es hätte kommen können, wenn John Kerry gut 70.000 Stimmen mehr erhalten hätte. In diesem Fall nämlich wären bei einem äußerst knappen Wahlergebnis zu seinen Gunsten alle 21 Wahlmännerstimmen des Staates Ohio an ihn gegangen und er wäre Präsident geworden, obwohl er nur 48% der insgesamt auf nationaler Ebene abgegebenen Stimmen erhalten hat. Das amerikanische Wahlsystem, das im Kern auf einer Repräsentation der Einzelstaaten beruht und nicht auf direkter Demokratie, macht solche Ergebnisse möglich. Im Jahre 2000 profitierte George W. Bush von diesem System und Al Gore unterlag. Im Jahre 2004 war John Kerry nur wenige Stimmen davon entfernt, Nutznießer einer nicht mehr ganz einleuchtenden Wahlkonstruktion zu sein.
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Die Bush-Administration vor ihrer zweiten Amtszeit : Politik an den Grenzen der wirtschaftlichen und militärischen Macht Amerikas
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