stellen. Es ist schon jetzt abzusehen, dass einige derjenigen, die nicht erfolgreich waren, die Wahlen anfechten werden. Entscheidend wird letztendlich aber sein, wie stark die über 12 Millionen Wahlberechtigten dem politischen Prozess vertrauen. Kernprobleme: instabile Sicherheitslage und geringe Entwicklung Der UN-Entwicklungsbericht stellte am Anfang des Jahres fest, dass Afghanistan zu einem der wenigsten entwickelten Länder der Welt gehört. Die Analphabetenrate liegt bei über 75 Prozent, die Infrastruktur – Straßen, Gesundheitsvorsorge, Schulen und Zugang zu den Medien- hat sich bis jetzt fast nur in den Städten und in nur wenigen ländlichen Regionen verbessert. Die Mütter- und Kindersterblichkeit gehört weiterhin zu den höchsten der Welt, 25 Prozent der Kinder erreichen nicht das fünfte Lebensjahr und die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei nur 43 Jahren. Insbesondere im Süden und Südosten wirkte sich die instabile Sicherheitssituation erschwerend auf die Wahlen aus. Ungefähr 1000 Menschen sind seit Beginn des Jahres 2005 infolge von Kämpfen zwischen den Gegnern des Friedensprozesses, Taliban, ÜáòÄJÉ= áëä~ãá von Hekmatyar und al-Qaida auf der einen und den`ç~äáíáçå= cçêÅÉë unter USamerikanischer Führung und der afghanischen Armee auf der anderen Seite gestorben. Noch kurz vor der Wahl forderten die wiedererstarkenden Taliban zum Wahlboykott auf und erklärten, dass sie Anschläge auf Wahllokale verüben würden, da die Wahlen„ein von den USA konstruierter Prozess" seien. Deshalb herrschte auch am Wahltag im ganzen Land Angst vor Anschlägen. Die im Aufbau befindliche Afghanische Nationale Armee und Polizei waren für die Sicherheit der Wahlen zuständig, flankiert von etwa 30.000 Truppen der fåíÉêå~íáçå~ä= pÉÅìêáíó= ^ëëáëí~åÅÉ= cçêÅÉ(ISAF) und der`ç~äáíáçå= cçêÅÉë. Die NATO hatte noch in der Woche vor den Wahlen beschlossen, das ISAFMandat um ein weiteres Jahr zu verlängern. Deutschland wird sein Kontingent auf fast 3000 Truppen ausbauen und das mêçîáåÅá~ä= oÉÅçåëíêìÅíáçå= qÉ~ã – neben Kunduz und Faizabad – auch in der Stadt Mazar-e Sharif im Norden übernehmen. Zwischen Pakistan und Afghanistan schwelt einmal mehr ein Konflikt, da die afghanische Seite ihre Nachbarn beschuldigt, dass immer wieder Terroristen von dort aus in die östlichen und südlichen Provinzen Afghanistans eindrängen. Der Vorschlag des pakistanischen Präsidenten Musharraf, einen Grenzzaun zu bauen, um diese Infiltration zu verhindern, ruft nicht nur böse Erinnerungen wach, sondern scheint auch in Anbetracht der 2400 Kilometer langen gemeinsamen Grenze unrealistisch. Diese, die alte in der britischen Kolonialzeit festgelegte Durand-Linie, ist umstritten und verläuft mitten durch die paschtunischen Stammesgebiete. Es ist zu befürchten, dass dieser Konfliktherd mittelfristig zu einem echten Problem werden könnte. Mehr Demokratie wagen? Der im Oktober 2004 gewählte Präsident Hamid Karzai muss einen schwierigen Balanceakt vollführen: Einerseits mehr Glaubwürdigkeit für den demokratischen Prozess herzustellen, andererseits mit altbekannten Warlords wie Dostum und Sayyaf zurechtzukommen. In der Vergangenheit schloss er einige Abkommen mit solchen Nicht-Demokraten, um sie in die Regierung zu integrieren. Jene Führer der Vergangenheit, aus verschiedenen Konfliktphasen, haben weiterhin großen Einfluss in den Provinzen. Menschen folgen ihnen aus alter Loyalität, weil sie ihnen Arbeit geben oder weil sie schlicht Angst vor diesen haben. Sie außen vor zu lassen oder sogar vor ein internationales Kriegsgericht zu stellen, würde sicherlich zunächst zu einer noch größeren Instabilität im Land führen. Deswegen existieren starke Vorbehalte, Ansätze von íê~åëáíáçJ å~ä=àìëíáÅÉ zu diskutieren und zu implementieren. Allerdings würde es der Mehrheit der Afghanen größeres Vertrauen in Karzais Regierungsführung geben, wenn die Kriegsverbrecher vor ein internationales oder ein afghanisches Gericht gestellt würden. Bisher sind aber die Institutionen, die Afghanistan zu einem Rechtstaat machen könnten, nur rudimentär vorhanden. Den Taliban hat Karzai Amnestie angeboten. Sie sind keine Fundamentalopposition, sondern eine Mischung aus ehemaligen Milizsoldaten, die wirtschaftlich verarmt sind, und ideologisch motivierten Kräften, die sich gegen die US-Präsenz sperren. Es gibt wenig Transparenz, was die Militäraktionen in diesen - 4 -
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Wahlen und Warlords - ein Parlament und 34 Provinzräte in Afghanistan werden gewählt
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