"Afghanistans Nationale Entwicklungsstrategie“: Eine hohe Messlatte für die afghanische Regierung und die internationale Gebergemeinschaft Inken Wiese, Oktober 2008(im Auftrag der FES) • Afghanistans Nationale Entwicklungsstrategie(ANDS) geht über das ursprüngliche Ziel eines Strategiepapiers im Rahmen der Entschuldungsinitiative von Weltbank und Internationalem Währungsfonds hinaus. Für die Umsetzung fehlt es jedoch noch an Strategien für die subnationale Ebene und an interministeriellen Strukturen. • Die afghanische Regierung muss eine umfassendere„Afghan ownership“ bei der Erarbeitung von auf der ANDS basierenden Provinzstrategien gewährleisten. • Als zentrale Forderung an die internationale Gemeinschaft formuliert die ANDS eine engere Koordinierung der Hilfe mit der afghanischen Regierung. Es wird die Unzufriedenheit auf beiden Seiten steigern, wenn diese Koordinierung mit der Begründung der mangelnden Kapazitäten afghanischer Ministerien weiter hinausgezögert wird. Zahlreiche Strategiepapiere begleiten den Weg des Wiederaufbaus und der Stabilisierung Afghanistans seit dem Fall des Taliban-Regimes im Jahr 2001. Die internationalen Vereinbarungen und nationalen Konzepte begnügen sich dabei nicht mehr mit den bereits erzielten Erfolgen und Fortschritten wie zum Beispiel im humanitären Bereich und in der zivilen Infrastruktur, sondern betonen zunehmend die Verantwortung der afghanischen Regierung So sah sich bereits der im Januar 2006 in London verabschiedete“Afghanistan Compact” als„a political commitment of both Afghanistan and the international community“. 1 Das am 9. September 2008 vorgelegte aktualisierte AfghanistanKonzept der Bundesregierung folgt dieser Linie und listet zahlreiche Erwartungen an die afghanische Regierung auf. 2 Auf Seiten der afghanischen Regierung ist das Bewusstsein für die eigene Verant1 Die Betonung durch die kursive Schreibweise findet sich so in der „Interim Afghanistan National Development Strategy- Summary Report“ , S. 5. 2 Siehe dazu „Das Afghanistan-Konzept der Bundesregierung 2008“ . wortung nicht nur durchaus existent, sondern geht sogar einher mit dem expliziten Wunsch, von der internationalen Gebergemeinschaft in die Lage versetzt zu werden, entsprechend eigenverantwortlich und souverän handeln zu können. Aufschluss darüber gibt die am 21. April 2008 von Afghanistans Präsidenten Hamid Karzai verabschiedete Nationale Entwicklungsstrategie(Afghanistan National Development Strategy/ANDS). Sie stellte auf der„Pariser Konferenz zur Unterstützung des Wiederaufbaus Afghanistans“ am 12. Juni 2008 das zentrale Dokument dar, auf dem zukünftig die langfristige Selbstverpflichtung der afghanischen Regierung und der internationalen Gemeinschaft basieren soll. l. An anderer Stelle ist deshalb auch von der„Afghanisierung der Stabilisierungsstrategie“ die Rede. Was das bedeutet, interpretieren die jeweiligen Akteure jedoch sehr unterschiedlich. 3 Im Folgenden soll dargestellt werden, welche Erwartungen die afghanische Regie3 Citha D. Maaß:„Afghanisierung der Stabilisierungsstrategie“, in: Peter Schmidt(Hrsg.): Das internationale Engagement in Afghanistan. Strategie, Perspektiven, Konsequenzen, SWP-Studie, August 2008, Berlin, S. 13-28. 1
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