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Halbleiterstrategie für Deutschland und Europa : globale Abhängigkeiten, regionale Erfolgsmodelle, politische Handlungsoptionen
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international konkurrenzfähig. Eine Abstimmung der deut­schen und europäischen Ebene kann diese Wirkung ver­stärken. Deutschlands Stärken in der Halbleiter­industrie und volkswirtschaftliche Potenziale In einer angespannten Situation steht Deutschland aller­dings nicht chancenlos da, sondern ist in hoch speziali­sierten Bereichen teilweise führend. Zwar liegen Arbeits­schritte, wie das Chip-Design oder die Produktion vor allem außerhalb der EU, doch europäische Firmen sind trotzdem relevant. Besonders als Zulieferer in der Anlagentechnik, bei notwendigen Chemikalien oder spezialisierter Soft­ware sind sie unverzichtbar in Wertschöpfungsketten. In Deutschland sind außerdem Halbleiter-Technologien an­gesiedelt, die entscheidend für die Automobilindustrie sind. Eine gezielte Industriepolitik muss die vorhandenen Stärken gezielt fördern und den Blick gleichzeitig auf das wachsende globale Umfeld richten. Von diesem Wachstum können auch deutsche Unternehmen profitieren und einen wachsenden Industriesektor etablieren. Prognosen gehen von einer Zunahme der globalen Nachfrage nach Halblei­tern von derzeit 630 Milliarden Euro auf 1 Billionen Euro im Jahr 2030 aus. 11 einem dichten Netzwerk aus Forschung, Industrie und Aus­bildung. Rund um Dresden, in dem sogenannten Silicon Saxony, zeigt sich, wie technologiepolitische Weichenstel­lungen in Kombination mit unternehmerischer Initiative ei­nen Strukturwandel bewirken. 12 Doch auch wenn Sachsen heute als internationales Best-Practice-Beispiel gehandelt wird, garantiert es keinen Erfolg. Die Rahmenbedingun­gen, die diesen Aufstieg ermöglicht haben, sind zuneh­mend unter Druck. Der Fachkräftemangel, die schleppende Infrastrukturentwicklung und der internationale Wettbe­werb um Investitionen droht den Wachstum zu bremsen und das zu einem Zeitpunkt, wenn es auf nationale und europäische Halbleiterstrategien ankommt. Gerade deshalb lohnt sich eine differenzierte Analyse: Was wurde in Sachsen richtig gemacht? Wo liegen die struk­turellen Schwächen? Und was lässt sich daraus für ande­re Regionen und für eine gesamtdeutsche Industriepolitik lernen? Ein zentraler Erfolgsfaktor liegt in der engen Zusammen­arbeit von Wirtschaft und Wissenschaft. Die TU Dresden, das Fraunhofer IPMS oder dem Helmholtz-Zentrum Dres­den-Rossendorf betreibt nicht nur Grundlagenforschung, sondern überführt diese auch direkt in industrielle Anwen­dungen. Diese Nähe sorgt für kurze Innovationszyklen, was ein entscheidender Vorteil im globalen Wettbewerb ist. Deutschland kann die Halbleiterindustrie als wichtigen Be­standteil der eigenen Wirtschaft weiterentwickeln und so auch regional profitieren. So zeigen sich volkswirtschaft­liche Vorteile beispielsweise auf Landesebene in Sachsen. Bis in die 2030er Jahre könnten durch die Investitionen in die Halbleiterindustrie insgesamt ca. 30.000 neue Arbeits­plätze entstehen. Gemessen am sächsischen BIP wäre die Halbleiterindustrie im Jahr 2030 voraussichtlich für 7% der Wertschöpfung im Bundesland verantwortlich. Durch eine intelligente Industriepolitik im Halbleitersektor las­sen sich somit auch regionale Entwicklungspotenziale realisieren. Sachsen als Vorreiter im europäischen Halbleitermarkt Heute zählt Sachsen rund 3.650 IKT-Unternehmen, in denen etwa 81.000 Menschen arbeiten, knapp die Hälfte davon im Software-Sektor. Der Bereich macht über 13% des Industrie­umsatzes und 13,2% des Auslandsumsatzes der sächsischen Industrie aus und trägt damit ein nachhaltige ökonomische Leistung. Bis Ende 2030 hat der Standort zudem das Poten­zial, rund 12.200 zusätzliche direkte, indirekte und induzierte Arbeitsplätze zu schaffen, sowohl innerhalb als auch außer­halb der Halbleiterbranche. Dies würde nicht nur zu einer spürbaren Wohlstandssteigerung durch höhere Einkommen und attraktive Verdienstmöglichkeiten beitragen, sondern auch die Exportquote(Anteil der Exporte am Bruttoinlands­produkt) bis 2035 auf rund 36% erhöhen ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu etwa 32% im Jahr 2023. 13 Der Blick nach Sachen zeigt, wie Deutschland bei Halblei­tern unabhängiger und innovativer werden kann. Der Frei­staat hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten zu einem der wichtigsten Halbleiterstandorte Europas entwickelt mit 11 BMBF(2025) Mikroelektronik. 12 Clusterplattform Deutschland(2022) Freistaat Sachsen. Verfügbar unter: https://www.clusterplattform.de/CLUSTER/Redaktion/DE/ Standardartikel/Cluster_Laender/sachsen_lang.html#:~:text=Europas%20 f%C3%BChrendes%20Cluster%20der%20Mikroelektronik%20 Silicon%20Saxony%2C%20eine,Sachsens%20Wirtschaft%20mit%20 neuen%20Produkten%20zukunftsf%C3%A4hig%20zu%20halten [21.08.25]. 13 Bovenschulte, M. et al.(2024) Wachstumseffekte des Halbleiterökosys­tems in Sachsen. Managerkreis Impulse November 2025 S 3