richt nutzen. Zunächst war die schwedische Schulbehörde (Skolöverstyrelsen) für die Programmgestaltung zuständig. 1931 übernahm Radiotjänst diese Aufgabe. Bis 1931 wurden sämtliche Sendungen live ausgestrahlt, was sich mit der Einführung der Schallplatte im Sendebetrieb änderte. In den frühen Jahren wurde die tägliche Sendezeit schrittweise erweitert, bis Radiotjänst 1933 schließlich mit rund acht Stunden täglich auf Sendung war. Als 1938 die ersten Nachrichtensprecherinnen den Dienst antraten, reagierte die schwedische Öffentlichkeit empört: Nachrichten waren bis dahin Männersache, und nach allgemeiner Auffassung sollten Frauen über Kriege und andere Grausamkeiten nicht berichten. Radiotjänst spielte eine entscheidende Rolle bei der schwedischen Mobilmachung, als deutsche Truppen 1939 in Polen einmarschierten, und berichtete in gro ßem Umfang. Das Radio war damals der schnellste Weg, um Nachrichten und Informationen möglichst weit zu verbreiten – und noch immer ist es eine Aufgabe der Lokalsender von SR, die Bevölkerung in Notlagen mit aktuellen Informationen zu versorgen. 1955 nahm Radiotjänst einen zweiten Radiokanal in Betrieb und erweiterte sein Programm 1956 schließlich um Fernsehsendungen. Mit dem Eigentümerwechsel 1957 wurde der Sender in Sveriges Radio umbenannt. 1959 wurde erstmals„Sommer auf P1“ ausgestrahlt, die bekannteste und beliebteste Sendung im SR-Programm. Heute erreicht sie rund 600.000 Hörer:innen auf UKW, und im Durchschnitt folgen mehr als 1 Million Menschen dem Podcast. Ein dritter landesweiter Kanal wurde 1962 eingerichtet, der schließlich zwei Jahre später dauerhaft auf Sendung ging. 1966 wurden die Inhalte der drei Radiosender in drei spezifische Programmprofile unterteilt: P1 bot Talk-Inhalte und Information, P2 Bildungs- und Regionalprogramme sowie E-Musik, P3 U-Musik und Nach richten. Im Jahr 1969 kamen ein zweiter Fernsehkanal und eine finnischsprachige Redaktion hinzu. Und seit 1975 gibt es auch Sendungen in serbokroatischer, griechischer sowie türkischer Sprache. Mit dem Start des Lokalradios im Jahr 1977 konnten die Schwed:innen auch erstmals Nach richten aus ihrer Region in ihrem Dialekt hören. Heute werden diese Lokalprogramme über den Kanal P4, den inzwi schen größten Sender des Unternehmens, ausgestrahlt. 1978 kam das Bildungsradio UR hinzu und ersetzte ein Komitee, das in den 1960er Jahren eingerichtet worden war, um sich mit Fragen der pädagogischen Nutzung des Radios zu befassen. 1979 wurde Sveriges Radio neu organisiert: Der Muttergesellschaft Sveriges Radio unterstanden nun vier programmproduzierende Tochteranstalten (Sveriges Riksradio, Sveriges Lokalradio, Sveriges Utbildningsradio, Sveriges Television): ein„Reichsradio“, ein „Lokalradio“, ein„Bildungsradio“ und das Fernsehen. Letzteres übernahm fortan die Verantwortung für alle TVInhalte. Nach dem tödlichen Attentat auf den ehemaligen schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme im Jahr 1986 wurde ein 24-Stunden-Programm eingeführt (Sveriges Radio 2023b, 2024a). Die Muttergesellschaft wurde 1993 wieder aufgelöst. Sveriges Riksradio und Sveriges Lokalradio fusionierten. Im selben Jahr fiel das staatliche Radiomonopol, und erste private Radiosender nahmen neben SR den Sendebetrieb auf. Ein Jahr später änderte sich die Eigentümerstruktur von SR erneut: Die Aktien des Unternehmens befanden sich fortan zu 100 Prozent im Besitz einer Stiftung(Sveri ges Radio 2024b). Am 27.9.1995 sendete SR zum ersten Mal digital. 2002 wurden Sendungen in Romani ins Programm genom men. Digitale und webbasierte Kanäle kamen 2003 hinzu, und 2005 begann SR, in Podcast-Produktionen zu investie ren.„P3 Dokumentär“ war einer der ersten Podcasts und zählt noch immer zu den beliebtesten. 2016 führte SR TalkInhalte in arabischer Sprache sowie in„leichtem Schwedisch“(på lätt Svenska) ein, die sich an Zugewanderte richten. Im Januar 2019 fiel schließlich die bislang pauschale Rundfunkgebühr weg und wurde durch einen personalisierten ÖRR-Beitrag ersetzt, dessen Höhe sich an dem zu versteuernden Einkommen orientiert(Skatteverket o. J.). 2021 erhielt Sveriges Radio den Innovationspreis der Europäischen Rundfunkunion für neue Entwicklungen in der Radiotechnik. Damit würdigte man die Einführung des redaktionell gesteuerten Algorithmus„Nyhetsvärden“ („Nachrichtenwert“). Im Folgejahr lancierte SR einen Nachrichten-Podcast in russischer Sprache, der über den Krieg in der Ukraine berichten sollte. Zudem wurden Nachrichten in ukrainischer Sprache ins allgemeine Programm genommen. 2024 testete SR den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI), um Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen bei der Nutzung seiner Inhalte zu unterstützen. Nicht umsonst gilt die schwedische Sendeanstalt als Pionierin im Einsatz von KI für den ÖRM-Bereich(Public Media Alliance 2025). 2. Analyse Governance Das Rundfunk- und Fernsehgesetz(Radio- och tv-lag) von 2010 ist die wichtigste Rechtsgrundlage für die Regulierung der öffentlich-rechtlichen Medien in Schweden. Es gilt auch für private Anbieter. Das Gesetz enthält die Lizenzregularien, Vertriebsbestimmungen, Inhalts- und Werbevorschriften sowie die Regelungen über Sponsoring und Aufsicht der einzelnen Sendegesellschaften(Myndigheten för press, radio och TV 2025). Die primäre Regulie rung öffentlich-rechtlicher Medien in Schweden erfolgt jedoch durch die staatliche Lizenzvergabe. Die zuständige Medienbehörde(Mediemyndigheten), vor allem aber die Aufsichtskommission für Radio und Fernsehen(Granskningsnämnden för radio och TV – GRN), bilden hier das zentrale Aufsichtsorgan. Neue Dienste der ÖRM, die länger als zwölf Monate betrieben werden, müssen der Aufsichtskommission vorab zur Prüfung gemeldet werden. Ihre Hauptaufgabe besteht jedoch in der Bearbeitung von Beschwerden, beispielsweise über Parteilichkeit in der Berichterstattung oder Verstöße gegen Werbevorschriften. Diese grundsätzliche Beschwerdemöglichkeit bei der GRN besteht für alle Zuschauer:innen. Die Kommission besteht aus einem/einer Vorsitzenden, sechs ordentlichen und sechs stellvertretenden Mitgliedern, die von der Regierung ernannt werden. Die Kommission überwacht nicht nur die Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Europa – Schweden 4
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Schweden - wie steht es um die öffentlich-rechtlichen Medien?
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