von Fernsehen und Radio ermöglichen. Inspiriert von inter nationalen Wettbewerbern wurden die digitalen Angebote schrittweise verbessert und die Nutzererfahrung optimiert. Dank dieser Maßnahmen konnte Rai einen großen Teil des Rückstands gegenüber globalen Streamingdiensten aufholen. 2024 nutzten 8,7 Millionen Menschen aktiv die digita len Angebote, wobei insbesondere jüngere, digital affine Zielgruppen gewonnen werden konnten(Bagnariol 2026). Die polnischen PSM haben ebenfalls in den zurückliegenden Jahren ihre digitalen Angebote deutlich ausge baut, um den veränderten Mediennutzungsgewohnheiten Rechnung zu tragen. Bereits 2010 wurde der Video-on-De mand-Dienst TVP VOD als Unterseite von tvp.pl eingeführt, wobei ähnliche Angebote in begrenztem Umfang bereits seit 2007 existierten. 2023 wurde TVP VOD zusätzlich mit TVP Stream integriert, dem bisherigen Service für Livefernsehen. Obwohl TVP VOD am Markt nicht unbedeutend ist, bleibt die Plattform hinter den größten internationalen VoD-Anbietern zurück. Ein weiterer Schwerpunkt der Digitalisierung der polnischen PSM ist die Einführung der Technologie Digital Audio Broadcasting Plus(DAB+). Diese ermöglicht die digitale Übertragung von Radiosignalen, bie tet verbesserte Tonqualität, zusätzliche Informationen und die Möglichkeit, mehrere Sender auf einer Frequenz auszu strahlen. Bis Dezember 2024 deckte DAB+ 87,9 Prozent der polnischen Bevölkerung und 75 Prozent des Staatsgebiets ab. Damit sind die polnischen PSM Vorreiter bei der digitalen Verbreitung, da alle Rundfunkprogramme mittlerweile digital ausgestrahlt werden(Horonziak 2026). Die schwedischen PSM haben früh auf Digitalisierung gesetzt und ihre Angebote entsprechend angepasst. SVT stellt digitale Inhalte über ihre Website, die eigene Streamingplattform SVT Play sowie weitere digitale Kanäle bereit. SR sendete erstmals 1995 digital. 2003 wurden digi tale und Web-Only-Kanäle ausgebaut und 2005 begann der Aufbau eines Podcastangebots. Die kontinuierliche Innovation, konkret der redaktionsgesteuerte Algorithmus „Nyhetsvärden“, wurde 2021 mit dem Radio Technology& Innovation Award der European Broadcasting Union gewürdigt(Kaun/Biendara 2026). Aufgrund der hohen Digitalisierung der schwedischen Gesellschaft verlagern viele Zuschauer:innen und Zuhörer:innen ihre Nutzung auf digitale Angebote. SR hat große Teile seiner Podcasts von Plattformen wie Spotify zurückgezogen und investiert verstärkt in eine eigene Streamingplattform, um über Playlists und neue Suchfunktionen sowohl alte Nutzer:innen zu halten als auch neue Zielgruppen zu gewinnen. Darüber hinaus verfolgen schwedische PSM im Umgang mit KI einen restriktiven Ansatz: Inhalte dürfen nicht für kommerzielles KI-Training genutzt werden. Alle PSM haben Richtlinien etabliert, die sowohl auf Transparenz und Faktenprüfung als auch auf Effizienz gewinne durch Automatisierung abzielen(Kaun/Biendara 2026). Die PSM im Vereinigten Königreich , insbesondere BBC und Channel 4, führten in den 2000er Jahren die digi tale Umstellung im Fernsehen an und setzten mit Diensten wie BBC iPlayer(2007) und 4oD(2006) früh auf Video-onDemand. In den vergangenen Jahren haben die britischen PSM jedoch den Anschluss an die wachsenden digitalen Plattformen und sozialen Netzwerke weitgehend verpasst. Ein zentrales Versäumnis der zurückliegenden Dekade ist, dass keine eigenen, öffentlich-finanzierten digitalen Plattformen aufgebaut wurden, wodurch die britischen PSM zunehmend von globalen, profitorientierten Unternehmen abhängig sind(Chivers 2026). Die PSM-Organisationen in Deutschland verfolgen ebenfalls eine umfassende Digitalstrategie. Neben einem starken Fokus auf dem Ausbau ihrer Mediatheken setzen ARD und ZDF auf eine crossmediale Verbreitung ihrer In halte auch auf privaten Plattformen. Ein besonders erfolgreiches digitales Angebot für jüngere Zielgruppen ist das 2016 gestartete Onlinenetzwerk„Funk“, bei dem Inhalte nur online bei ARD und ZDF sowie auf privaten Plattformen, insbesondere sozialen Medien, verbreitet werden. Die Einbeziehung von privaten Plattformen soll dabei eine stärkere Interaktivität der Nutzer:innen ermöglichen. In diesem Zusammenhang wird kritisiert, dass die deutschen PSM bislang keine eigenen Plattformen entwickelt haben, die Interaktivität und Dialog der Nutzer:innen ermöglichen, und dass sie stattdessen von privaten Anbietern abhängig sind. Vor diesem Hintergrund beteiligen sich ARD und ZDF aktu ell an dem internationalen Projekt„Public Spaces Incubator“, das die Entwicklung gemeinwohlorientierter digitaler Plattforminfrastrukturen für PSM erprobt. Zudem gibt es zunehmend Initiativen, bei denen das Publikum zur Weiterentwicklung des Angebots der PSM einbezogen werden soll. Gleichzeitig gewinnt auch bei den PSM-Organisationen künstliche Intelligenz an Bedeutung. Die deutschen PSM erkennen das Potenzial von KI für Produktion, Distribution und Personalisierung von Inhalten und treiben entsprechende Anwendungen voran. Gleichzeitig zeigen Vorfälle mit KI-generierten Falschinformationen, dass ein ver antwortungsvoller Umgang mit der Technologie und wirksame Kontrollmechanismen, insbesondere angesichts des besonderen Auftrags der PSM-Organisationen und um das gesellschaftliche Vertrauen nicht zu verlieren, unverzichtbar bleiben(Stratmann 2026). 5. Zusammenfassung Der vergleichende Blick auf die PSM in Österreich, Frank reich, Italien, Polen, Schweden und dem Vereinigten Königreich zeigt ein insgesamt heterogenes, aber in zentralen Punkten vergleichbares Bild. In allen untersuchten Ländern stehen die PSM unter dem Druck tiefgreifender Veränderungen durch Digitalisierung, Plattformisierung, KI und veränderte Mediennutzungsgewohnheiten. Während sie im linearen Rundfunk vielfach weiterhin hohe Reichweiten und – insbesondere in Österreich, Frankreich, Schweden und Deutschland – starkes Vertrauen genießen, verlieren sie vor allem bei jüngeren und digital affinen Zielgruppen an Relevanz. Die Fragmentierung der Medienmärkte und die Dominanz globaler Plattformen verschärfen diesen Trend zusätzlich. Deutliche Unterschiede zeigen sich in der Wettbewerbsfähigkeit und strategischen Positionierung der PSM: Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Europa – Wettbewerb und digitale Transformation 5
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