4. Interne Governance In diesem Abschnitt werden die unterschiedlichen Modelle der internen Governance der PSM-Organisationen in den untersuchten Ländern betrachtet. In Österreich basiert die interne Governance des ORF auf einem mehrstufigen System von Führungs-, Beteiligungs- und redaktionellen Kontrollstrukturen. Die Geschäftsführung liegt beim Generaldirektor bzw. der Generaldirektorin, dem bzw. der vier Direktor:innen für Finanzen, TV-Programm, Radio und Technik zur Seite stehen. Zusätzlich verfügen die neun Landesstudios über jeweils eigene Landesdirektor:innen. Die strategisch zentrale Rolle übernimmt der Stiftungsrat: Er bestellt die ORF-Führung, genehmigt das Budget, überwacht die Finanzen und muss einer Vielzahl wesentlicher Entscheidungen zustimmen. Ergänzend dazu fungiert der Publikumsrat als beratendes Gremium, das insbesondere Interessen des Publikums einbringen und bei Bedarf die Regulierungsbehörde KommAustria einschalten kann (Beaufort 2026). Der Redaktionsrat bildet das zentrale redaktionelle Kontrollorgan. Auf Basis des Redakteursstatuts überwacht er die Wahrung der redaktionellen Unabhängigkeit und verpflichtet sowohl Redaktionsmitglieder als auch ORF-Organe zur Sicherung journalistischer Eigenständigkeit. Zudem besitzt er Informations- und Vorschlagsrechte bei der Bestellung leitender Redakteur:innen und trägt damit maßgeblich zur Absicherung professioneller Standards bei (Beaufort 2026). In Frankreich ist die interne Governance der PSMOrganisationen breit diversifiziert. France Télévisions, Radio France und France Médias Monde werden jeweils von einer Präsidentin bzw. einem Präsidenten und einem CEO geleitet, die für fünf Jahre ernannt werden und der Aufsicht ei nes Verwaltungsrats unterstehen. Innerhalb von France Télévisions unterstützen zudem ein Management Committee, das die strategische Gesamtplanung verantwortet, sowie ein Editorial Strategy Committee die inhaltliche Ausrichtung des Unternehmens. Arte-France verfügt über eine zweigeteilte Governance-Struktur bestehend aus einem Vorstand und einem Aufsichtsrat, wodurch operative Führung und strategische Kontrolle voneinander getrennt sind. TV5 Monde wird als internationale Partnerschaft mit spe zieller Governance-Struktur geführt. LCP und Public Sénat, die Sender der Kammern des französischen Parlaments, und INA haben ebenfalls jeweils spezielle eigenständige Governance-Strukturen(Poulain 2026). Die interne Governance von Rai in Italien basiert ebenfalls auf der Kombination aus einem Verwaltungsrat und einer operativen Geschäftsführung(CEO). Der Verwaltungsrat entscheidet über wesentliche strategische Fragen, darunter die Genehmigung von Budget, Personalund Finanzpolitik, jährlichen Programmplänen sowie wichtigen redaktionellen Leitungsfunktionen. Die operative Verantwortung für das Tagegeschäft liegt beim CEO, wobei größere strategische Maßnahmen oder Verträge mit einem Volumen von mehr als 10 Millionen Euro der Zustimmung des Verwaltungsrats bedürfen. Repräsentative Aufgaben, institutionelle Beziehungen und die Aufsicht über die interne Kontrolle werden schließlich vom Präsidenten oder der Präsidentin – der oder die aus den Reihen des Verwaltungsrats gewählt wird – wahrgenommen(Bagnariol 2026). Im Vereinigten Königreich verfügt die BBC über einen Vorstand, bestehend aus einem/einer Vorsitzenden und nicht-exekutiven Direktor:innen, die in beratender Funktion tätig sind. Channel 4 und S4C verfügen ebenfalls über eine:n Vorsitzende:n sowie nicht-exekutive Mitglieder im Vorstand(Chivers 2026). Die interne Governance der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland basiert auf einem dreigliedrigen Modell aus Intendanz, Verwaltungsrat und Rundfunkrat(bzw. Fernsehrat oder Hörfunkrat). Die Intendantin oder der Intendant übernimmt die operative Leitung der jeweiligen Anstalt, während der Verwaltungsrat insbesondere wirtschaftliche und organisatorische Entscheidungen überwacht. Der Rundfunkrat ist für programmliche Fragen zuständig und setzt sich aus Vertreter:innen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen zusammen, wodurch eine pluralistische gesellschaftliche Kontrolle des Programms gewährleistet werden soll(Stratmann 2026). Insgesamt zeigt sich, dass bei der internen Governance der PSM unterschiedliche Modelle existieren, was eine Folge der unterschiedlichen Organisationsformen sowie Eigentums- bzw. Kontrollstrukturen der PSM sein dürfte. Eine in mehreren Modellen vorhandene Ausprägung der internen Governance ist die Trennung zwischen Geschäftsführung und Redaktion. 5. Externe Governance und Aufsicht Der folgende Teil betrachte die externe Governance der PSM, das heißt, jene Kontrollinstanzen, die außerhalb der PSM selbst angesiedelt sind und deren Tätigkeiten überwachen und regulieren. In Österreich obliegt die externe Aufsicht über den ORF und seine Tochtergesellschaften der weisungsfreien Kommunikationsbehörde KommAustria. Sie fungiert seit 2010 als erste Instanz der Rechtsaufsicht und überwacht die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen, insbesondere des ORF-Gesetzes. Entscheidungen der KommAustria können beim Bundesverwaltungsgericht angefochten werden(Beaufort 2026). In Frankreich überwacht das Kulturministerium die inhaltliche und kulturpolitische Ausrichtung der PSM, während das Finanzministerium die wirtschaftliche Steuerung und die Verwendung öffentlicher Mittel kontrolliert. Zudem überwacht ARCOM, die unabhängige Regulierungsbehörde für audiovisuelle Medien, die Einhaltung allgemeiner medienrechtlicher Vorgaben mit besonderem Fokus auf die Erfüllung des PSM-Auftrags(Poulain 2026). Die externe Governance der italienischen Rai besteht ebenfalls aus mehreren Aufsichtsinstanzen. Eine zentrale Rolle spielt die parlamentarische Aufsichtskommission für Rundfunk und Fernsehen(Commissione parlamentare per l‘indirizzo generale e la vigilanza dei Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Europa – Institutionelle Grundlagen 4
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