wegen der hohen Kosten zurück. Es liegen auch zahlreiche Berichte über Einschüchterungsversuche und Angriffe, insbesondere von und auf Frauen, vor. Sechs Kandidaten wurden im Wahlprozess umgebracht. Wahlsystem wird ein chaotisches Parlament hervorbringen Zudem marginalisiert das Wahlsystem, d.h. das einzelne nicht übertragbare Stimmrecht, die Rolle politischer Parteien. Ein LobbyingProzess afghanischer Parteien und internationaler Experten Anfang des Jahres, das Wahlsystem in ein Verhältniswahlrecht umzuwandeln, welches politische Parteien als zentrale demokratische Institutionen stärken würde, scheiterte vor allem an der Unkenntnis der afghanischen Regierung ob dessen Konsequenzen. Insofern traten alle Kandidaten individuell an, wenn auch viele von ihnen mit politischen Parteien und Ideen assoziiert sind. Im neu gewählten Unterhaus werden 249 Einzelkämpfer sitzen, die in einem Bäumchenwechsel-dich-Spiel die Herbeiführung von Entscheidungen zu einer Mammutaufgabe machen werden. Zu befürchten ist, dass im Zuge der Entscheidungsfindung auch Gelder fließen werden, was das riesige Problem der Korruption noch weiter verstärken wird. Das Parlament wird aus einem Unterhaus, der ïìäìëá=àáêÖ~, und einem Oberhaus, der ãÉëÜ~J ê~åç=àáêÖ~, bestehen. Im Oberhaus wird je ein Vertreter aus den 34 Provinzen des Landes sitzen, und ein zweites Drittel, davon 50 Prozent Frauen, werden vom Präsidenten direkt ernannt. Das letzte Drittel der Sitze wird zunächst leer bleiben, da diese für Vertreter der einzelnen Distrikte vorgesehen sind, welche noch nicht gewählt worden sind. Die vorläufigen Ergebnisse sollen am 10. Oktober, die Endergebnisse am 22. Oktober 2005 veröffentlicht werden. Selbst dann wird schwierig zu beurteilen sein, wie viele Vertreter mit Verbindungen zu illegalen Milizen, Drogenschmuggel und weitere„Bösewichte" sich unter den Parlamentariern befinden. Zu befürchten ist, dass mindestens 50 Prozent Volksvertreter sein werden, die eigentlich keinen Platz in einem demokratisch gewählten Parlament haben sollten. Logistik Der gçáåí= bäÉÅíçê~ä= j~å~ÖÉãÉåí=_çÇó(JEMB) hatte im Vorfeld der Wahlen in Kabul hinter hohen Mauern, Stacheldraht und Sandsäcken, eine logistische Hochleistungszentrale für die Vorbereitung des Wahltages aufgebaut. Internationale Experten und ihre afghanischen Gegenüber klügelten aus, wie selbst in die entlegensten Orte die Stimmzettel per Esel, LKW oder Hubschrauber zu den Menschen und dann nach dem Wahltag die Wahlurnen wieder zurück zu den 32 Zählstationen in größeren Provinzstädten gelangen können. Aufgrund der hohen Analphabetenquote durfte sich jeder Kandidat ein Symbol aussuchen, das neben seinem Namen und Foto auf den Wahlzetteln veröffentlicht war. Dieses sollte den Wiedererkennungswert erleichtern. Dass die Wähler allerdings, vor allem in der Provinz Kabul, ihren Kandidaten oder ihre Kandidatin unter Hunderten auf den jeweils mehrseitigen Stimmzettel für die beiden verschiedenen Wahlen finden mussten, verursachte einige Staus an den Wahllokalen. Eine weitere Hürde war die nur unzureichende politische Wahlaufklärung: In Ortschaften und auch in den Städten fragten sich viele Menschen, warum sie schon wieder wählen sollten.„Karzai ist doch schon König, das reicht doch", so ein alter Mann in Kabul. Trotz riesiger Medienkampagnen und politischer Bildungsarbeit bzw. Wählerschulung war es so gut wie unmöglich, den Menschen überall im Land klar zu machen, wofür diese Wahlen gut sind und wie das Wahlprozedere verläuft. Vor wenigen Wochen, erst, nachdem die Kandidatennominierung beendet war, verabschiedete das Kabinett ein Gesetz über die Aufgaben und Pflichten der Provinzräte. Wie sollte den Wählern da erklärt werden, warum sie überhaupt Provinzräte wählen sollen? Vielen – unter ihnen auch gebildeten – Menschen konnten nach den tiefen Konflikterfahrungen auch nicht vermittelt werden, dass die Wahlen geheim sind. Die Angst vor dem einschüchternden lokalen Kommandanten, der viele Stimmen im Vorfeld der Wahl zu seinen Gunsten gekauft hat, war noch weit verbreitet. Selbst wenn bei dieser Wahl die Europäische Union und andere internationale Organisationen Hunderte internationale Wahlbeobachter stellten und fast 100.000 afghanische Wahlbeobachter und Parteienvertreter ihr Bestes gaben, um Manipulationen zu verhindern, blieben nichtsdestotrotz zahlreiche Schwach- 3 -
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Wahlen und Warlords - ein Parlament und 34 Provinzräte in Afghanistan werden gewählt
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