FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – DEMOKRATIEVERTRAUEN IN KRISENZEITEN 44 Abbildung 31 WAHRNEHMUNG GESELLSCHAFTLICHER KONFLIKTE(in%) 100 1,3 90 13,1 80 70 41,5 60 50 40 30 20 44,1 10 0 Corona 1,9 2 13,5 20,7 53 53,9 31,6 23,4 Migration Klima 2,5 4,3 5,4 12,8 23,7 35,4 45,4 55,6 46,6 27,2 Arm vs. Reich 46,3 36,3 14 12,9 struktur- Gleichstellung schwache vs. strukturstarke Regionen 24 7,6 Ost vs. West n= 2.378–2.473 Quelle: Umfrage FES/Universität Bonn 2022 weniger starker Konflikt starker Konflikt 13,1 20,1 57,2 55,5 22,5 7,2 Jung vs. Alt 19 5,4 Stadt vs. Land kein Konflikt sehr starker Konflikt Vergleicht man die Geschlechter, lassen sich größere Abweichungen erwartungsgemäß bei der Gleichstellung feststellen, die 56 Prozent der Frauen, aber nur 43 Prozent der Männer als starken oder sehr starken Konflikt einstufen, dicht gefolgt von dem Konflikt zwischen wirtschaftsstarken und strukturschwachen Regionen(66 gegenüber 54 Prozent). Auch die übrigen Konflikte werden von den weiblichen Befragten stärker betont als von den männlichen, nur bei Stadt/Land und Jung/Alt gibt es im Antwortverhalten keine Unterschiede. Berücksichtigt man das Alter der Befragten, zeigen sich die größten Abweichungen beim Generationenkonflikt und der Gleichstellung mit einer um 20 bzw. 19 Prozentpunkte höheren Zustimmung der jüngsten im Vergleich zur ältesten Wähler_innengruppe. Bei den anderen Konflikten – auch beim Klimaschutz – bleiben die Unterschiede dagegen gering. Zieht man ein kurzes Resümee, so ist bei der Bewertung der Konflikte zum Teil eine deutliche Diskrepanz zwischen dem tatsächlichen Antwortverhalten und dem medial erzeugten Bild feststellbar. Während die Gegensätze zwischen Stadt und Land, Ost und West sowie den Generationen in den Medien prominent hervorgehoben werden, sehen die Bürger_innen Konflikte vor allem bei der Zuwanderung und zwischen Arm und Reich, die in der öffentlichen Debatte eher zurückhaltend thematisiert werden. Nur beim Klimaschutz und den Coronamaßnahmen stimmen die tatsächliche und medial vermittelte Bewertung der Konfliktintensität weitgehend überein, wobei Corona allerdings ein temporäres Thema war, das mit dem absehbaren Ende der Pandemie von der Agenda rasch verschwand. Auch bessergestellte Bürger_innen betonen die Relevanz von Verteilungskonflikten Erstaunlich wenig Unterschiede lassen sich auch bei Berücksichtigung der sozialen Statusmerkmale feststellen. Selbst bei den Items, die wirtschaftliche Probleme betreffen, liegen die Differenzen hier durchweg unter zehn Prozentpunkten. Für die politischen Einstellungen ergibt sich ein ähnliches Bild. Verteilungsbezogene Konflikte wie Arm/Reich werden von den gemäßigt rechts eingestellten Bürger_innen, also denen, die der FDP und den Unionsparteien zuneigen, etwas schwächer akzentuiert; ansonsten bleiben die Unterschiede gering. Berücksichtigt man die vertrauensbezogenen Variablen, zeigt sich ein – ebenfalls allerdings nicht sehr stark ausgeprägter – Zusammenhang insofern, als demokratieunzufriedene und wenig vertrauende Bürger_innen die Konflikte in ihrem Antwortverhalten etwas stärker akzentuieren. POLITIK IN DER CORONAKRISE Mit Blick auf den Output des politischen Systems und der Regierungstätigkeit wollten wir zunächst von den Befragten wissen, wie zufrieden sie rückblickend alles in allem mit der Arbeit der Politik in der Coronakrise waren. Die wenigsten gaben an, sehr zufrieden damit zu sein(fünf Prozent). Am häufigsten sagten die Interviewten, sie seien ziemlich(39 Prozent) oder weniger(36 Prozent) zufrieden. Immerhin jede_r Fünfte(20 Prozent) ist mit der Arbeit der Politik in der Coronakrise überhaupt nicht zufrieden. Keine großen Unterschiede lassen sich unter Berücksichtigung von Gemeindegröße, Geschlecht und Erwerbsstatus finden. Dagegen zeigen sich – wie erwartet – die größten Differenzen, wenn man den Impfstatus und das Wahlverhalten bei der Bundestagswahl 2021 in die Aus-
Druckschrift
Demokratievertrauen in Krisenzeiten : wie blicken die Menschen in Deutschland auf Politik, Institutionen und Gesellschaft?
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten