gen, etwa durch eine restriktivere Nutzung von Text auf PSM-Plattformen sowie Vorgaben zur zurückhaltenden Präsenz auf kommerziellen Drittplattformen(Kaun/Biendara 2026). In Großbritannien steht die BBC zunehmend unter medialem Druck. Auf Plattformen wie X/Twitter oder Instagram konkurriert sie um Vertrauen, sieht sich jedoch zunehmender Skepsis gegenüber„Mainstream“-Medien ausgesetzt, die durch öffentliche Äußerungen einflussreicher Akteure weiter verstärkt wird. Jüngste interne Krisen verschärfen diese Situation. Ein geleakter Bericht zu redaktionellen Fehlern, unter anderem im Zusammenhang mit Material zu Donald Trumps Rede vor dem Sturm auf das Kapitol, führte zu massiver medialer Kritik. Diese mündete in personellen Konsequenzen bis hin zum Rücktritt der Führungsspitze. Die Debatten drehen sich zunehmend um institutionelle Kontrolle, politische Einflussnahme und die strategische Ausrichtung der BBC(Chivers 2026). Auch in Deutschland sind die PSM zunehmend Gegenstand gesellschaftlicher Kontroversen und politischer Angriffe. Kritische Narrative betreffen insbesondere die Höhe des Rundfunkbeitrags, die Größe der Organisationsstrukturen und den Umfang des Angebots. Ähnlich wie in anderen europäischen Ländern sind auch in Deutschland kritische Narrative häufig mit Forderungen nach strukturellen Reformen, Budgetbegrenzungen oder einer Einschränkung des öffentlich-rechtlichen Onlineangebots verbunden. Zunehmend werden auch Vorwürfe politischer Voreingenommenheit von rechtspopulistischen Akteuren und Teilen privater Medienunternehmen artikuliert, teilweise verbunden mit der Forderung der Abschaffung des PSM-Systems. Kritik kommt zudem auch von Presseverlegern und Zeitungsverlagen, die insbesondere die textlastigen Angebote der PSM-Organisationen beanstanden. In der jüngsten Reform des Medienstaatsvertrags(MStV) wurden die Beschränkungen für Telemedienangebote der PSM deshalb weiter verschärft(Stratmann 2026). Zusammengefasst beinhalten die kritischen Diskurse Forderungen nach Budgetkürzungen, strukturellen Reformen bis hin zur Abschaffung von PSM. Häufige Kritikpunkte sind vermeintliche politische Voreingenommenheit, Elitarismus oder hohe Kosten. Die mediale Skandalisierung einzelner Ereignisse dient dabei als Verstärker, wodurch diese Diskurse konkrete Auswirkungen auf Unabhängigkeit und Stabilität von PSM entfalten können. 4. Gegenkräfte zu Angriffen auf die Unabhängigkeit und Existenz von PSM Im Folgenden werden institutionelle und gesellschaftliche Gegenkräfte zu Angriffen auf die Unabhängigkeit und Existenz von PSM untersucht. Ein Beispiel für eine institutionelle Gegenkraft zu Versuchen politischer Einflussnahme auf den österreichischen ORF bildet das Urteil des österreichischenVerfassungsg erichtshofs(VfGH) von 2023. Der VfGH erklärte die bisherigen Regelungen zur Zusammensetzung von Stiftungs- und Publikumsrat teilweise für verfassungswidrig, begründete dies mit Verstößen gegen das Gebot von Pluralismus und Unabhängigkeit und forderte eine Novellierung des ORF-Gesetzes bis März 2025(Beaufort 2026). In Frankreich hat der Conseil constitutionnel, das französische Verfassungsgericht, die Autonomie der PSM, einschließlich der Budgethoheit, als schützenswert anerkannt, während die unabhängige Verwaltungsbehörde ARCOM die politische Unabhängigkeit der redaktionellen Arbeit sichern soll. Daneben bestehen starke gesellschaftliche Gegenkräfte: Gewerkschaften und Journalist:innen mobilisieren aktiv gegen politische Einflussnahme und Abschaffungsbestrebungen, etwa durch Streiks gegen Reformüberlegungen zu einer Fusion der französischen PSM. Zusätzlich stützen sich Akteure auf europäische und internationale Normen, insbesondere die Charta der Grundrechte der EU(EUGrCh), die Europäische Menschenrechtskonvention(ECHR), den Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union(AEUV) sowie den European Media Freedom Act(EMFA), um Unabhängigkeit, Pluralität und redaktionelle Autonomie zu erhalten(Poulain 2026). Die Unabhängigkeit der Rai in Italien wird formal durch den Servicevertrag mit der Regierung und die Aufsicht der unabhängigen Kommunikationsbehörde AGCOM gestützt. Gesellschaftliche Gegenkräfte bestehen vor allem in Form journalistischer Gewerkschaften und zivilgesellschaftlichen Engagements. Ein bemerkenswertes Beispiel ist die Mobilisierung der Rai-Journalist:innen am 6.5.2024, als die Gewerkschaft USIGRai den ersten Streik in der Geschichte von Rai ausrief, um gegen politische Einflussnahme zu protestieren. Obwohl ein kleinerer, regierungsnaher Gewerkschaftsverband den Streik teilweise unterlief und reduzierte Ausgaben der Hauptnachrichten weiterhin ausgestrahlt wurden, verurteilte das Arbeitsgericht in Rom die Rai für gewerkschaftsfeindliches Verhalten. Der Fall verdeutlicht zugleich die Grenzen interner Gegenwehr gegen politische Eingriffe(Bagnariol 2026). Von der europäischen Ebene stärken auch in Italien Regelungen wie die EUGrCh, die ECHR und insbesondere der EMFA die institutionellen Sicherungen der Unabhängigkeit und Existenz von Rai. Insbesondere der EMFA verpflichtet Mitgliedstaaten, die redaktionelle und operative Unabhängigkeit der öffentlich-rechtlichen Medien zu gewährleisten, und stellt Anforderungen an die Ernennungsund Abberufungsverfahren von Vorständen. Aktuell genügen die italienischen Regelungen nicht den Vorgaben des EMFA, was die Meloni-Regierung, die vielmehr eine weitere Konzentration politischer Einflussnahme anstrebt, unter Druck setzt(Bagnariol 2026). In Polen hat der Verfassungsgerichtshof bereits mehrfach klargestellt, dass Pluralismus und redaktionelle Unabhängigkeit grundlegende Anforderungen an PSM darstellen. Zudem intervenierte der polnische Menschenrechtskommissar wiederholt, um Verstöße gegen gesetzlich verankerte Vorgaben zu Pluralität, Ausgewogenheit und Unabhängigkeit der PSM zu kritisieren. Auch weitere Institutionen haben in der Vergangenheit Kritik gegenüber politischer Einflussnahme geäußert. Hierzu gehört der polnische Sprachrat, dessen Analysen auf manipulative Praktiken in der Nachrichtenberichterstattung hinweisen, die den Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Europa – Politische Unabhängigkeit 5
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