FES-Analyse: Kongo und Ruanda nische Militärberater tauchten in Kigali auf. Und Südafrika, das nach dem Ende der Apartheid seine ersten Gehversuche als kontinentale Ordnungsmacht unternahm, lieferte Waffen. Und wieder nahmen dramatische Veränderungen für die ganze Region im Osten Kongos ihren Anfang. Der angesichts der Größe und Unwegsamkeit des Kongo nur als„Blitzkrieg“ zu bezeichnende Sieg Kabilas war indes nicht allein der ruandischen Armee mit ihren amerikanischen Satellitenaufnahmen geschuldet. Die Menschen hatten schlichtweg genug von Mobutu und seinen Kleptokraten. Bezeichnenderweise leistete die kongolesische Armee den vorrückenden Truppen kaum Widerstand. Gerüchte besagen, dass sich Angreifer und „Verteidiger“ jeweils am Vorabend über ihre Absichten für den nächsten Tag gegenseitig ins Bild setzten und man das Ganze dergestalt arrangierte, um sich nicht allzu sehr in die Quere zu kommen. Kabila wurde in der Hauptstadt Kinshasa sehnsüchtig erwartet. Die Wirtschaft des Landes war inzwischen völlig zusammengebrochen. Die Preise im Raum Kinshasa etwa waren von 1960 bis 1980 auf das über 330fache gestiegen. Während die Löhne in der Privatwirtschaft zwischen 1960 und 1980 um knapp das zwanzigfache steigen, kosteten Lebensmittel auf dem Markt von Kinshasa rund 470 mal soviel. Gleichwohl ging Kabila nach seinem Einzug in Kinshasa mit einer schweren Hypothek ans Werk: Die Teilnahme ugandischer und vor allem ruandischer Soldaten galt als wenig zukunftsträchtig. Ihr Kriegsziel, die Auflösung der Flüchtlingslager im Osten und die Vernichtung der Hutu-Milizen, hatten sie weitgehend erreicht. Uganda war mit seiner Teilnahme an der Neuordnung Zentralafrikas ohnehin nicht sonderlich erfolgreich, weil die Angriffe der bewaffneten ugandischen Opposition im Nordosten Kongos weitergingen. Ruanda indes sah die einmalige Chance, dem politisch mit Abstand einflussreichsten Land der Region 11 seinen Stempel aufzudrücken und durch eine Einflussnahme auf die kongolesische Innenpolitik gleichzeitig die eigene Außengrenze dauerhaft zu sichern. Kabila aber wollte nicht. In einer grotesken Überschätzung der eigenen Kräfte warf er die Ruander aus dem Land und hofierte wiederum die Reste der Hutu-Extremisten, was für Ruanda Grund genug für einen zweiten Durchmarsch durch Kongo war. Wieder ist der Osten des Kongo, wo die Interahamwe und die Reste der ehemaligen ruandischen Hutu-Armee ihre Basis haben, Grund der Auseinandersetzung, und wieder beginnt ein Krieg, der das ganze Land erfasst, im Osten, in Uvira, wo sich die Banyamulenge 1998 mit militärischer Hilfe aus Ruanda gegen den neu erstarkten Einfluss der Hutu-Extremisten zur Wehr setzen. Die vier Jahre zuvor aus Masisi vertriebenen Tutsi erobern Goma. Neue„Rebellenbewegungen“, die ihre Befehle direkt aus Kigali empfangen, nehmen den Kampf gegen Kabila auf. Der Sudan-Faktor Ob dieser zweite Angriff Ruandas auf Kongo tatsächlich noch dem Ziel diente, die Außengrenze vor den zu diesem Zeitpunkt signifikant dezimierten Hutu-Extremisten zu schützen, oder ob dahinter nicht doch die von vielen in Ruanda offensiv vertretene„Theorie des Lebensraums“ steht, ist nicht eindeutig zu beantworten. Für diese Theorie spricht, dass Kivu aus ruandischer Sicht schon aufgrund der großen Zahl ruandischer Siedler immer ein Stück Heimat war. Diese Siedlungspolitik hatte wiederum ihren Ursprung in der Überbevölkerung Ruandas – ein Zustand, der andauert und an dem auch der Genozid nichts geändert hat. Zudem stellte sich das Problem der Banyamulenge, die sich gegen die Kongolesen gestellt hatten, das Land aber nicht verlassen wollten und ihr Heil in einem
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