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Die Bush-Administration vor ihrer zweiten Amtszeit : Politik an den Grenzen der wirtschaftlichen und militärischen Macht Amerikas
Entstehung
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6 tana, North Dakota, Ohio, Oklahoma, Oregon und Utah erhielten diese Volksentscheide deutli­che Mehrheiten. Hier, im Mittleren Westen, im Süden und im ländlichen Amerika gelang es der Republikanischen Partei, Netzwerke aufzubauen und die Demokraten auf der Ebene der Parteior­ganisation zu überholen. Unter den Evangelikalen Christen hatte die Republikanische Partei schon in der Vergangen­heit einen gewaltigen Vorsprung vor der Demo­kratischen Partei. Zwischen der Christian Coali­tion und der Republikanischen Partei besteht eine relativ fest gefügte politische Allianz und in vie­len Einzelstaaten verfügen die Evangelikalen Christen über eine Mehrheit in der Republikani­schen Partei und ihren örtlichen Organisationen. Die Mobilisierungsmöglichkeiten der Republika­ner aufgrund der Vernetzung mit dem ländli­chen und religiös geprägten Amerika sind gewal­tig. George W. Bush kennt sich in diesem Milieu besonders gut aus, da er im Wahlkampf 1992 für seinen Vater für die Verbindung zur Christian Coalition und den Kirchen verantwortlich war. Damals ging die Wahl für den Vater von George W. Bush verloren. Bill Clinton gelang es damals, als Demokrat in ländlich und religiös geprägte FES Analyse: USA konservative Wählerschichten einzudringen. Im Jahr 2000 und noch stärker im Jahre 2004 konnte sich George W. Bush seine Verbindungen zu den Kirchen erfolgreich zu Nutze machen. 8 von 10 Wertewählern stimmten 2004 für George W. Bush. Starke Einbrüche sind den Republikanern auch bei den katholischen Wählern gelungen, die traditionell eher der Demokratischen Partei zuneigen. Themen wie Abtreibung, gleichge­schlechtliche Ehe und Stammzellenforschung drängen katholischen Wähler an die Seite der Republikaner. Die Demokraten haben hier eher Mühe, sich zu behaupten. Die katholische Wählerschaft in Amerika ist gespalten: nur noch die Hälfte unterstützt die Demokratische Partei. Diese Tatsache ist vor allem im Hinblick auf den zunehmenden Ein­fluss der Latinos auf die amerikanische Politik wichtig. Bei den Latinos verfügen die Demokra­ten noch immer über eine deutliche Mehrheit von 55:45 Prozent. Aber es zeichnet sich ein zu­nehmender Einfluss der Republikaner auch bei den Latinos ab. Je mehr Latinos in die Mittel­klasse aufrücken, desto eher werden sie für Republikanische Politikangebote empfänglich. Die Folgen des Wahlsieges von George W. Bush für die Demokraten Für die Demokraten wird der Wahlsieg von George W. Bush nur schwer zu verkraften sein. Sicher musste die Partei damit rechnen, gegen einen zumindest auf persönlicher Ebene wenn auch politisch eher unbeliebten populären Amtsinhaber nur eine Außenseiterchance zu ha­ben, aber dass die Niederlage dann doch so deut­lich und durchgängig ausfiel, wird zwangsläufig zu einem Stimmungstief führen, von den finan­ziellen Konsequenzen dieser doch auch struktu­rellen Niederlage einmal abgesehen. Selten ist die Demokratische Partei mit so günstigen Ausgangsbedingungen im eigenen Lager in einen Präsidentschaftswahlkampf ge­gangen. Sie war finanziell noch nie so gut aus­gestattet wie im Jahre 2004. Selbst in den besten Zeiten von Bill Clinton, als Wall Street und die Unternehmen derneuen Ökonomie, die Com­puter- und die Informationstechnologie, relativ geschlossen hinter der Demokratischen Partei standen, flossen die Spenden nicht so reichlich wie in diesem Wahlkampf. Das hat unter ande­rem auch viel damit zu tun, dass Howard Dean besser als jeder andere Demokratische Präsident­schaftskandidat die eigene Basis zu mobilisieren verstand und sich auch nach seiner Niederlage gegen John Kerry im Vorwahlkampf absolut loy­al verhalten hat. Noch nie war die Demokrati­sche Partei so geschlossen, wie sie 2004 hinter John Kerry stand. In erheblichem Maße trug da­zu auch die ideologisch ausgerichtete und auf eine Gesellschaft der Eigentümer abzielende Wirtschafts- und Sozialpolitik der Bush-Admi­nistration bei. Mehr als jemals zuvor flossen Gelder der ame­rikanischen Gewerkschaften in diesen Wahl­kampf ein, und Gewerkschaftsmitglieder waren es, die den Kern der Demokratischen Wähler