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Zentralasien : Stabilität um jeden Preis
Entstehung
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8 FES Analyse: Zentralasien Wirtschaftspolitik Geplanter Markt Die zentralasiatischen Volkswirtschaften unter­scheiden sich deutlich voneinander. Während Kasachstan ein robustes Wirtschaftswachstum vorweisen kann, Usbekistan daran 2004 fast anknüpfen konnte, mühen sich die kleinen Länder Kirgisistan und Tadschikistan. Beide Länder haben ein Bruttoinlandsprodukt(BIP) von etwa 2,3 Milliarden US-Dollar. Das ent­spricht einem Zehntel des Jahresprofits des ame­rikanischen Weltkonzerns Exxon Mobil. Kirgisis­tan ist mit knapp 100 Prozent des BIP im Aus­land verschuldet. Über das mit Erdgas und Erdöl reich gesegnete Turkmenistan sind keine unab­hängigen Wirtschaftszahlen zu erhalten, so dass die Länderanalyse Kasachstan mit Zentral­asienbrief, herausgegeben vom Institut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, das Land nicht mehr analysiert. Der Grund für diese gewaltigen Gegensätze findet sich in den unterschiedlichen Vor­kommen von Bodenschätzen. Kasachstan ist mit Erdölreserven ausgestattet, die dem Land seit Jahren ein Wirtschaftswachstum von über neun Prozent bescheren. Pipelines wurden gebaut, die das Öl von Kasachstan sowohl über Russland nach Westeuropa, über das Caspian Pipeline Consortium, als auch in den Westen Chinas transportieren soll. Die tatsächlich nutzbaren Vorkommen an Erd­öl im kaspischen Raum liegen bei etwa 40 Mil­liarden Barrel, ein Viertel davon in Kasachstan, etwa vier Prozent der Weltreserven, die Vor­kommen an Erdgas belaufen sich auf knapp sechs Billionen Kubikmeter, fast gleichmäßig aufgeteilt zwischen Kasachstan, Turkmenistan und Usbekistan, auch etwa vier Prozent der Weltreserven. Der russische Gigant Gazprom schloss mit Usbekistan und Turkmenistan 2003 ein Abkommen über den Verkauf von Gas ab, um den steigenden Bedarf Europas zu decken. So positiv insbesondere der wirtschaftliche Aufschwung Kasachstans zu bewerten ist, so sehr ist das Land durch den Erdölreichtum gefährdet. Die Tendenz zur Abhängigkeit von einem Rohstoff birgt die Gefahr politischer Zentralisierung, Korruption und Abkehr von Pluralismus und Demokratie. Nach der Analyse von Transparency International befinden sich alle Länder der Region im unteren Drittel der Korruptionsrangliste. Die Werte liegen auf einer Skala von 10(sehr sauber) bis 0(sehr korrupt) zwischen 2,3(Usbekistan) und 2,0(Tadschikistan und Turkmenistan). Zum Vergleich: Russland (2,8) und Lettland(4,0). Obwohl die Wirtschaften der Länder sich entwickelten, es zu Wirtschaftswachstum und Transformation der Dienstleistungssektoren kam, blieb das Bruttosozialprodukt pro Kopf in den kleinsten Ländern auf einem niedrigen Niveau: 330 US-Dollar in Kirgisistan, 190 US-Dollar in Tadschikistan. Im Vergleich dazu kam Mol­dawien, eines der ärmsten Länder Europas, auf 590 US-Dollar. Der Pariser Club erließ Kirgisistan 2005 Dollar-Schulden in Höhe von 124 Millionen. Gleichzeitig sind russische Investoren an dem Ausbau von Wasser-Kraftwerken interessiert, um Strom in die abgelegenen sibirischen Gebiete liefern zu lassen. Derweil ist der Wettkampf zwischen dem weltweit neuntgrößten Land, Kasachstan, und dem mit 25 Millionen bevölkerungsreichsten Land der Region, Usbekistan, um die wirt­schaftliche Führungsmacht in der Region vorerst entschieden. Zwar beglichen beide Länder pünktlich ihre internationalen Kreditschulden. Aber nur Kasachstan wird alsCockpit und Lokomotive Zentralasiens bezeichnet. Der Außenhandel in Kasachstan hat sich von 1995 bis 2003 verdreifacht. Usbekistan, zweitgrößter Baumwollexporteur weltweit, führte zwar 2003 die Konvertierbarkeit der Landeswährung Sum ein. Investitionen werden für den Gas- und Ölsektor aus China und Russland erwartet. Doch während die Vertretung der deutschen Wirtschaft in Taschkent im Herbst 2004 ihre Türen schloss, zog der Internationale Währungsfond(IWF) seinen internationalen Vertreter aus Kasachstan aus dem gegenteiligen Grund ab: Das Land verfügt über genügend Eigenkapital und vor allem Direktinvestitionen. Bis 2004 flossen davon etwa 19 Milliarden US-Dollar nach Kasachstan, mehr als ein Drittel aller Investitionen in die GUS.