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Bedarfsgerechte Wohnraumversorgung als Schlüssel nachhaltiger Siedlungspolitik
Entstehung
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3. Auswege/Lösungsvorschläge a. Soziale Wohnraumförderung und gemeinnützige Träger fördern Es ist kein Geheimnis, dass insbesondere in den Ballungs­räumen von Baden-Württemberg eine Trendumkehr beim sozialen Wohnungsbau notwendig ist: Der Bestand an dau­erhaft preisgünstigen Mietwohnungen muss deutlich aus­gebaut und langfristig gesichert werden, statt weiter zu schrumpfen. Dabei sollten vor allem kommunale Woh­nungsunternehmen und Einrichtungen von Bund und Land sowie Wohngenossenschaften und andere gemeinnützige Träger als zentrale Partner der Wohnraumversorgung poli­tisch und finanziell wieder in die Lage versetzt werden, handeln zu können etwa durch stärkere Berücksichtigung von Konzeptvergaben, Erbpachtmodellen, verbilligten Grundstücken für Bedarfsgruppen und vereinfachtem Zu­gang zu Förderprogrammen in Kommunen. Ziel der sozia­len Wohnraumförderung muss es sein, Mietwohnraum im unteren Preissegment zu schaffen, der besonders einkom­mensschwache und armutsgefährdete Haushalte stabil entlastet und sie vor Verdrängung schützt. Die Förderung sozialen Wohnraums ist dabei nicht nur sozial gerecht, son­dern langfristig auch klimapolitisch sinnvoll: Gemeinnützi­ge Träger können Sanierungen systematisch mit Klima­schutz- und Klimaanpassungszielen verbinden und Gewin­ne im Bestand belassen, statt sie abzuschöpfen. Doch auch die Rahmenbedingungen für den öffentlichen Wohnsektor müssen angepasst werden. Andere Länder wie z. B. Schweden machen bereits vor, wie Warmmieten-Mo­delle, steigende CO₂-Preise, staatliche Förderungen und verpflichtende Sanierungsfahrpläne so kombiniert werden können, dass Investitionen in Energieeffizienz auch für Ver­mietende attraktiv werden, ohne die Gesamtwohnkosten für die Bewohnerinnen und Bewohner explodieren zu las­sen(Henger et al. 2023). b. Angebote für ländliche Räume und Ortskerne In vielen ländlichen Räumen braucht es dagegen eine ge­zielte Strategie, um untergenutzten Wohnraum für den Mietwohnmarkt zu aktivieren und gleichzeitig die Versor­gungssituation zu verbessern, anstatt das Siedlungsgebiet auf weitere Einfamilienhausgebiete am Ortsrand auszudeh­nen. Insbesondere in Regionen mit einem hohen Bestand an Ein- und Zweifamilienhäusern fehlen alternative Ange­bote. Der Fokus muss dabei auf Menschen in Umbruchsitu­ationen gelegt werden: Wenn sich Lebenslagen ändern(Fa­miliengründung, Auszug der Kinder, Pflegebedarf, Renten­eintritt), kann die Schaffung von Mietwohnraum in Ortszentren, die Organisation von Umzugsketten oder die bevorzugte Vergabe von Grundstücken an gemeinschafts­orientierte Wohnformen(durch die Nutzung des Vorkaufs­rechts und Konzeptvergaben) eine Trendumkehr anstoßen und damit Beispielprojekte schaffen, wie große, unterge­nutzte Häuser entsprechend einem wachsenden Bedarf für flexiblen Wohnraum frei werden können. Damit kann nicht nur bedarfsorientierter Wohnraum geschaffen werden, son­dern auch das Zusammenleben in den Zentren insgesamt gefördert und mit entsprechenden Angeboten attraktiver gestaltet werden(Miosga 2025). Da der Bestand an passenden Wohnformen in den Zentren oft begrenzt ist, muss es dafür jedoch Kommunen bau­rechtlich und förderpolitisch leichter gemacht werden, Be­standsgebäude aufzustocken, umzunutzen oder zu teilen etwa durch vereinfachte Genehmigungsverfahren für Dach­ausbauten, Einliegerwohnungen, Haus-in-Haus-Lösungen oder die Teilung größerer Wohnungen. Begegnungsorien­tierte Siedlungsentwicklung im ländlichen Raum bedeutet darüber hinaus auch, innerörtliche Gewerbe-, Versorgungs­und Dienstleistungsangebote zu erhalten oder neu anzu­siedeln etwa kleine Läden, Arztpraxen, Kitas oder genera­tionenübergreifende Treffpunkte, um Wohnen und Alltag wieder stärker zu bündeln. Die Stärkung der Aufenthalts­qualität in Ortsmitten(öffentliche Plätze, Grünflächen, Ver­schattung, Entsiegelung, sichere Wege) kann dabei insbe­sondere mit Maßnahmen der Klimaanpassung(Hitze- und Starkregenvorsorge) und Erfordernissen des Klimaschutzes (Wärmenetze, Stärkung des Gebäudebestands und Förde­rung des Fuß- und Radverkehrs) verknüpft werden, sodass lebendige und klimaresiliente Dorf- und Kleinstadtzentren entstehen. c. Durch Mehrgewinnstrategien Flächen effizient(er) nutzen Angesichts knapper Flächen und vielfältiger Nutzungsan­sprüche braucht es landesweit einen Fokus auf Mehrge­winnstrategien, bei denen auf einer Fläche mehrere Funk­tionen gleichzeitig ermöglicht werden: Wohnen, Gewerbe und Dienstleistungen, aber auch Klimaanpassung und der Ausbau erneuerbarer Energien können dabei Hand in Hand gehen. In bestehenden Siedlungsbereichen sollte dafür die Konzentration auf innerörtliche Entwicklung nach dem Prinzip der doppelten Innenentwicklung Vorrang haben (BfN 2015): dichter, aber qualitätsvoller Wohnungsbau, ins­besondere günstiger Mietwohnraum, kombiniert mit Erdge­schossnutzungen für Läden, sozialer Infrastruktur, oder die Integration von Pflegeangeboten und Quartierstreffs. Mit der Renaissance der Quartierskonzepte durch die Neuauf­lage der KfW-Förderung 432 können Kommunen aktiv un­terstützt werden, den Fokus auf bestehende Siedlungsge­biete zu schärfen. Neue wie auch umgebaute Quartiere sollten grundsätzlich klimaangepasst geplant werden mit ausreichend Grün- und Wasserflächen, Verschattung, guter Belüftung und Hitzevorsorge und gleichzeitig als Orte der Begegnung fungieren(Plätze, Höfe, gemeinschaftlich nutz­bare Räume etc.). In ländlichen Räumen sind speziell auch Flächenkonkurrenzen zwischen Landwirtschaft, Natur­schutz, Siedlungsentwicklung und erneuerbaren Energien daher auf Ebene der Raumplanung gezielt zu entschärfen, indem z. B. der Ausbau erneuerbarer Energien vor allem über kombinierte Nutzungen erfolgt: Dach- und Fassaden­PV, Agri-PV, agroforstliche Systeme, Kohlenstoffsenken und Bioökonomie-Ansätze, die mit der Landwirtschaft zu­Blickwinkel BaWü Bedarfsgerechte Wohnraumversorgung als Schlüssel nachhaltiger Siedlungspolitik 7