FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – Organising YouTube Abbildung 1 Post vom YouTube-Account»Creator Insider« im September 2018 unter einem YTU-Video(Sprave 2018c) YouTube caught lying!(YouTubers Union Video)) 9 , das die irreführende Kommunikation des Unternehmens zu seinen Monetarisierungs-Richtlinien offenlegte(Sprave 2018c). Das Unternehmen hatte zuvor erklärt, dass die als»nicht werbefreundlich« eingestuften Videos nicht zu einer verringerten Sichtbarkeit auf der Plattform führen. Sprave und andere Mitglieder lieferten jedoch Statistiken und Screenshots aus ihren Kanälen um eine Korrelation von Monetarisierung und Sichtbarkeit aufzuzeigen. 10 Der Zusammenhang wurde mit der Unterstützung von YTU-Mitgliedern auf einem offiziellen YouTube-Kanal(»Creator Insider«) gepostet und löste bei einem breiteren Publikum auf YouTube Debatten aus. Schließlich beugten sich ein Teil des Managements bei YouTube dem Druck und lud Sprave zu einem persönlichen Treffen ein(siehe Abbildung 1). Dieser Einladung folgten mehrere persönliche Treffen zwischen Sprave und YouTube in der Schweiz und im Hauptsitz des Unternehmens im US-amerikanischen San Bruno. Die Vertreter_innen des Managements diskutierten zwar die Anliegen der Gruppe, offiziell wollte YouTube jedoch nicht in Verhandlungen mit der YTU treten. Die Besprechungen ermöglichten allerdings die Einrichtung eines informellen Rückmeldeprozesses zwischen YTU-Mitgliedern und YouTube, was zu einigen kleineren Veränderungen auf YouTube führte: Das Verwarnsystem der Plattform wurden angepasst, und mehrere»demonetarisierte« Mitglieder wurden durch den persönlichen Kontakt mit YouTube wieder für die Monetarisierung freigeschaltet. Allerdings konnten keine dauerhaften Veränderungen oder Vereinbarungen durchgesetzt werden. YouTube gab sich einzelnen größeren YouTuber_innen gegenüber zwar gesprächsbereit, weigerte sich aber mit der Gruppe zu sprechen und lehnte eine institutionalisierte Form der Zusammenarbeit ab. ZUSAMMENARBEIT MIT DER IG METALL: FAIRTUBE Nachdem klar war, dass die Gespräche mit YouTube nicht zu einer dauerhaften Einigung führen würden, etablierte die YTU eine Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft IG Metall. Als größte Gewerkschaft Europas vertritt die IG Metall Arbeiter_innen der Metall- und Elektroindustrie in Deutschland(IG Metall 2019c). Die zunächst nicht naheliegende Zusammenarbeit ergab sich aus mehreren Vorstößen der Gewerkschaft in den letzten Jahren zum Thema PlattformArbeit. Durch die 2015 gestartete»Fair Crowdwork«-Initiative und die 2016 entstandene»Frankfurter Erklärung zu plattformbasierter Arbeit«(N/N 2017) konnte die IG Metall auf Vorarbeit und erste Erfahrungen in dem Feld zurückblicken. Vertreter_innen der IG Metall trafen sich im September 2018 mit dem Gruppengründer Sprave bei einer Gewerkschaftstagung in Berlin. Ein Hauptargument für die Zusammenarbeit waren für Sprave die rechtliche Expertise und die materiellen Ressourcen der IG Metall, die eine Möglichkeit boten YouTube gerichtlich unter Druck zu setzen. Zwischen November 2018 und Juli 2019 traf sich die Gruppe regelmäßig um eine Zusammenarbeit vorzubereiten, die schließlich in der gemeinsamen FairTube-Kampagne mündete. Die Kampagne FairTube wurde im Juli 2019 gestartet, nachdem Sprave und die IG Metall in einer gemeinsamen Presseerklärung ihre Absicht zur Zusammenarbeit verkündet hatten: »Die IG Metall und die Internet-Bewegung»YouTubers Union« werden künftig zusammenarbeiten, um die Bedingungen für alle YouTuber zu verbessern, die ein Einkommen mit dem Hochladen von Beiträgen auf der Video-Plattform erzielen bzw. erzielen möchten.«(IG Metall 2019a) 9»Entlarvt: YouTube beim Lügen ertappt!(Video der YouTubers Union)« 10 Der Konflikt liegt für die Creators in der offensichtlichen Korrelation des Monetarisierungsstatus der Videos und ihrer Wahrscheinlichkeit empfohlen zu werden. YouTube hat zwar abgestritten, dass sie werbefinanzierte Videos anders behandeln als Videos ohne Werbung, aber die Creators, deren Videos kein Einkommen mehr erzielen durften, widersprachen dieser Aussage(vgl. Kumar 2019). Nach Ankündigung dieses Vorhabens wurden die Mitglieder der YTU gebeten, den Vorschlag durch Gruppenumfragen auf Facebook und die Abstimmung zu gemeinsamen Forderungen zu bestätigen. Am 26. Juli 2019 starteten die beiden Gruppen dann die Kampagne, die auf drei Kernelementen beruhte: einem Kampagnenvideo in den sozialen Medien, einer Kampagnenwebsite(http://fairtube.info), die den YouTuber_innen und der Öffentlichkeit Informationen über Probleme auf YouTube bot sowie sechs Kampagnenforderungen, die von den YTU-Mitgliedern in einer Abstimmung festgelegt worden waren(Sprave 2019a): 6
Druckschrift
Organising YouTube : neue Formen der Organisierung von Plattform-Arbeiter_innen
Entstehung
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten