ßerdem fest, dass die ÖRM auf kommerziellen digitalen Plattformen nur noch eingeschränkt präsent sein sollen. Digitalisierung und KI Der Digitalisierungsgrad der schwedischen Gesellschaft ist allgemein hoch. Die Nutzung von ÖRM im Hinblick auf digitale Angebote verändert sich. Viele Zuschauer:innen und Hörer:innen wechseln vom linearen Programm zu den digitalen Diensten der öffentlich-rechtlichen Anbieter. SR, das seine Podcasts ursprünglich über beliebte Streamingplattformen wie den schwedischen Anbieter Spotify verbreitete, hat große Teile seiner Eigenproduktionen von dieser kom merziellen Plattform heruntergenommen und beträchtliche Mittel in die Entwicklung der eigenen Streamingplattform investiert. Mithilfe von Playlists und neuen Suchfunktionen hofft SR, trotz des immer größeren Wettbewerbs mit ande ren Podcastplattformen, seine langjährigen Hörer:innen zu halten und neue zu gewinnen(Rolandsson 2023). Als Teil seiner verbesserten digitalen Dienstleistungen hat SR den Suchdienst„Nyhetssök“(„Nachrichtensuche“) eingeführt, der 2025 mit einem Preis für digitale Innovation ausge zeichnet wurde(Sveriges Radio 2025f). Bei der Bereitstellung von Inhalten für das Training großer Sprachmodelle(Large Language Models – LLM) und künstlicher Intelligenz verfolgt SR einen restriktiven Ansatz. Die Nutzung von SR-Inhalten für das Training kommerzieller KI ist untersagt. Alle schwedischen ÖRM-Gesellschaften haben Richtlinien für den Einsatz von KI bei ihren Produktionen festgelegt, wobei sorgfältigen Faktenchecks und Transparenz ein besonderes Gewicht zukommt, zugleich aber unterstrichen wird, dass die Automatisierung auch für höhere Effizienz steht(Sveriges Radio 2024c). Gesellschaftliche und politische Diskurse Eine mögliche Schwächung der ÖRM durch die geplanten Finanzkürzungen zwischen 2026 und 2033 sowie neue inhaltsbezogene Regelungen sind im Kontext der schwedischen Innenpolitik zu sehen. Nach der Wahl zum Schwedischen Reichstag 2022 wurde eine rechtsliberale Minderheitsregierung aus konservativen Moderaten(Moderaterna), Liberalen(Liberalerna) und Christdemokraten (Kristdemokraterna) gebildet. Da diese drei Parteien keine parlamentarische Mehrheit besitzen, regieren sie mit Unterstützung der Schwedendemokraten, was in einer formellen Unterstützungserklärung besiegelt wurde. Im Gegenzug für ihre Unterstützung erhielten die Schwedendemokraten Einfluss auf Politikbereiche, die für ihre politische Agenda und Positionierung zentral sind. Die Befürwortung der ÖRM in Schweden überwölbt die traditionellen ideologischen und parteipolitischen Grenzen. Obwohl das System der ÖRM im Laufe der Jahre immer wieder vereinzelter Kritik ausgesetzt war, haben das allgemein große Vertrauen und Bewusstsein seines Wertes für die Nation dazu beigetragen, dass es vor dauerhaften Angriffen aus der schwedischen Politik bewahrt blieb – wenn es doch mal dazu kam, wurde darin allgemein kein Vorteil gesehen. Wie Umfragen aus dem Jahr 2024 bestätigen, vertrauen Wähler:innen fast aller großer Parteien dem ÖRR in Schweden auch weiterhin und schätzen ihn sehr. Die erwähnte Vertrauenslücke zwischen den Wähler:innen der Schwedendemokraten und denen anderer Parteien ist beträchtlich – teilweise liegen die Werte sogar bis zu 50 Prozentpunkte niedriger als bei Wähler:innen anderer rechter Parteien. Die Schwedendemokraten werfen den ÖRM schon seit Langem vor, politisch voreingenommen zu sein und eine„Schlagseite nach links“ zu haben, obwohl Studien zur politischen Berichterstattung von SVT und SR diese Behauptungen immer wieder widerlegt haben. Diese Rhetorik hat im Laufe des vergangenen Jahrzehnts an Fahrt und Bedeutung zugenommen und wird von entsprechenden Kampagnen in Europa und den USA flankiert, die sich gegen den Journalismus im Allgemeinen und die öffentlich-rechtlichen Medien im Besonderen richten. Studien bezeichnen diese Entwicklung als„antimedialen“ oder medienfeindlichen Populismus(Jakobsson/Stiernstedt 2024; Holt 2018). Diese Dynamik zeigte sich beispielhaft während einer parlamentarischen Enquete im Jahr 2024, die die Er neuerung der Rundfunklizenzen für die Jahre 2026 bis 2033 vorbereiten sollte. Erstmals seit Gründung der ÖRM in Schweden in den 1920er Jahren konnte für das neue Rund funkabkommen kein politischer Konsens erzielt werden. Zwei konkurrierende Vorschläge standen sich gegenüber: einer der Regierungskoalition(einschließlich der sie tolerie renden Schwedendemokraten) und einer der Mitte-LinksOpposition. Der schließlich angenommene Vorschlag – die jähr lichen Finanzierungssteigerungen für den Zeitraum 2031 bis 2033 von drei Prozent auf einen Prozent zu reduzieren – wird von Medienexpert:innen als direkte Folge des Einflusses der Schwedendemokraten auf die Regierungspolitik gedeutet. Der Vorschlag sah außerdem vor, die Unpartei lichkeit des ÖRR zu prüfen, mutmaßliche„politische Vor eingenommenheit“ zu untersuchen sowie externe AuditVerfahren einzubeziehen – alles Maßnahmen, die als ein deutige Zugeständnisse an die Schwedendemokraten und deren langjährige Feindseligkeit gegenüber den ÖRM Schwedens gelten dürfen. 3. Fazit und Ausblick Die größten Herausforderungen für den schwedischen ÖRR ergeben sich auf politischer, technologischer und organisatorischer Ebene. Mit Blick auf den ersten Punkt ist eine zunehmende Politisierung der ÖRM zu beobachten. Während in Schweden traditionell ein breiter politischer Konsens über den hohen Wert der ÖRM besteht, hat die jüngste parlamentarische Enquete und der damit verbundene, ungewöhnlich konfrontative Prozess eine tiefe politische Spaltung zwischen dem linken und dem konservativ-rechten Block offengelegt und die ÖRM erstmals zum Gegenstand einer Richtungsentscheidung nach„links oder rechts“ gemacht. Diese Art von Polarisierung ist in Schweden, histoÖffentlich-rechtlicher Rundfunk in Europa – Schweden 6
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Schweden - wie steht es um die öffentlich-rechtlichen Medien?
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