Ambitionen hochhalten – einer Versicherheitlichung entgegenwirken In den vergangenen 25 Jahren hat sich die Agenda subs tanziell weiterentwickelt. Sie hat sich von einem engen Sicherheitsverständnis gelöst, indem sie vielfältige Dimensionen von Frieden und Gewalt berücksichtigt und zunehmend binäre, essentialistische Geschlechterbilder zugunsten einer intersektionalen, menschlichen Sicherheit überwindet. Diese inhaltliche Breite und Tiefe gilt es nicht nur zu bewahren, sondern gezielt weiterzuentwickeln, auch mit Blick auf neue Herausforderungen wie die Klimakrise, technologische Entwicklungen und hybride Bedrohungen wie Desinformation. In diesem Zusammenhang liefern die aktuelle Sicherheitslage und die Antworten darauf durchaus Anknüpfungspunkte, um die WPSAgenda mit neuer Relevanz im Diskurs zu verankern. Gleichzeitig birgt die derzeitige sicherheitspolitische Fokussierung auf das Militärische aber auch das Risiko, dass die WPS-Agenda einer Versicherheitlichung – also der Reduktion auf kurzfristige Bedrohungsszenarien und rein militärische Perspektiven – zum Opfer fällt. In dieser Logik liegt der Schwerpunkt häufig auf einer Erhöhung des Frauenanteils in Militär- und Sicherheitsstrukturen oder auf dem Ziel,»Krieg sicherer für Frauen« zu machen. Ein solcher Ansatz konterkariert jedoch den eigentlichen Anspruch der Agenda, der nicht in einer Anpassung an bestehende Strukturen, sondern in deren struktureller Transformation besteht. Mit Hilfe der Agenda sollte die Bundesregierung demnach dazu beitragen, die komplexen Ursachen von Konflikten zu adressieren – und ihnen präventiv entgegenzuwirken. Denn: Ursprung und Potenzial der Agenda»Frauen, Frieden, Sicherheit« liegen in einer konsequenten Zentrierung auf den Menschen als politisches Leitmotiv – sowohl in seiner Verwundbarkeit als auch in seiner Handlungsfähigkeit. Zentrale Säulen der WPS-Agenda (1) Partizipation beschreibt die gleichberechtigte und aktive Beteiligung von Frauen in allen Phasen von Friedens- und Sicherheitsprozessen. Ins besondere bei politischen Entscheidungsprozes sen sehen wir einen großen Gap, denn die bei zi vilgesellschaftlichen Peacebuilding-Aktivitäten gewöhnlich hohe Repräsentation von Frauen bil det sich in formellen Entscheidungsprozessen nicht ab. (2) Prävention bezeichnet die Einbeziehung einer Gender-Perspektive in Frühwarnsysteme, Kon fliktanalysen und präventive Diplomatie. Diese Maßnahmen sollen gezielt geschlechtsspezifi scher Gewalt vorbeugen. Doch nicht nur das – auch die Prävention von Konflikten allgemein soll gestärkt werden. (3) Die dritte Säule bezieht sich auf den Schutz von Frauen und Mädchen vor sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt, besonders in be waffneten Konflikten. Gleichzeitig benennt sie die Sicherstellung des Zugangs zu rechtlichem Schutz und medizinischer Versorgung als zentralen Aspekt. (4) Die letzte Säule Soforthilfe und Wiederaufbau stellt die Berücksichtigung geschlechtsspezifi scher Bedürfnisse beim Wiederaufbau nach Kon flikten(z. B. bei der Verteilung von Ressourcen, im Bildungs- und Gesundheitssektor) sowie die Unterstützung von Überlebenden geschlechts spezifischer Gewalt in den Fokus. 4 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.
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Grundnüchtern : weshalb die Bundesregierung gerade jetzt in die Agenda "Frauen, Frieden und Sicherheit" investieren sollte
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