im puls e GLEICHSTELLUNG ALS STANDORTFAKTOR FÜR DEUTSCHLAND Gleichstellung ist ein zentraler Standortfaktor für Deutschland – kein Nebenthema. Noch immer verhindern strukturelle Hürden, traditionelle Rollenbilder sowie unzureichende politische Rahmenbedingungen die volle Teilhabe von Frauen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Dies bremst nicht nur individuelle Lebenswege, sondern auch die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Das vorliegende Policy Paper des Ladies First-Projektes des Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt zentrale Hemmnisse sowie konkrete politische Handlungsfelder auf – vom Arbeitsmarkt über Care-Arbeit bis hin zur Altersvorsorge und den Chancen von Frauen mit Zuwanderungsgeschichte. 1. Zentrale strukturelle Hemmnisse Karrierehemmnisse und systematische Beeinträchtigungen von Frauen in der Arbeitswelt gehen in Deutschland fließend ineinander über und bedingen sich so an vielen Stellen gegenseitig. In einer Zeit, in der längere Arbeitszeiten und weniger Work-Life-Balance gefordert werden, lohnt ein Blick auf die Zahlen. Tatsächlich ist die Erwerbsstundenzahl in Deutschland aufgrund einer Teilzeitquote von fast 50% relativ gering im europäischen Vergleich. Dabei muss berücksichtigt werden, dass Deutschland eine hohe Erwerbstätigenquote von Frauen hat. Sind Kinder ein Faktor im Leben dieser Frauen, sinkt ihre Erwerbsarbeitszeit oft, im Gegensatz zu Männern. Diese Unterschiede in der Arbeitszeit, auch Gender Time Gap genannt, waren 2020 der dritthöchste Wert im europäischen Vergleich. Trotzdem arbeiten Frauen auch in Teilzeit nicht weniger als Männer – sie übernehmen lediglich mehr unbezahlte Arbeit, wie die sogenannte Care-Arbeit. Frauen leisten im Schnitt über 50% mehr Care-Arbeit am Tag als Männer in Deutschland. Dabei muss es sich nicht nur um körperliche Arbeit handeln, sondern auch kognitive, emotionale und mentale Arbeit ist hier mit einbezogen und belastet vor allem Frauen. Ursachen liegen u.a. im Steuersystem, das mit dem Ehegattensplitting weiterhin das traditionelle Rollenbild der Alleinverdiener-Ehe fördert, oft unterstützt durch die geringfügige Beschäftigung der Ehefrau in einem Minijob. Auch die schlechte Betreuungsquote von Kindern ist eine Hürde für Frauen. So fehlten 2023 deutschlandweit etwa 383.600 Kita-Plätze. Eine fehlende oder zu kurze Betreuung bedeutet oftmals, dass Frauen die Betreuung ihrer Kinder übernehmen und entweder stark verkürzt arbeiten oder ganz zu Hause bleiben. Fehlende Infrastruktur auch im Bereich Pflege sorgt für weitere Hindernisse. Diese Karrierehemmnisse führen oft zu schlechterer Bezahlung von Frauen. Der sogenannte Gender Pay Gap lag 2023 in Deutschland bei 18 Prozent
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