Veränderung des Status quo geprägt ist. Das Regime verfügt über die prinzipiellen militärischen und wirtschaftlichen Ressourcen des Landes sowie ein nicht zu vernachlässigendes Mobilisierungs-potential in der Bevölkerung. Ideologisch basiert diese Herrschaft auf einer Mischung aus Religion und Nationalismus – bei fortschreitender Negierung der republikanischen Aspekte in der Verfassung. Eine geringe nationale wie internationale Legitimität stellt allerdings die Lebensdauer dieser Machtkonstellation in Frage. Die Konfliktbereitschaft der Opposition, die von einem Teil der Bevölkerung getragen wird, lässt sich nicht auf Dauer durch Repression kontrollieren. Der Einfluss einer gemäßigt konservativen Mitte in den staatlichen Institutionen wird zwar mehr und mehr eingeschränkt, kann jedoch nach wie vor die Stabilität der Regierung Ahmadinejad untergraben. Von einem„Sieg“ einer Partei über die andere kann nicht die Rede sein. Insofern scheint ein Prozess der Kräfteverschiebung und Koalitionsbildung bevorzustehen, in dem eine Vielzahl – teilweise unkalkulierbarer – Faktoren eine Rolle spielt. Sicher ist bislang nur eins: die Islamische Republik hat sich entscheidend gewandelt. Außenpolitische Folgen Dass die Wahlkrise nicht ohne Konsequenz für Irans außenpolitischen Beziehungen bleibt, hat sich bereits gezeigt: im Laufe der Proteste wurden u. a. neun Mitarbeiter der Britischen Botschaft, eine französische Staats-bürgerin und mehrere iranische Doppelstaatler verhaftet. Staatlich organisierte Demonstrationen vor europäischen Vertretungen, die Tiraden des Revolutionsführers gegen den „westlichen Feind“ und nicht zuletzt die Attacke Ahmadinejads auf die Bundesregierung wegen des Mordes an einer Ägypterin in einem deutschen Gerichtssaal machen deutlich, dass die iranische Führung ihre Position auch weiterhin durch aggressive Töne in der Außenpolitik zu festigen sucht. Demgegenüber hat sich die Zurückhaltung des Westens und insbesondere der USA zu Beginn der Proteste in Iran zunächst als richtig erwiesen. Eine vorschnelle Parteinahme für Mussavi und die Opposition hätte diese delegitimiert und den Verschwörungstheorien der Hardliner Aufwind verliehen. Zwar äußerten sich die europäischen Regierungen in der Folge kritisch zu möglicher Wahlmanipulation und Gewaltanwendung, doch haben sie den Konflikt insgesamt eher als inneriranische Angelegenheit betrach-tet. Eine von allen Teilnehmern des G8-Gipfels Anfang Juli getragene Erklärung verurteilte dann die Niederschlagung der Proteste und forderte gleichzeitig Teheran zu einer Rückkehr zu den Verhandlungen über das iranische Atomprogramm auf. Die Wahl hat in Iran diejenigen Kräfte gestärkt, die den Atomkonflikt bislang eher zur Demonstration nationaler Stärke nutzten, als an Verhandlungs-fortschritten interessiert zu sein. Diese Haltung wurde zudem im Wahlkampf als entscheidende Errungenschaft der Regierung Ahmadinejad präsentiert. Zukünftig stellt sich somit die Frage, welche Lösung des festgefahrenen Konflikts Europa und die USA unter diesen Voraussetzungen überhaupt anstreben wollen und können. Die bislang verfolgte Suspendierung des Atomprogramms lässt sich in Iran auch bei pragmatischen Kräften nicht mehr durchsetzen und verschafft Hardlinern nur eine unnötige Grundlage zur Mobilisierung des Nationalstolzes. Das Ziel etwaiger Verhandlungen kann nur eine Erlangung größtmöglicher Transparenz bei gleichzeitiger Aufzeigung deutlicher Grenzen sein. Der Führung in Teheran muss klargemacht werden, dass weder die Missachtung grundlegender Rechte für die - 6-
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Entgleiste Revolution? : Die iranischen Präsidentschaftswahlen und ihre Folgen
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