4 Rebellengruppe„Rassemblement congolais pour la démocratie“(RCD), der es zwar in erster Linie um eine Beibehaltung ihrer bislang unbestrittenen Macht und damit um Geld ging, die dafür aber die vermeintliche Verfolgung der Banyamulenge – aus Ruanda nach Kongo zugewanderte Tutsi – geltend machte. Alleine die Erwähnung von möglichen Massakern an den Banyamulenge, die 1996 Auslöser für den ersten Einmarsch Ruandas nach Kongo waren, rief trotz Friedensabkommens die ruandische Armee auf den Plan und ließ Kinshasa wüste Beschimpfungen an den„Friedenspartner“ Ruanda ausstoßen. Dabei ist die soziale Struktur im Osten Kongos eine direkte Folge der belgischen KolonialFES-Analyse: Kongo und Ruanda politik im benachbarten Ruanda und Burundi. Und so wie die beiden kleinen Länder auf die beiden kongolesischen Provinzen Kivu-Nord und Kivu-Süd ausstrahlen, so direkt sind die Auswirkungen aller Veränderungen in Kivu auf Ruanda und Burundi. Der Völkermord in Ruanda 1994 und seine Folgen für Kivu waren einer der Gründe für den Sturz Mobutus. Und auch die Ermordung seines Nachfolger LaurentDésiré Kabila 2001 stand in direktem Zusammenhang mit den politisch-militärischen Auseinandersetzungen in Kivu. Der Osten des Kongo war der Ausgangspunkt für den verheerenden Krieg. Wenn der Frieden für den Kongo eine Zukunft haben soll, muss er im Osten beginnen. Historische Altlasten: Hutu gegen Tutsi Im zentralafrikanischen Seengebiet existierten vor der Ankunft der Europäer Mitte des 19. Jahrhundert mehr als 20 Königreiche, die rund um das heutige Ruanda verstreut waren. Die größten unter ihnen waren expansiv, das heißt, sie unterhielten stehende Heere und verfügten über einen organisierten Verwaltungsapparat. Das entscheidende Charakteristikum dieser Königreiche war indes ihre gesellschaftliche Organisation. Aufgrund des expansiven Dranges hatten verschiedene dieser Ministaaten so etwas wie nationale Identität entwickeln können, die den Clan als Organisationsform abgelöst und damit das enge Korsett der ethnischen Gruppenidentifikation gesprengt hatte. Zwar gab es durchaus noch Unterscheidungen entlang dessen, was man heute als ethnische Linie bezeichnen würde. Doch waren diese Unterscheidungsmerkmale nicht rigide im Sinne eines Kastensystems, sondern vielmehr Ausdruck der sozialen Stellung aufgrund wirtschaftlicher Potenz – und damit durchlässig. Die Gegensätze der ruandischen Hutu und Tutsi, die schließlich im Genozid von 1994 ihren Höhepunkt fanden, sind nur vor dem Hintergrund der Kolonisierung der Region zu verstehen und der Politik der Kolonialherren, ihre Macht durch indirekte Herrschaft abzusichern. Die heutigen Staaten Ruanda und Burundi waren 1899 zu Teilen der Kolonie Deutsch-Ostafrika erklärt worden. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die deutsche Kolonialherrschaft durch die belgische ersetzt, zunächst mit einem Mandat des Völkerbundes, ab 1946 mit einem der Vereinten Nationen. Seit seiner Entdeckung hielt sich bezüglich des von den Belgiern Ruanda-Urundi genannten Gebietes der Mythos von drei ethnischen Gruppen in beiden Ländern. In der Tradition der Rassenkunde des 19. Jahrhunderts wurden drei sogenannte Rassen unterschieden, die „pygmoide“(Twa),„bantuide“(Hutu) und„hamitische“(Tutsi). Demzufolge herrschte in Ruanda-Urundi einen minoritäre Klasse angeblich äthiopider(später: hamitischer bzw. nilotischer) Viehzüchter über eine Mehrheit von Bantu-Ackerbauern, die aus Kamerun zugewan-
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