FES-Analyse: Brasilien nahme zur Absicherung der Reformpolitik vorgesehen – bisher nur schwach entwickelt. Der am 13. Februar 2003 unter beträchtlichem Medienrummel ins Leben gerufene Wirtschafts- und Sozialrat( Conselho de Desenvolvimento Econômico Social – CDES) hat die ihm zugedachte Funktion einer außerparlamentarischen Konzertationsmaschine nicht realisieren können. Ursache hierfür ist ein„Konstruktionsfehler“, der von den Gewerkschaften erzwungen wurde: Als diese feststellten, dass eine deutliche Mehrheit der 97 vom 9 Präsidenten persönlich ernannten Mitglieder des Rates entweder direkt aus dem Unternehmerlager stammt oder ihm indirekt verbunden ist, setzten die Gewerkschaftsvertreter durch, dass nach Abschluss der Debatte über ein Reformprojekt dem Präsidenten der Republik sowohl die Mehrheitsals auch die Minderheitsmeinung vorgestellt wird. Es bleibt abzuwarten, ob dieses Gremium des institutionalisierten Sozialpakts nicht dennoch einen Beitrag zur Annäherung gegensätzlicher Positionen leisten kann. Wirtschaftliche Entwicklung Der Zuwachs der brasilianischen Wirtschaft lag 2002 mit 1,5% deutlich unter den Erwartungen und übertraf nur knapp die bereits niedrige Wachstumsrate des Jahres 2001. Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass die Talsohle durchschritten ist, und so wird für 2003 ein Zuwachs des BIP von 2,0% erwartet. BIP(Mrd. US-$) BIP-Zuwachs Arbeitslosenrate Inflationsrate Wechselkurs(R$:US-$) * Prognose Tabelle 3: Eckdaten der wirtschaftlichen Entwicklung 1997 807,7 3,2% 6,9% 1,08 1998 787,7 0,2% 3,2% 1,16 1999 536,6 0,8% 4,9% 1,81 2000 601,7 4,5% 7,1% 7,0% 1,83 2001 510,6 1,4% 6,8% 6,8% 2,35 2002 452,4 1,5% 11,7% 8,5% 2,92 2003* 2,0% 12,0% 15,0% 3,26 Den entscheidenden Beitrag zu diesem Aufwärtstrend soll die Außenwirtschaft leisten, die trotz der weiterhin schwächelnden Weltkonjunktur seit Ende 2002 mit beträchtlichen Überschüssen aufwarten kann. Für diese überraschende Entwicklung sind im wesentlichen drei Faktoren verantwortlich: 1) Brasilianische Firmen konnten sich – unterstützt von der Regierung – rasch und erfolgreich den Zugang zu neuen Märkten erschließen, vor allem in Asien(Exportzuwachs von +55%) und im Nahen Osten(+37%). 2) Der argentinische Binnenmarkt – nach den USA der wichtigste Absatzmarkt für brasilianische Produkte – hat sich in den ersten Monaten des Jahres 2003 deutlich erholt, was vor dem Hintergrund des weitgehenden Ausfalls 2002 nun zu einem spürbaren Nachfrageschub aus dem Nachbarland führt. 3) Bei einigen agrarischen und mineralischen Rohstoffen, die für den Export Brasiliens eine wichtige Rolle spielen, haben zum Jahresbeginn die Preise leicht angezogen, wodurch stagnierende oder fallende Volumina kompensiert werden können.
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