ethnische Komponenten hineinspielen, ist aber auf einen nicht absehbaren Termin verschoben worden. Ein pragmatischer Ansatz, denn er wird es dem Land ermöglichen, über die Distriktwahlen hinaus weitere zentrale Schritte im Rahmen einer Post-PetersbergStrategie gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft festzulegen. Hierzu sollten vor allem ein Fokus auf eine stärkere wirtschaftliche Entwicklung und ein nachhaltiges Fiskalsystem gehören, um die Abhängigkeit des Landes von den Geldern der Geber zu verringern. Zudem sollten die Themen Verbesserung der Sicherheitslage und Bekämpfung des Drogenanbaus im Zentrum stehen. Außerdem sind im Petersberger Abkommen die Ziele Demokratisierung und Einhaltung der Menschenrechte festgehalten, was bedeutet, dass ehemalige Kriegsverbrecher in Regierung und Parlament keinen Platz haben sollten. Wenn diese Ziele im PostPetersberg-Prozess erreicht werden, dann kann Afghanistan endgültig von der Liste der gescheiterten Staaten gestrichen werden. Für Januar 2006 ist eine entsprechende Nachfolgekonferenz zum Petersberg sowie zu Berlin bereits seitens der afghanischen Regierung und der Vereinten Nationen in Planung. Diese Konferenz wird höchstwahrscheinlich in London stattfinden. Erfreulicherweise ist nicht abzusehen, dass die internationale Unterstützung für die Demokratisierung, Entwicklung und Friedenskonsolidierung in absehbarer Zeit maßgeblich nachlassen wird. Wichtig wird auch sein, die afghanische Zivilgesellschaft in diesen Prozess einzubeziehen, um eine breite Unterstützung der Bevölkerung zu sichern, die gegenüber der Regierung ob ihrer vermeintlichen Fremdsteuerung durch das Ausland skeptisch ist. Ungleicher Wettbewerb der Kandidatinnen und Kandidaten Fast 6000 Menschen, unter ihnen etwa zehn Prozent Frauen, kandidierten für die parallel durchgeführten Parlaments- und Provinzrätewahlen. Unter den Kandidaten und Kandidatinnen waren Post-Kommunisten, ehemalige àáÜ~Çá-Kämpfer und Taliban, Vertreter demokratischer Parteien und Gruppierungen, Mullahs, Geschäftsleute, Ärzte, Lehrer und selbst ernannte Berufspolitiker, Junge und Alte im ganzen Land. Dieses Spektrum zeigt das vielfältige Interesse, in dem neuen Afghanistan Verantwortung zu übernehmen. Für die beiden zu wählenden Gremien wurde in der Anfang 2004 verabschiedeten Verfassung eine Frauenquote von 25 Prozent verankert. Diese erhöht natürlich die Chancen der Frauen, wobei die Gesetzgebung nicht über die weiterhin weit verbreitete Diskriminierung von Frauen in der Gesellschaft hinwegtäuschen sollte. Selbst wenn viele Organisationen Frauen zur aktiven Partizipation ermutigen, so lässt sich die politische Kultur eines Landes nur langsam und aus sich selbst heraus verändern. Konservative Kräfte beschwerten sich, dass mit Gewalt Frauen in die politische Arena – traditionellerweise eine Männerdomäne – gezerrt werden. Andererseits wussten viele der islamischen und islamistischen Fraktionen – besser als ihre demokratischen Widersacher -, sich diese Quote zunutze zu machen und schickten ihre Frauen, Schwestern und Töchter in den Wahlkampf. Die Ausgangschancen der Kandidatinnen und Kandidaten waren ausgesprochen ungleich: Durch Drogen- und Waffengeld reich gewordene Kommandanten – allen voran der sogenannte Oppositionsführer Yunus Kanuni warben auf überlebensgroßen Postern an jeder Straßenecke, versorgten potenzielle Wähler mit reichlich Schmiergeld und Massenspeisungen und machten großspurige Versprechen, was sie alles für die Menschen erkämpfen würden. Im Vorfeld der Wahlen wurden etwa 50 Kandidaten von der eigens eingesetzten Wahlbeschwerdekommission disqualifiziert, weil sie Kontakte zu militärischen Fraktionen unterhielten, ihre Regierungsämter nicht aufgeben wollten oder sich weitere Verstöße gegen die Wahlgesetzgebung hatten zuschulden kommen lassen. Dieses war ein wichtiger – wenn auch eher symbolischer – Schritt, da einige wenige der ehemaligen Potentaten der dritten und vierten, aber nicht der ersten und zweiten Reihe ausgeschlossen wurden. Die wirklich unabhängigen Kandidaten jedoch verfügten über nicht annähernd ausreichende finanzielle Ressourcen. Sie durften laut Wahlgesetzgebung auch nicht mit internationalen Mitteln gefördert werden, so dass sie nur bescheidene kleine Schwarz-Weiß-Bilder an einzelnen Orten ihrer Wahlprovinz aufhängen konnten. Dutzende zogen ihre Kandidatur - 2 -
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Wahlen und Warlords - ein Parlament und 34 Provinzräte in Afghanistan werden gewählt
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