FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – DEMOKRATIEVERTRAUEN IN KRISENZEITEN 18 Aber: Zufriedenheit weiterhin abhängig von sozialem Status Während es in Bezug auf Alter und Geschlecht nur geringe Unterschiede in der Zufriedenheit/Unzufriedenheit gibt, zeigt sich bei den auf die soziale Lage bezogenen Merkmalen ein ähnliches Muster wie 2019: Niedriger Gebildete und Angehörige der Unter-/Arbeiter_innenschicht sind weitaus weniger zufrieden als höher Gebildete und die Angehörigen der oberen Mittel- und Oberschicht – die Werte haben sich hier im Vergleich zu 2019 in Bezug auf das Bildungsmerkmal nochmals verschlechtert (63 gegenüber 60 Prozent Unzufriedene bei den Niedriggebildeten), bei der Schichtzugehörigkeit etwas verbessert(67 gegenüber 70 Prozent Unzufriedene bei den Angehörigen der Unter-/Arbeiter_innenschicht). Keine nennenswerten Unterschiede ergeben sich in Bezug auf Erwerbsstatus und Migrationshintergrund. Grünen- und SPD-Wähler_innen weisen die höchsten Zufriedenheitswerte auf Blickt man auf die politischen Variablen, zeigen sich nur die am meisten rechts eingestellten Wähler_innen mit 75 Prozent entschieden unzufrieden – von den am meisten links eingestellten Wähler_innen sind es nur 51 Prozent. Unter den AfD-Wähler_innen befinden sich 94 Prozent Unzufriedene, während die Grünen-Wähler_innen mit nur 21 Prozent Unzufriedenen und die SPD-Wähler_ innen mit 34 Prozent die höchsten Zufriedenheitswerte aufweisen. Auch unter den Wähler_innen sonstiger Parteien und den Nicht- bzw. Ungültig-Wähler_innen gibt es eine deutliche Mehrheit Unzufriedener(72 bzw. 76 Prozent). Erwartbare Zusammenhänge gibt es mit den Vertrauensvariablen. Wo diese hoch sind, ist auch die Zufriedenheit hoch. Ähnliches gilt mit Blick auf antielitäre Einstellungen, das präferierte Demokratiemodell, den Medienkonsum und die Bewertung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Wer antielitäre Einstellungen hegt, der direkten Demokratie den Vorzug vor der repräsentativen Demokratie gibt, mehrheitlich nicht öffentlich-rechtliche Medien benutzt und einen Rückgang des gesellschaftlichen Zusammenhalts ausmacht, weist eine höhere Demokratieunzufriedenheit auf. Wahrgenommene Veränderung des Zustands der Demokratie Um die Veränderungen gegenüber 2019 noch konkreter zu erfassen, wurden die Bürger_innen zusätzlich danach gefragt, ob sich der Zustand der Demokratie ihrer Meinung nach in den letzten Jahren verbessert oder verschlechtert habe. Auch hier ist der Befund eindeutig: Während 51 Prozent eine Verschlechterung feststellen, sehen nur zehn Prozent eine Verbesserung. Die übrigen 39 Prozent sehen weder eine Verschlechterung noch eine Verbesserung. Die Verteilung nach soziodemografischen und Einstellungsmerkmalen ist ähnlich wie bei der Frage nach der Demokratiezufriedenheit. Obwohl diese gegenüber 2019 gar nicht abgenommen hat, wird das von der Mehrheit der Befragten dennoch so gesehen. Dazu passt, dass eine Verschlechterung vor allem diejenigen feststellen, die ein geringeres Zukunftsvertrauen aufweisen (57 Prozent im Vergleich zu 24 Prozent unter den Befragten mit hohem Zukunftsvertrauen). B) INPUTLEGITIMATION UND INSTITUTIONENVERTRAUEN Auf der Inputseite zeichnen sich legitime politische Entscheidungen dadurch aus, dass sie die in der Gesellschaft vorhandenen Präferenzen aufnehmen und in die Entscheidungsfindung einspeisen(Responsivität). Doch scheint es den Menschen immer schwerer zu fallen, sich überhaupt eine politische Meinung, und damit Präferenzen, zu bilden. Obwohl die Hälfte der Befragten ein starAbbildung 5 DEMOKRATIEZUFRIEDENHEIT nach subjektiver Schichtzuordnung(in%) 100 90 28,7 80 70 60 50 38,5 40 30 20 29 10 3,8 0 Unterschicht/Arbeiter_innenschicht n= 2.408 Quelle: Umfrage FES/Universität Bonn 2022 11,9 11,4 24,4 33,8 52,2 46,1 8,2 12 Mittelschicht obere Mittelschicht/Oberschicht ziemlich zufrieden weniger zufrieden sehr zufrieden überhaupt nicht zufrieden
Druckschrift
Demokratievertrauen in Krisenzeiten : wie blicken die Menschen in Deutschland auf Politik, Institutionen und Gesellschaft?
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten