risch gesehen, ein relativ junges Phänomen. Allerdings spiegeln diese politischen Spannungen nicht die Einstellungen und Positionen der Bevölkerung wider. Wie dargestellt, steht sie mit überwiegender Mehrheit hinter den öffentlichrechtlichen Medienanstalten. Insbesondere SVT und SR genießen nach wie vor das sehr große Vertrauen der Bevölke rung. Lediglich am rechten Rand des politischen Spektrums werden die ÖRM-Anstalten wegen ihrer angeblichen Parteilichkeit kritisiert und ihr Wert für die schwedische Demokratie und Gesellschaft zunehmend infrage gestellt. Die Spaltung zwischen dem rechten und dem linken Block auf politischer Ebene ist problematisch, da – wie Studien mehrfach gezeigt haben – langfristige, stabile Regierungen sowie ein breiter politischer Konsens über den Wert öffentlich-rechtlicher Medien wichtige Faktoren dafür sind, dass diese Medien ihre demokratische Funktion in der Gesellschaft erfüllen können(Neff/Pickard 2024). Die zweite Herausforderung betrifft den technologischen Wandel. Die ÖRM stehen unter einem starken Druck, ihre Ressourcen effizient einzusetzen, und wenden sich daher verstärkt technologischen Lösungen zu, um ihre internen Abläufe und Produktionsverfahren zu optimieren. Das schließt auch die Verwendung von künstlicher Intelligenz ein. Öffentlich-rechtliche Medien agieren im Umgang mit KI proaktiv und innovativ, so etwa bei der Entwicklung verbesserter Suchdienste und KI-gestützter Contentproduktion. SVT und SR haben jeweils eine:n KI-Koordinator:in, der oder die den Einsatz von KI überall im Sender verbessern und fördern soll. KI-Lösungen befinden sich jedoch noch in der Entwicklung, sodass immer wieder Fehler auftreten können. Bei automatisierten Untertiteln beispielsweise, wie SVT sie mittlerweile einsetzt, werden häufig fehlerhafte Übersetzungen des gesprochenen Textes geliefert. Derlei Probleme und andere sogenannte Halluzinationen in KI-generierten Inhalten sind geeignet, das Vertrauen des Publikums in die öffentlich-rechtlichen Medien zu untergraben. Eine weitere Herausforderung im Zusammenhang mit dem technologischen Wandel ist die Frage der Distribution, also der Verbreitung der Programminhalte über verschiedene Kanäle und Plattformen. Zuschauer:innen wie Hörer:innen verlagern ihre Mediennutzung zunehmend vom linearen Fernsehen und Radio weg hin zu On-Demand-Angeboten auf digitalen Plattformen. Durch den Einsatz von KI-Chatbots wie etwa ChatGPT(von OpenAI) oder Copilot(von Microsoft) könnten die proprietären digitalen Plattformen der ÖRM-Anstalten bei deren Publikum an Relevanz verlieren. Die Frage, wie sie künftig ihr Publikum erreichen, rückt daher mit neuer Dringlichkeit in den Vordergrund. Die ÖRM müssen womöglich neue Strategien für die Verbreitung ihrer Inhalte entwickeln, ohne dabei die Regularien ihrer Lizenzvereinbarung zu verletzen, die beispielsweise die Nutzung kommerzieller digitaler Plattformen zur Verbreitung von Inhalten einschränken. Insgesamt muss der öffentlich-rechtliche Mediensektor die Rolle von KI-Assistenten bei der Rezeption digitaler Nachrichten stärker in den Blick nehmen. Da deren Rolle immer größer wird, wird es auch immer wichtiger, dass solche KI-Assistenten bei der Zulieferung korrekter Informationen nicht versagen. Ein Bericht der Europäischen Rundfunkunion vom Oktober 2025, der auf einer Zusammenarbeit von 22 öffentlich-rechtlichen Anstalten in 18 Ländern basiert, hat die Qualität von KI-Antworten zu aktuellen Ereignissen und Nachrichten systematisch ausgewertet. Dabei konzentrierte sich die Evalution auf die fünf Aspekte Genauigkeit, Quellenangaben, Unterscheidung zwischen Nachricht/Fakten und Meinung/Bewertung, redaktionelle Bearbeitung und Kontext. Insgesamt wiesen 45 Prozent der Antworten verschiedener KI-Assistenten erhebliche Mängel in mindestens einem der fünf Aspekte auf, wobei fehlerhafte oder völlig falsche Quellenangaben das größte Problem darstell ten. Generell neigen KI-Assistenten dazu, Inhalte, die dem Angebot der ÖRM entstammen, verzerrt oder sogar grob falsch darzustellen. Auch SVT beteiligte sich an dieser Evaluation. Zu den Ergebnissen erklärte der Sender:„Das Problem besteht darin, wie die KI Meinungen, Fakten, Werturteile, Analysen und journalistische Standards aus verschiedenen Quellen zu einem undurchsichtigen Gemenge vermischt, das für eine:n Durchschnittsleser:in schwer, wenn nicht unmöglich zu entwirren ist“(Fletcher/Verckist 2025: 53). Das birgt die Gefahr, dass die Unparteilichkeit der öffentlich-rechtlichen Medien infrage gestellt, ihre Glaubwürdigkeit und Integrität geschwächt wird und Vertrauen verloren geht. Die Bedeutung des Themas für die Sender der schwedischen ÖRM ist somit groß, denn„wenn KI-Assistenten Inhalte öffentlich-rechtlicher Sender falsch darstellen, verzerren oder redaktionell bearbeiten, handelt es sich nicht nur um vereinzelte Fehler – vielmehr beschädigt dies die Glaubwürdigkeit der beteiligten Organisationen und gefährdet damit das Vertrauen in den öffentlichrechtlichen Journalismus“(Fletcher/Verckist 2025: 51). Angesichts der ständigen Weiterentwicklung der KI-Technologie wird es für öffentlich-rechtliche Medienanstalten weiterhin wichtig sein zu verstehen, wie(und welche) Probleme im Zusammenhang mit ihrer Nutzung und den Inhalten öffentlich-rechtlicher Sender auftreten: Nur so können sie ihre Integrität und Stellung in der Gesellschaft wahren(Fletcher/Verckist 2025). Die letzte Herausforderung betrifft die Organisation und den Auftrag der schwedischen ÖRM. Die Aufteilung in drei getrennte Unternehmen – SR, SVT und UR – ist im Vergleich zu den anderen nordischen Ländern einzigartig und wurde wiederholt kritisiert. Die drei Sendegesellschaften haben nicht nur unterschiedliche Budgetbedingungen, sondern verfolgen beispielsweise auch unterschiedliche Ansätze bei der KI-gestützten Contenterfassung. Dies trägt potenziell positiv zur Diversität der ÖRM bei. Jedoch sind auch Argumente vorgebracht worden, die mit Blick auf Skaleneffekte und Effizienzgewinne die Vorteile einer möglichen Fusion der drei Gesellschaften aufzeigen. Schließlich hat die neue Lizenzvereinbarung das umfassende Mandat der schwedischen ÖRM bestätigt, in den Bereichen Information, Bildung und Unterhaltung auch weiterhin Inhalte zu liefern. Darüber hinaus gelten die ÖRM in Zeiten geopolitischer Unruhen und Kriege als besonders wichtige Akteure. Sie spielen eine entscheidende Rolle beim Bevölkerungsschutz und der Landesverteidigung(totalförsvar). Dazu gehört die Verpflichtung, jährliche Vorsorgepläne zu entwickeln, um den Informationsfluss in Zeiten geopolitiÖffentlich-rechtlicher Rundfunk in Europa – Schweden 7
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Schweden - wie steht es um die öffentlich-rechtlichen Medien?
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