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Demokratievertrauen in Krisenzeiten : wie blicken die Menschen in Deutschland auf Politik, Institutionen und Gesellschaft?
Entstehung
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FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG DEMOKRATIEVERTRAUEN IN KRISENZEITEN 42 Bei der Frage nach den Gründen für den schwindenden Zusammenhalt wurden drei der bereits 2019 abgefragten Items wiederverwendet: Deutschland hat zu viele Zuwanderer aus anderen Kulturkreisen aufgenommen. Durch die Globalisierung werden die Möglichkeiten der Politik verringert, für soziale Gerechtigkeit zu sorgen. In der heutigen Gesellschaft gilt Egoismus mehr als Solidarität. Das dritte Item fand erneut die stärkste Zustimmung, aller­dings mit leicht rückläufiger Tendenz(88 gegenüber knapp 91 Prozent). Etwas häufiger bejaht wurden dagegen als Ursache die Globalisierung(63 gegenüber 57 Prozent) und die Aufnahme zu vieler Zuwander_innen(51 gegenüber 49 Prozent). Beim Thema Zuwanderung bestätigte sich die bereits 2019 festgestellte Polarisierung. Sie ist einerseits an der hälftigen Meinungsverteilung und andererseits an der starken Befürwortung der extremen Positionen ablesbar, die sich aber gegenüber den Positionen derbeweglichen Mitte nicht in der Mehrheit befinden. Dies deckt sich mit den Ergebnissen unserer Erhebung von 2019 sowie Befun­den anderer Studien(vgl. Faus/Storks 2019). Rechtsextremisten vergiften das gesellschaftliche Klima. Beiden Items stimmte eine deutliche Mehrheit von 80 bzw. 74 Prozent zu. 74 PROZENT STIMMEN ZU: EXTREMIST_INNEN VERGIFTEN DAS GESELLSCHAFTLICHE KLIMA Mit Blick auf die regionale Verteilung lassen sich Unter­schiede zwischen West- und Ostdeutschland bei der Be­wertung der Zuwanderung, der Globalisierung und des Rechtsextremismus ausmachen. Bei der Zuwanderung und der Globalisierung ist die Zustimmung im Osten um elf bzw. sechs Prozentpunkte höher, beim Rechtsextre­mismus um elf Prozentpunkte niedriger. Bei den übrigen Items gibt es wenig Abweichungen, auch innerhalb der alten Bundesrepublik und unter Berücksichtigung der Ge­meindegröße liegen die Werte nahe beim Durchschnitt. Weibliche Befragte verzeichnen bei den Items Egoismus, soziale Medien und Rechtsextremismus etwas mehr Nen­nungen als männliche, die älteren Wähler_innengruppen stimmen den Items Zuwanderung, Globalisierung, soziale Medien und Rechtsextremismus häufiger zu. WAHRGENOMMENER HAUPTGRUND FÜR SCHWINDENDEN ZUSAMMENHALT: EGOISMUS Zwei Items wurden neu abgefragt: Die sozialen Medien führen dazu, dass es keinen gemeinsamen Kommunikationsraum mehr gibt und Meinungskonflikte immer rücksichtsloser ausgetra­gen werden. Am deutlichsten sind die Unterschiede zwischen links und rechts bei der Zuwanderung Größere Unterschiede zeigen sich bei einigen Items mit Blick auf die sozialen Statusmerkmale. Niedriggebildete und Befragte, die sich selbst zur Unter-/Arbeiter_innen­schicht zählen, stehen der Zuwanderung deutlich skepti­scher gegenüber als höher Gebildete und Angehörige der oberen Mittel- und Oberschicht(68 bzw. 60 Prozent ge­genüber 44 bzw. 40 Prozent Zustimmung). Bei der Be­wertung der Globalisierung bestehen beim Bildungs­Abbildung 30 GRÜNDE FÜR RÜCKGANG DES GESELLSCHAFTLICHEN ZUSAMMENHALTS Grundgesamtheit: Befragte, die Rückgang des Zusammenhalts(eher) bejahten(in%) 100 2,5 90 9,9 80 70 44,7 60 50 40 30 20 42,9 10 0 Egoismus 5,1 8,5 11,6 14,8 17,6 24,9 43 33,7 42,1 37,1 40,2 21,4 Social Media Rechtsextremismus Globalisierung n= 1.808 Quelle: Umfrage FES/Universität Bonn 2022 weniger wichtiger Grund wichtiger Grund 22 27,1 26,5 24,4 Migration gar kein Grund sehr wichtiger Grund