völkerung entstanden sei und dass der Prozess die Erwartungen der Bevölkerung unrealistisch geschürt habe. Auch wenn diese beiden Kritikpunkte einander in gewisser Weise widersprechen, so weisen sie auf Schwächen im Prozess der Strategieentwicklung hin, die bei der Umsetzung der ANDS stärker beachtet werden sollten. Keine“echte” Afghan Ownership Die ANDS nimmt für sich in Anspruch, aus einem umfassenden partizipativen Ansatz entstanden zu sein, in den neben der Regierung auch Organisationen der Zivilgesellschaft, des Privatsektors und der internationalen Gemeinschaft eingebunden gewesen sein sollen. Gemeinsam sollten während der Arbeit an der ANDS Schlüsselprioritäten für Aktivitäten und Reformen identifiziert werden, von denen die weitreichendsten Impulse für Wachstum und Armutsreduzierung zu erwarten sein würden. 9 Früh im Prozess wurde bemängelt, dass das Prinzip der„country ownership“ und damit die Beteiligung der Bevölkerung am Dokument wohl nicht so weit realisiert werden würde, wie es der Text der ANDS suggerieren möchte. So wurde das Dokument primär durch afghanische Eliten unter starker internationaler Beteiligung entworfen, während sich die Teilnahme von Gesellschaft und Bürgern auf rein formale Konsultationen beschränkte. Dies kann zwar als Form der Partizipation betrachtet werden, die Konsultationen selbst gingen jedoch nicht mit Entscheidungskompetenzen einher. In persönlichen Gesprächen mit NGOs und Provinzräten im Norden und Süden Afghanistans sowie in Kabul war die Frustration spürbar, dass zahlreiche geäußerte Wünsche und Bedürfnisse keinen Eingang in die ANDS gefunden hätten und die Konsultationen somit ohne Konsequenzen geblieben wären. Dies mag zum einen an den von Vertretern der internationalen Gemeinschaft kritisierten„shopping lists“ ohne Prioritäten gelegen haben, die aus den Konsultationen und aus der Zuarbeit der Ministerien hervorgegangen seien und die nur schwer in eine landesweite Strategie inkorporiert 9 Siehe http://www.ands.gov.af/ands/andsconts/consult ation/front.asp . werden konnten. Zum anderen aber hätten die Konsultationen in den Provinzen erst stattgefunden, als die ANDS in ihrer Grundstruktur und Ausrichtung bereits feststand. Diese Vermutung wird dadurch gestützt, dass der Prozess der Ausformulierung der ANDS bis in die letzten Phasen hinein auf Englisch stattfand. Überhöhte Erwartungen geschürt Einige Experten bezweifeln zudem, wie angesichts der angespannten Sicherheitslage insbesondere im Süden und Osten überhaupt Konsultationen oder Jirgas durchgeführt werden konnten. Dies habe dazu geführt, dass die versammelten Vertreter der Stämme, Provinzräte, NGOs und Bürger nicht angemessen auf die Ziele und Inhalte der Konsultation vorbereitet gewesen seien. 10 In zahlreichen Fällen haben die Konsultationen die Unzufriedenheit und Ungeduld der Bevölkerung geschürt, da scheinbar nur unzureichend kommuniziert wurde, dass die Umsetzung sich auf einen langfristigen Zeitraum bezieht. Umsetzung der ANDS noch unklar Zwar ist die ANDS neben dem„Afghanistan Compact“ seit der Paris-Konferenz für alle zivilen und militärischen Akteure die zentrale Bezugsgröße. Damit die ANDS umgesetzt werden und sie die oben genannten in sie gesetzten Erwartungen erfüllen kann, müssen folgende Probleme unverzüglich und umfassend angegangen werden. 1) Schaffung interministerieller Strukturen Noch ist ungeklärt, wie die verschiedenen politischen Strategien der Gebergemeinschaft und der afghanischen Regierung mittelfristig durch entsprechende technische und personelle Strukturen mit der Agenda der ANDS übereingebracht werden können. So wurde beispielsweise bisher noch keine Einigung über die Besetzung der einzurichtenden interministeriellen Ausschüsse in der afghanischen Regierung zur Umsetzung der ANDS gefunden. 10 Maaß(August 2008), S. 25. 4
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"Afghanistans nationale Entwicklungsstrategie" : eine hohe Messlatte für die afghanische Regierung und die internationale Gebergemeinschaft
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