FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – DEMOKRATIEVERTRAUEN IN KRISENZEITEN 50 nannten Aussage stimmen 66 Prozent der Befragten zu, die sich selbst der Unter- bzw. Arbeiter_innenschicht zurechnen; bei denjenigen, die sich selbst als obere Mitteloder Oberschicht bezeichnen, sind es bloß 45 Prozent. Noch größer sind die Unterschiede, bezieht man die parteipolitischen Präferenzen mit ein: 55 Prozentpunkte trennen die Grünen- von den AfD-Wähler_innen(25 Prozent vs. 80 Prozent Zustimmung). Diejenigen, die sich durch ein hohes Institutionenvertrauen auszeichnen, stimmen dem„Klimaschutz ohne Nachteile“ seltener zu als diejenigen, die ein geringes Vertrauen aufweisen. Dasselbe Muster zeigt sich bei Berücksichtigung der Demokratiezufriedenheit: Während 46 Prozent der Befragten mit einer hohen Demokratiezufriedenheit zustimmen, sind es in der Gruppe der Demokratieunzufriedenen mit 71 Prozent deutlich mehr. Befragte, die meinen, die Demokratieentwicklung habe sich in den letzten Jahren verschlechtert, bejahen die Aussage sehr viel häufiger als diejenigen, die eine Verbesserung feststellen(67 gegenüber 41 Prozent); Verfechter_innen direktdemokratischer Entscheidungsprozesse befürworten sie häufiger als Anhänger_innen der repräsentativen Demokratie(69 gegenüber 43 Prozent), und Interviewte, die glauben, der gesellschaftliche Zusammenhalt schwinde, stimmen ebenfalls häufiger zu als die Angehörigen der Gegengruppe(63 gegenüber 45 Prozent). wälzt werden, umso schwerer dürfte es fallen, die Akzeptanz für die notwendigen Strukturveränderungen zu gewinnen. Insbesondere die Rechtspopulist_innen werden darauf abzielen, permanent in dieser Wunde zu rühren, um sich in Sachen Klimapolitik zu Anwält_innen der kleinen Leute aufzuschwingen. Dass ein sozial gerechter Klimaschutz mit der Demokratisierung des Konsums eng verknüpft ist und sich an Themen wie Fernreisen, Autofahren oder Fleischkonsum entzünden kann, sollten vor allem die Parteien im Bewusstsein behalten, denen die Verteilungsgerechtigkeit traditionell ein Herzensanliegen ist. Das kann zum Beispiel bedeuten, ordnungsrechtlichen Ge- oder Verboten im Einzelfall Vorrang vor marktwirtschaftlichen Bepreisungslösungen zu geben. DATEN LEGEN NAHE: ORDNUNGSRECHT IM EINZELFALL VOR MARKTWIRTSCHAFTLICHEN BEPREISUNGSLÖSUNGEN Gleichzeitig müssen die sozial- und regionalpolitischen Ausgleichsmaßnahmen so konzipiert werden, dass sie die ökologischen Lenkungsziele nicht konterkarieren. WIRTSCHAFTS- UND SOZIALPOLITIK Die Befunde können als Mahnung gelesen werden, die Sprengkraft der verteilungspolitischen Folgen des Klimaschutzes nicht zu unterschätzen. Je mehr dessen Kosten tatsächlich oder in der Wahrnehmung auf die sozial schwächeren Gruppen oder bestimmte Regionen abgeJenseits der Klimapolitik wollten wir schließlich erfahren, wie die Befragten zu einigen anderen wirtschafts- und sozialpolitischen Themen stehen, die momentan kontrovers diskutiert werden. Mit 81 Prozent am häufigsten stimmen die Befragten dabei der Ansicht zu, dass Unternehmen, Abbildung 38 MEINUNGEN ZUR WIRTSCHAFTS- UND SOZIALPOLITIK(in%) 100 6,8 90 12,4 80 70 27,1 60 50 9,2 1 11,4 21,5 1 20,3 1 37,3 33,7 40 30 53,7 20 10 1 32 34,6 0 Unternehmen, die wie der Online-Handel von der Coronakrise profitiert haben, sollten eine Sonderabgabe für Not leidende Branchen wie z. B. die Gastronomie zahlen. Mehr Homeoffice erleichtert die gleichberechtigte Aufteilung der Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern, wie z. B. Kinderbetreuung und Pflege. Um der wachsenden sozialen Ungleichheit entgegenzuwirken, die durch die steigenden Immobilienpreise entsteht, müsste der Staat die Preise für Grund und Boden stärker regulieren. 36,9 31,2 15,5 16,4 Kindertagesstätten sollten auch für Eltern mit hohen Einkommen gebührenfrei sein. n= 2.341–2.423 Quelle: Umfrage FES/Universität Bonn 2022 stimme eher zu stimme eher nicht zu stimme voll und ganz zu stimme überhaupt nicht zu
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Demokratievertrauen in Krisenzeiten : wie blicken die Menschen in Deutschland auf Politik, Institutionen und Gesellschaft?
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