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Politische Kultur und kultureller Pluralismus
Entstehung
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Thomas Meyer Politische Kultur und kultureller Pluralismus der prinzipiellen Verträglichkeit mit der Ebene 3, und sie beschädigt ihre eigenen Legiti­mationsbedingungen, wenn sie darüber hinausgehende Forderungen erhebt. Die Menschen- und Bürgerrechte, die den Raum für die Privatautonomie auf den Ebenen 1 und 2 konstituieren und die auf der Ebene 3 begründet und garantiert werden, können nur individuelle Rechte sein und keine kollektiven, für deren Vermittlung und Verwaltung kulturelle oder religiöse Kollektive benannt werden, in deren Namen Repräsentanten In­halte definieren, Grenzen ziehen und Kontrollfunktionen wahrnehmen. Nur die einzelne Person kann die Verbindlichkeiten, Praktiken und Zugehörigkeiten, die auf diesen Ebenen eine Rolle spielen, letztinstanzlich für sich selbst entscheiden. Sie muss jederzeit das Recht und die gesicherte soziale Chance haben, ihre Personenrechte gegebenenfalls ge­rade auch gegen unerwünschte Zumutungen von Repräsentanten des»eigenen« ethno­kulturellen bzw. kulturell-religiösen Kollektivs, dem sie zugerechnet wird oder dem sie sich selbst zurechnet, behaupten können. Einen»Artenschutz« für bestimmte Gestaltungen kultureller Lebensweisen, unabhängig von dem, was die unterschiedlichen Individuen in ihrer Lebenspraxis daraus machen möchten, kann es in der rechtsstaatlichen Demokratie darum nicht geben. Transkulturalität und politische Kultur Dieser Vorrang der individuellen Rechte für das Zusammenleben kulturell Verschiedener in einem gemeinsamen rechtsstaatlich-demokratischen Staat hat eine normative und eine empirisch-faktische Seite. Das Faktum der zunehmenden Transkulturalität ist der ent­scheidende Ausgangspunkt für alle politischen Überlegungen zur Arbeit an der politischen Kultur der Demokratie. Keine der Kulturen der Gegenwart, auch nicht der Islam, ist eine im wesentlichen homogene Einheit, in die die Individuen, die sich zu den religiösen Traditio­nen bekennen, mental ganz, beständig und unwiderruflich eingeschmolzen werden. Statt dessen sind alle religiösen und kulturellen Überlieferungen in wachsendem Maße der ak­tualitätsbezogenen Auslegung bedürftig, um überhaupt noch Orientierung stiften zu kön­nen. Sie sind infolgedessen dynamisch, weil sie sich auf immer neue Situationen und Her­ausforderungen einstellen müssen. Das Prinzip Differenzierung, mit zum Teil äußerst weit reichenden Folgen, bringt es mit sich, dass Menschen und Gruppen, die derselben kultu­rellen Tradition zugerechnet werden oder sich selbst zurechnen, in den entscheidenden Fragen der Lebensführung, des Zusammenlebens und der Gestaltung des öffentlichen Lebensraumes oft nichts miteinander verbindet, dagegen verbindet sie häufig mit gleich orientierten Milieus anderer kultureller Tradition einiges. Das Kräfteparallelogramm der www.fes-online-akademie.de Seite 5 von 9