6 Dieter Wunder „An der Spitze der Reformen“? Sozialdemokratische Bildungspolitik seit den 1960er Jahren 1 Die Sozialdemokratische Bildungspolitik der 1960er und 1970er Jahre – darauf konzentriere ich mich – stelle ich erinnernd und kritisch vor, aus der verengten Perspektive eines damaligen Gymnasiallehrers, Gesamtschulleiters und GEW-Funktionärs. Mein Thema ist die„Ankunft“ dieser Politik bei einem Sympathisanten der Partei. Erwarten Sie bitte von meiner biografischen Sicht keine ausgewogenen, gar sachlich fundierten Ausführungen. Ich möchte mit einigen grundsätzlicheren Überlegungen schließen, die ich als Ergebnis des von mir durchlaufenen Lernprozesses ansehe. Rechtfertigen lässt sich mein subjektiver Versuch, weil mein Rückblick manches gemeinsam haben mag mit dem anderer linker„Vor-68er“. Die 1960er Jahre finde ich trotz aller Verkrustungen der Nachkriegszeit im Rückblick faszinierend. Viele Traditionen wurden in Frage gestellt. Emanzipation wurde eine Parole von Linken – gemeint war damals die SPD – und Linksliberalen, ein Schreckgespenst für Konservative. Neues fand bei vielen Menschen vorsichtig-bereitwillige Ohren. Diese Jahre waren Aufbruchsjahre für die Bildung. Ich erinnere stichwortartig und auswählend. Die Aktion Bildungswerbung warb für bessere Bildung auf dem Lande. Ralf Dahrendorf proklamierte das Bürgerrecht auf Bildung;„Gesellschaft und Demokratie in Deutschland“ beeindruckte. Der Bildungsrat skizzierte grundlegende 1 Die Vortragsform wurde beibehalten; der Text ist nur leicht überarbeitet.
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