Schweden sowie in Teilen auch Deutschland, Frankreich und Italien gelingt es vergleichsweise erfolgreich, öffentlich-rechtliche Inhalte auch im digitalen Raum sichtbar zu machen und mit eigenen Plattformen konkurrenzfähig zu bleiben. Demgegenüber sind die PSM in Polen und im Vereinigten Königreich deutlich stärker geschwächt: in Polen durch politische Instrumentalisierung und massiven Vertrauensverlust, im Vereinigten Königreich durch strategische Zurückhaltung gegenüber Plattformalternativen und eine zunehmende Abhängigkeit von globalen Tech-Unternehmen. Der ORF nimmt eine Zwischenposition ein: Er bleibt ein zentraler Akteur mit hoher Glaubwürdigkeit, tut sich jedoch schwer, jüngere Zielgruppen nachhaltig zu erreichen. Über alle Länder hinweg wird deutlich, dass Vertrau en weiterhin eine zentrale Stärke der PSM darstellt – allerdings nur dort, wo redaktionelle Unabhängigkeit glaubwürdig gesichert ist und die institutionelle Legitimation nicht politisch untergraben wurde. Gleichzeitig reicht Vertrauen allein nicht aus, um gesellschaftliche Relevanz langfristig zu sichern. Entscheidend dürfte sein, ob es den PSM gelingt, ihren öffentlichen Auftrag sichtbar in digitale Umgebungen zu übersetzen, eigene Marken auch auf Drittplattformen klar zu positionieren, alternative, gemeinwohlorientierte digitale Infrastrukturen aufzubauen und neue Technologien wie etwa KI ihrem Auftrag entsprechend einzusetzen. Vor diesem Hintergrund dürften neue Ansätze an Bedeutung gewinnen, etwa die der deutschen PSM, die auf die Entwicklung gemeinwohlorientierter digitaler Infrastrukturen, internationale Kooperationen zwischen PSM sowie stärkere partizipative Einbindung des Publikums in die Weiterentwicklung der Angebote abzielen. Literatur Bagnariol, Luca(2026): Italien – Eine Analyse der Rai zwischen Tradition und Reformbedarf, Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn. Beaufort, Maren(2026): Österreich – Herausforderungen, Wandel und Perspektiven, Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn, https://collections. fes.de/publikationen/download/pdf/1964639(6.4.2026). Chivers, Tom(2026): Vereinigtes Königreich – öffentliche Medien am Abgrund, Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn, https://collections.fes.de/ publikationen/download/pdf/1964906(6.4.2026). d’Arma, Alessandro; Barclay, Steven; Horowitz, Minna Aslama (2024): Public Service Media and the Internet: Two Decades in Review, in: International Journal of Communication 18, S. 248–267. Dobusch, Leonhard(2023): Chancen des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks, in: Legrand, Jupp; Linden, Benedikt; Arlt, Hans-Jürgen (Hrsg.): Wiesbaden, S. 99–109, doi:10.1007/978-3-658-39629-9_9 (6.4.2026). Fieiras-Ceide, César; Vaz-Álvarez, Martín; Túñez-López, Miguel (2024): Building the Future of European Public Service Media: Innovation Priorities, Key Points and Optimization Areas in PSM, in: Communication& Society, S. 107–123, doi:10.15581/003.37.3.107123(6.4.2026). Friedrich-Ebert-Stiftung(o. J.): Rundfunk in Europa, https://www.fes. de/medienpolitik/rundfunk-in-europa(6.4.2026). Horonziak, Sonia(2026): Polen – politische Vereinnahmung, strukturelle Schwächen und die Herausforderungen einer echten Reform, Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn, https://collections.fes.de/ publikationen/download/pdf/1964879(6.4.2026). Kaun, Anne; Biendara, Michele Madeine(2026): Schweden – wie steht es um die öffentlich-rechtlichen Medien?, Friedrich-EbertStiftung, Bonn, https://collections.fes.de/publikationen/download/ pdf/1965442(6.4.2026). Poulain, Sébastien(2026): Frankreich – Utopie im Widerstand, Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn. Schweizer, Corinne; Puppis, Manuel(2018): Public Service Media in the„Network“ Era: A Comparison of Remits, Funding, and Debate in 17 Countries, in: Lowe, Gregory Ferrell; Van den Bulck, Hilde; Donders, Karen(Hrsg.): Public Service Media in the Networked Society: RIPE@2017, Göteborg, S. 109–124. Stratmann, Magdalena(2026): Herausforderungen und Chancen: Der deutsche öffentlich-rechtliche Rundfunk in Zeiten von Plattformen und KI, Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn. Über die Autorin Magdalena Stratmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für Medienforschung| Hans-Bredow-Institut(HBI) im Forschungsprogramm„Regelungsstrukturen und Regelbildung in digitalen Kommunikationsräumen“. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Medienregulierung mit besonderem Fokus auf öffentlicher digitaler Kommunikation, öffentlich-rechtlichen Medien sowie der Regulierung künstlicher Intelligenz. Impressum Herausgeberin Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Godesberger Allee 149 53175 Bonn info@fes.de Herausgebende Abteilung Abteilung Analyse, Planung und Beratung Kontakt Dr. Johannes Crückeberg medienpolitik@fes.de Bildnachweis Titelillustration: Till Lukat Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind nicht notwendigerweise die der Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.(FES). Eine gewerbliche Nutzung der von der FES herausgegebenen Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. Publikationen der FES dürfen nicht für Wahlkampfzwecke verwendet werden. April 2026 © Friedrich-Ebert-Stiftung e. V. Weitere Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung finden Sie hier: ↗ www.fes.de/publikationen Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Europa – Wettbewerb und digitale Transformation 6
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten