FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – Organising YouTube solche Kooperationsformen weiter erprobt und ausgebaut werden, sowohl mit Content Creators(ICG, LGBTQ- Creators) als auch mit organisierten Tech-Arbeiter_innen bei YouTube und Google(Tech Workers Coalition). Zudem waren Koalitionsbemühungen innerhalb der Gruppe selbst von Bedeutung für die YTU: dass sich die Content Creators gemeinsam mit ihren Zuschauer_innen organisierten, konnte die Reichweite der Gruppe erheblich erweitern. Die Zusammenarbeit zwischen YouTuber_innen und Zuschauerschaft stellt grundsätzlich ein ungewöhnliches Phänomen dar, das eine tiefere Untersuchung wert wäre. Institutionelle Macht beschreibt die Möglichkeit, auf bereits erkämpfte Arbeitsrechte zurückzugreifen, um der Macht des Kapitals in Arbeitsverhältnissen Einhalt zu gebieten. Für die weltweit verstreuten YouTuber_innen, deren konkrete Tätigkeit vielen Behörden weitestgehend unbekannt ist, gestaltet sich die rechtliche Situation oft unklar und ist zudem ständigen Veränderungen seitens der Plattform unterworfen. Diese Situation deutet auf ein Regulierungsvakuum sowohl hinsichtlich der Arbeitsprozesse(mit ihren algorithmischen Formen des Managements) als auch des Beschäftigungsstatus der Creators(zweifelhafter Status der freiberuflichen Tätigkeit) hin. Die YTU und Creators auf YouTube im Allgemeinen können sich derzeit kaum auf konkretes Arbeitsrecht berufen, um mit YouTube zu verhandeln. Die Gruppe hat deswegen mehrere Prüfungen und Klagen in die Wege geleitet, um rechtliche Klarheit zu schaffen und den Weg für neue Formen der Regulierung frei zu machen. Klagen wegen Verstößen gegen die Datenschutzgrundverordnung(DGSVO) in der EU und wegen Scheinselbstständigkeit haben durchaus das Potential YouTube unter Druck zu setzen. Auf eine Entwicklung in diese Richtung deuten weltweit verschiedene Gesetze und Verordnungen hin, etwa die AB5-Regulierung für Arbeiter_innen der Gig-Ökonomie in Kalifornien(Konger/Scheiber 2019) oder die Strafen in Milliardenhöhe, die Google in der EU wegen Verstößen gegen das Kartellrecht auferlegt wurden(Europäische Kommission 2019). Die institutionelle Macht indes bleibt bislang jedoch eine terra incognita. Gerichtsurteile könnten sich zugunsten von Content Creators auswirken, dies bleibt jedoch abzuwarten. Als Machtressource für die YTU konnte(die potentielle) institutionelle Macht vorrangig als Drohung eingesetzt werden, um das Unternehmen unter Druck zu setzen. Obwohl institutionelle Macht als ein zu aktivierendes Potential für die YTU betrachtet werden kann, stellt der oft nationale Charakter des Arbeitsrechts ein Hemmnis für transnationale Bewegungen dar, was im Falle von Rechtsentscheidungen auch zu einer Fragmentierung der Mitgliederschaft führen kann. Schlussfolgernd kann gesagt werden, dass die YTU vor allem die beiden Machtressourcen Organisationsmacht und gesellschaftliche Macht mobilisieren konnte. Die Organisationsmacht wurde im Gründungs- und Organisierungsprozess entwickelt, den Sprave und andere Creators zu einem Zeitpunkt einleiteten, als das Image von YouTube auf einem Tiefstand war und Kritik an dem Konzern mehrheitsfähig wurde. Die YTU gewann durch die Nutzung von Facebook und YouTube rasch Mitglieder und brachte einen kollektiven Prozess in Gang, der den Austausch von Informationen, gegenseitige Hilfe und ein strategisches Vorgehen ermöglichte. Gesellschaftliche Macht konnte durch die erfolgreiche Skandalisierung der Behandlung von Creators durch YouTube und seiner immer kontroverseren Regulierung aufgebaut werden. Dieser Umstand fand öffentliche Aufmerksamkeit und drängte YouTube zu mehreren Reaktionen (informelle Verhandlungen, Presseerklärungen, kleinere Regeländerungen). Durch die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der IG Metall wurde dieser Druck noch einmal erhöht, was zu einer Zunahme des Ansehens der YTU führte und die Gruppe mit institutionellen und Organisationsressourcen(d.h. Rechtsstatus und Fachwissen) ausstattete. Außerdem diente die rechtliche Grauzone von YouTubes Datenschutz- und Arbeitspraktiken als wichtiger Hebel für die YTU, um das Unternehmen unter Druck zu setzen und seine Praxis in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung zu rücken. Natürlich erwies sich keine der mobilisierten Machtressourcen als risikolos oder frei von Widersprüchen. Die Organisationsmacht war zwar wesentlich für den Aufbau der Gruppe, gleichwohl bleibt der Zusammenhalt oft fragil. Mit Blick auf institutionelle Macht besteht zwar Potenzial, ihr tatsächlicher Gebrauch bleibt jedoch ungewiss. Gesellschaftliche Macht könnte weiterhin eine wichtige Ressource für die YTU und ähnliche Gruppen sein, aber es ist unklar, wie lange die diskursive Stoßkraft aufrechterhalten werden kann und ob die geknüpften Koalitionen sich als langlebig erweisen werden. FAZIT: DER FRAGMENTIERUNG ENTGEGNEN Mit Blick auf die Entwicklung der YTU und die Analyse ihrer Machtressourcen können abschließend mehrere Schlussfolgerungen gezogen werden. Zunächst liegt auf der Hand, dass sich die Entwicklung der YTU von bisherigen Organisierungsversuchen in der webbasierten Plattformarbeit unterscheidet. Die Aktionen der Bewegung gingen über die spontanen oder bruchstückhaften Gegenreaktionen von Arbeiter_innen hinaus, die in dem Bereich bisher beobachtet wurden. Die YTU lässt sich vielmehr als»kollektiver Akteur mit strategischen Fähigkeiten« beschreiben(Dolata/Schrape 2018). Gleichwohl sollte die YTU nicht mit einer formalen Organisation oder Gewerkschaft verwechselt werden. Die Aktionen der Bewegung sind von Dynamiken»organisierter Informalität« geprägt(Dobusch/Quack 2011), die sowohl im Kontrast zu formellen Organisationen als auch zu unorganisierten Zusammenschlüssen stehen. Ein Unterschied der YTU im Vergleich zu bisherigen Bemühungen von Creators stellt die Formulierung einer klaren Konfliktlinie gegen10
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Organising YouTube : neue Formen der Organisierung von Plattform-Arbeiter_innen
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