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Nicht ob, sondern wie: Warum NRW eine vorausschauende Industriepolitik braucht
Entstehung
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Auf Grundlage der gebildeten hauptsächlich narrativen Szenarien lassen sich in einem nächsten Schritt Indikatoren ableiten, die es ermöglichen, analytisch zu erfassen, in wel­chem der Szenarien man sich gegenwärtig befindet. Das regelmäßige Monitoring unterstützt dabei, die vorbereite­ten, auf Szenarien zugeschnittenen Strategiemaßnahmen für die passende Situation auszuwählen, so ggf. bestimmte Instrumente zu priorisieren oder gar Ziele nachzujustieren. Falls die Entwicklung zu einem anderen Szenario absehbar wird, kann frühzeitig diskutiert werden, welche Bereiche davon betroffen sind, von welchen Zielen nun Abstand genommen werden muss und welche Instrumente und Maßnahmen nun zu priorisieren sind(Warnke et al., 2022). Eine solche vorausschauende Industriepolitik partizipativ in Regionen, aber auch in Parteien zu entwickeln, hilft dabei, relevante Akteure in einen strategischen Austausch zu bringen. Nicht nur das Ergebnis in Form von gemeinsam akzeptierten industriepolitischen Zielen, sondern auch die Schärfung des strategischen Bewusstseins aller Akteure mit den Szenarien stellt einen wichtigen Beitrag einer vorausschauenden, partizipativen Industriepolitik dar. Missionsorientierung für eine zielorientierte Industriepolitik In Europa, aber auch in den USA hat sich dafür eine immer stärkere Orientierung an sogenannten Missionen entwi­ckelt, die die Richtungssignale der Industriepolitik konkret und verifizierbar definieren. Diese Missionen spielen bereits für die Industriepolitik eine wichtige Rolle. Die Missionen der Energiewende wie die Emissionsreduktionsziele oder die Ausbauziele für Wind- und Solarenergie und die Was­serstoffproduktion stellen auch die Ziele von Industriestra­tegien dar. Wie sich jedoch die Autoindustrie, künstliche Intelligenz oder auch andere Wirtschaftsbereiche entwi­ckeln sollen, ist noch nicht so klar formuliert. Damit sich jedoch ein Mix unterschiedlicher Instrumente auch aus unterschiedlichen Politikfeldern und Ressorts strategisch auf bestimmte Ziele ausrichten kann, bedarf es der Formu­lierung von konkreten Missionen und der Steuerung trans­formativer Politik zum Gelingen der Missionen auch in einem unsicheren Umfeld(Wittmann et al., 2025). Was ist bei der Formulierung von Missionen für die Indus­triepolitik zu beachten? Zunächst sollen Missionen als rea­listische und handhabbare Ziele definiert sein, die spezifi­sche Herausforderungen wie die Sicherung von Kernberei­chen, die Erschließung von Zukunftsbereichen oder die Verringerung von Verwundbarkeit der Wirtschaft adressie­ren. Missionen müssen ambitioniert genug sein, um einen wirksamen Unterschied zum Status quo herzustellen. Gleichzeitig dürfen sie jedoch nicht so überfordern, dass man das Reißen der Missionsziele bereits im Prozessver­lauf einpreist und sich nicht mehr daran orientiert. Missio­nen brauchen einen zeitlichen Horizont, der Orientierung über Legislaturperioden hinaus bietet. Zwischenziele sollen im Prozessverlauf die Kontrolle der Zielerreichung vereinfa­chen. Missionen sollten darüber hinaus quantifizierbare und messbare Indikatoren enthalten(Wittmann et al., 2024). Die Formulierung industriepolitischer Ziele erfordert einen partizipativen Prozess. Nur wenn alle relevanten Stakehol­der eingebunden werden, erhalten Missionen die gesell­schaftliche Legitimität, um glaubwürdig Orientierung zu bieten. Die Debatte über die Diffusion von Wärmepumpen im Jahr 2023 zeigte das: Wärmepumpen als wichtige Heiz ­technologie zu fördern war und ist grundsätzlich wichtig. Allerdings wurden eine faire Verteilung der finanziellen Lasten für die Haushalte und die notwendige Weiterent­wicklung der Technologie für weniger gedämmte Häuser nicht mitgedacht. Auch Zielkonflikte zwischen Industrien müssen offen adressiert werden: Der Fokus auf einen Wirtschaftsbereich kann zulasten eines anderen gehen. Wird etwa Wasserstoff für grünen Stahl priorisiert, fehlt er im Transportbereich. Ein partizipativer Prozess hilft, solche Konflikte zu klären und die Lasten der Transformation gerecht zu verteilen. Strategische Vorausschau und Missionsorientierung sind wichtige Bausteine für eine erfolgreiche Industriepolitik in unsicheren Zeiten. Während Vorausschau strategisches und agiles Denken und damit den Umgang mit Unsicherheit stärkt, schafft eine Missionsorientierung klare, messbare Ziele, die als Signale ganzen Volkswirtschaften, aber auch einzelnen Regionen dabei helfen, ihre Industriestrategien daran auszurichten. Darüber hinaus werden gerade die Regionen dazu befähigt, so am Diskurs in Deutschland und Europa teilzunehmen. Auf diese Weise können strategische Bedürfnisse sowie Chancen und Risiken von Industriepoli­tik auf regionaler Ebene national und international besser eingebracht werden(Priebe und Herberg, 2024). Industriestrategie in NRW bisher eher bewahrend als vorausschauend Zwar blickt Nordrhein-Westfalen insbesondere bei der Min­derung sozialer Probleme des Strukturwandels auf eine lange industriepolitische Geschichte zurück(Röhl, 2019). Das zeigt sich auch daran, dass NRW mit der Entwicklung industriepolitischer Leitbilder den Dialog zwischen Arbeit­gebern, Gewerkschaften und Kammern seit langem institu­tionalisiert hat. Allerdings fehlt den darin enthaltenen industriepolitischen Leitbildern für NRW 3 eine sowohl vor­ausschauende als auch zielorientierte Perspektive. Im Rahmen des Zukunftsdialogs Industrie wurde im Jahr 2025 eine Weiterentwicklung des Leitbildes veröffentlicht. Der Zukunftsdialog brachte übergreifende und branchen­spezifische Verbände und Kammern sowie die Gewerk­schaften mit der Politik zusammen. Die Einführung in die 3  https://www.wirtschaft.nrw/industriepolitisches-leitbild(abgerufen 3. März 2026) Nicht ob, sondern wie: Warum NRW eine vorausschauende Industriepolitik braucht 3