Ein feministischer European Green Deal 5 1 EINLEITUNG Der Klimawandel und seine ökologischen, sozialen und ökonomischen Konsequenzen haben unterschiedliche Auswirkungen auf Männer und Frauen. Diese sind mit sozial konstruierten Geschlechterrollen und darunterliegenden Machtdynamiken verbunden, die das Leben von Männern und Frauen prägen. Zugleich tragen Männer und Frauen auf unterschiedliche Weise zu Umweltzerstörung bei, wie etwa zu Kohlenstoffemissionen. Geschlechterrollen beeinflussen unter anderem Karriereentscheidungen und Mittel um in Lösungen mit niedrigem Kohlenstoffausstoß zu investieren, unterschiedliche Mobilitäts- und Energiebedarfe und andere Verbrauchsmuster sowie auch die mit Nachhaltigkeit in Verbindung stehenden Werte, die ebenfalls gegendert sind. All dies formt den individuellen CO 2 -Fußabdruck und das Verhalten. Aktuelle Studien haben gezeigt, dass Männer, sogar wenn Männer und Frauen gleiche Beträge ausgeben, vor allem durch höheren Benzinverbrauch und höheren Fleischkonsum höhere CO 2 -Emissionen verursachen. 1 Untersuchungen haben auch gezeigt, dass Frauen stärker so sozialisiert sind, dass sie sich um andere kümmern und umweltbewusste Verhaltensweisen annehmen. Das geht mit dem Risiko einher, dass Frauen durch ihre Geschlechterrolle und dadurch, dass sie den Großteil der Sorgearbeit zu Hause und in ihren Familien leisten, eine zusätzliche ökologische Last auferlegt wird. Beispiele dafür sind umweltfreundliche Haushaltsprodukte, die Konsumentinnen als Zielgruppe haben, oder ökologische Verhaltensweisen(wie Mahlzeiten aus Resten zu kochen, lokal oder»Null-Abfall« zu kaufen, Dinge zu recyclen oder zu reparieren), die zu den Pflichten, die immer noch hauptsächlich von Frauen erledigt werden, dazu kommen. Diese konstruierten Geschlechterrollen haben auch einen negativen Effekt auf Männer, die zum Teil ein nachhaltigeres Verhalten ablehnen, weil sie fürchten, als verweiblicht angesehen zu werden. 2 Die Segregation am Arbeitsplatz ist ein anderer Hauptfaktor im Bereich des Übergangs zu Kohlenstoff-Neutralität. Die aktuell größten Verbraucher an Kohlenstoff – die Sektoren Energie, Verkehr, Bau-, Landwirtschaft – beschäftigen aufgrund von Geschlechter-Stereotypen in der Arbeitskultur in der überwiegenden Mehrzahl männlicher Arbeitskräfte. Dies hat im Rückschluss Auswirkungen darauf, wie diese Sektoren gestaltet werden. Zugleich werden die Arbeitsplätze, die in grünen Branchen neu entstehen, aufgrund der Arbeitssegregation wahrscheinlich verstärkt Arbeitsmöglichkeiten für Männer bieten. Während Frauen in der Zivilgesellschaft präsent sind und führende Akteurinnen des Wandels in der Jugendklimabewegung sind, bleiben sie in internationalen Klimaverhandlungen, der Politikgestaltung und auf betrieblicher Entscheidungsebene zum Übergang zur Klimaneutralität unterrepräsentiert. Doch der Fokus auf individuelle Geschlechterunterschiede reicht nicht aus, da die umfassenderen Systeme der Unterdrückung, wie das Patriarchat, dynamisch mit den individuellen Faktoren einhergehen und wiederum effektive Lösungen verhindern. Die politischen Strategien und Instrumente, die wir ergreifen, um den Klimawandel aufzuhalten oder zu verringern, seien es CO 2 -Steuern, Maßnahmen zur Schaffung von Arbeitsplätzen und Umschulungen oder Investitionen und Förderungen von bestimmten Sektoren oder Technologien, haben unterschiedliche Auswirkungen auf Männer und Frauen. Ist die Klimapolitik geschlechterblind, dann verstetigt sie Geschlechterungerechtigkeiten oder vergrößert diese sogar noch. Intersektionale Effekte, die mit Faktoren wie Einkommen, Alter, Fähigkeiten / Behinderungen, Rassifizierung oder sexueller Identität zu tun haben, kumulieren mit geschlechtsspezifischer Ungerechtigkeit und können unverhältnismäßige Auswirkungen verstärken, die durch die Klima- und Umweltkrise selbst oder die zu ihrer Verringerung ergriffenen Strategien hervorgerufen werden. Der Weg zur Klimaneutralität, Schadstofffreiheit und dem Schutz biologischer Vielfalt muss die grundlegenden Ursachen für Ungleichheit durch einen gerechten Übergang, der niemanden zurücklässt, anpacken. In diesem Kontext ist es auch wichtig, dass die geschlechtsspezifischen Effekte des Klimawandels und der Klimapolitik in Betrachtung gezogen werden, um einen wirklich inklusiven Ansatz zu einem gerechten Übergang zu erreichen. Gender-transformative Klima- und Umweltpolitik mit einem intersektionalen Herangehen bietet die beste Möglichkeit, um Klima- und Umweltfolgen zu verringern und zugleich die patriarchalen sowie andere diskriminierende Strukturen in Frage zu stellen. Während Gleichstellung kein Allheilmittel ist, um alle Umweltherausforderungen zu lösen, gibt es Hinweise, dass Gesellschaften, in denen größere Gleichstellung besteht, auch bessere Ergebnisse für die Umwelt und das Klima er-
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Ein feministischer European Green Deal : für einen ökologischen und geschlechtergerechten Übergang
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