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Demokratievertrauen in Krisenzeiten : wie blicken die Menschen in Deutschland auf Politik, Institutionen und Gesellschaft?
Entstehung
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DEMOKRATIEVERTRAUEN IN KRISENZEITEN 17 91 Prozent der AfD-Anhänger_innen, aber nur neun Pro­zent der Grünen-Anhänger_innen Sorge bereitet. Die Sorge vor abnehmender sozialer Sicherheit bekunden die Anhänger_innen der Rand- und sonstigen Parteien und die Nicht- bzw. Ungültig-Wähler_innen stärker als An­hänger_innen von Union, SPD, Grünen und FDP. Ähnli­ches gilt für die Inflation und den abnehmenden Wohl­stand, hier allerdings mit Ausnahme der Linken-Anhän­ger_innen. Bei Corona, der Kriegsgefahr und der Feind­seligkeit gibt es geringe Unterschiede, bei der Bedrohung durch den Rechtsextremismus fallen nur die AfD-Anhän­ger_innen aus dem Rahmen, von denen 78 Prozent darin kein sorgebereitendes Problem sehen. Sorgen vor dem sich verschärfenden Klimawandel sind unter sich als links einstufenden Wähler_innen häufiger anzutreffen als auf der rechten Seite; mit Blick auf die Parteipräferenz be­steht die größte Lücke zwischen den Grünen- und den AfD-Anhänger_innen(95 gegenüber 48 Prozent). Die Daten bestätigen den schon 2019 erlangten Befund, dass die Zuwanderung als Thema am meisten polarisiert. Unter den Themen, die den Menschen Sorgen machen, rangiert sie aber eher im hinteren Bereich. Den Klima­wandel und die neue Kriegsgefahr empfinden die Men­schen als bedrohlicher, genauso wie die befürchteten ma­teriellen Wohlstandseinbußen und das rauer werdende gesellschaftliche Klima. Während der Zuwanderungsdis­kurs der Rechtspopulist_innen vor allem auf die kulturel­len und gesellschaftlichen Implikationen der Migration abhebt, die die vermeintliche Homogenität der Nation angeblich gefährden, misst ein erheblicher Teil der Bevöl­kerung diesen Problemen angesichts des Beitrags der Zu­wander_innen zur Aufrechterhaltung des wirtschaftli­chen Wohlstands weniger Bedeutung zu. Die aktuelle Diskussion über den sich verschärfenden Fachkräfteman­gel spielt diesem Narrativ in die Hände. ZUFRIEDENHEIT MIT DEM FUNKTIONIEREN DER DEMOKRATIE Trotz der massiven Krisen und Unsicherheiten der letzten Jahre bleibt die Zufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie stabil, steigt sogar leicht um zwei Prozent­punkte. Das ist angesichts der gesellschaftlichen Umbrü­che bemerkenswert. Allerdings lag die Zufriedenheit schon 2019 auf einem niedrigen Niveau und auch 2022 zeigt sich eine knappe Mehrheit von 51 Prozent weiterhin wenig oder überhaupt nicht zufrieden mit dem Funktio­nieren der Demokratie. TROTZ KRISEN: ZUFRIEDENHEIT MIT DER DEMOKRATIE AUF NIEDRIGEM NIVEAU STABIL Aber: Abstand zwischen West und Ost ist gewachsen Der Abstand zwischen West und Ost ist gegenüber 2019 nochmals gewachsen. 18 Zeigte sich 2022 eine Mehrheit von 52 Prozent der Westdeutschen mit der Demokratie zufrieden(+2,5 Prozentpunkte), sackte die Zufriedenheit im Osten weiter ab(um zwei Prozentpunkte auf 34 Pro­zent). Innerhalb der alten Bundesrepublik sind die Bür­ger_innen im Norden deutlich zufriedener als die im Sü­den(58 gegenüber 50 Prozent), obwohl der Süden wirt­schaftlich stärker ist. Auf dem Land und in den kleineren Städten ist die Zufriedenheit etwas geringer als in den mittleren und Großstädten. 18 einen Abgleich der Befunde zu Ost- und Westdeutschland vgl. Liljeberg/Krambeer(2022), deren im Rahmen des von der Bundes­regierung beauftragtenDeutschland-Monitors durchgeführte Umfrage ebenfalls im Juli/August 2022 stattfand. Abbildung 4 DEMOKRATIEZUFRIEDENHEIT: Wie zufrieden sind Sie alles in allem mit der Art und Weise, wie die Demokratie in Deutschland funktioniert?(in%) sehr zufrieden ziemlich zufrieden weniger zufrieden überhaupt nicht zufrieden 7,3 17,2 41,4 34,1 n= 2.494 Quelle: Umfrage FES/Universität Bonn 2022