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Wie tickt Thüringen? : Lebenszufriedenheit im Freistaat vor dem Superwahljahr
Entstehung
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Wie tickt Thüringen Lebenszufriedenheit im Freistaat vor dem Superwahljahr Nachbetrachtung Thüringen nimmt seit der letzten Landtagswahl am 27.10.2019 eine Sonderstellung in den Ländern der Bundesrepublik Deutschland ein. Die Landesregie­rung und die sie tragenden Fraktionen verfügen über keine eigene parlamentarische Mehrheit, sie sind bei der Verabschiedung von Gesetzen entweder auf die Enthaltung oder die Zustimmung der Opposition an­gewiesen. Nachdem angesichts dieser Situation sogar ein Kurzzeit-Ministerpräsident der FDP gewählt wur­de und dieser nach bundesweiten Protesten keine 30 Tage im Amt blieb, wurde Bodo Ramelow als Mi­nisterpräsident wiedergewählt. Die regierungstragen­den Parteien stellten damals eine Auflösung des Landtags und zeitnahe Neuwahlen in Aussicht, die dann jedoch nicht kamen. In dieser stark angespannten parlamentarischen Si­tuation wurde der Freistaat unter ausgesprochen schwierigen äußeren Bedingungen regiert(Coronakri­se, der Krieg Russl­ands gegen die Ukraine, der Über­fall der Hamas auf Israel sowie die sich anschließen­den kriegerischen Auseinandersetzungen), die einen massiven Einfluss auf die wirtschaftliche, soziale und politische Lage auch in Thüringen genommen haben. gration, Zuwanderung und Asyl«. Fast jede_r zweite Befragte(57,2 Prozent) teilt diese Einschätzung. Das steht in einem merkwürdigen Kontrast zu der Tatsa­che, dass in Thüringen der Anteil der ausländischen Mitbürger_innen nur 5,4 Prozent der Gesamtbevöl­kerung ausmacht und lediglich 2,4 Prozent der in Deutschland gestellten Asylanträge auf den Freistaat entfallen(BAMF 2023: 8). An zweiter Stelle folgt das Thema»Bildung« als vor­dringlich zu bearbeitende Herausforderung. Ange­sichts von 9,5 Prozent aller Schüler_innen, die die Schule ohne Hauptschulabschluss verlassen(in Deutschland insgesamt 6,9 Prozent), ist diese Ein­schätzung nachvollziehbar. Bildung ist der Schlüssel für die Zukunft der nachwachsenden Generationen. Im Gegensatz zu dieser Problemeinschätzung finden sich Aussagen zur eigenen Lebenssituation und dazu, ob man gerne in Thüringen lebt: Zwei Drittel der Be­fragten(65,9 Prozent) sind mit der eigenen Lebenssi­tuation eher oder sehr zufrieden und acht von zehn Thüringer_innen(82,2 Prozent) leben eher oder sehr gerne im Freistaat. Vor diesem Hintergrund wurden in der hier vorgeleg­ten repräsentativen Untersuchung die Thüringer_innen befragt, wie zufrieden sie mit der bisherigen Arbeit der Landesregierung sind, die Lösung welcher Probleme sie für besonders dringend halten und welchen Politiker_ innen sie die größte Kompetenz dafür zutrauen. Der Problembereich, um den sich die Landesregie­rung zuvörderst kümmern sollte, ist das Thema»Mi­Überraschend ist bei alldem der hier ermittelte hohe Anteil potenzieller Wähler_innen einer in Thüringen als sicher»rechtsextrem« eingestuften Partei. Nach der Definition des Bundesamtes für Verfassungs­schutz bedeutet dies, dass diese Partei mit wesentli­chen Inhalten»in einem fundamentalen Widerspruch zum Grundgesetz« steht. Je jünger die Befragten sind, je niedriger die formale Bildung und je geringer die Bevölkerungsdichte ist, desto höher sind die Zustim­42