zeitig ihre Papiere einzureichen, geschweige denn Kampagnen- und Programmarbeit zu leisten. Politische Parteien waren offiziell nicht zu den Wahlen zugelassen. Tatsächlich jedoch haben die Parteien anders als noch 2001 die Chance, von der Basis her politischen Einfluss zu gewinnen und ihre Positionen für die Parlamentswahlen zu markieren sehr gut verstanden und auch sehr aktiv genutzt. So traten die offiziell unabhängigen KandidatInnen in Bündnissen neuen Namens an, deren Nähe bzw. Identität mit der einen oder anderen politischen Partei bekannt und offensichtlich war. Diese dem für die Kommunalwahlen aufgestellten Verhaltenskodex zuwiderlaufende Politisierung wurde von der Wahlkommission stillschweigend toleriert. Es erscheint damit nur logisch, dass der Ausgang der Wahlen dann von allen politischen Parteien bewertet und kommentiert wurde. So sprach die regierende PML ebenso wie die MQM, deren Kandidatenbündnisse nicht zuletzt auch aufgrund der mehr oder weniger offenen Unterstützung seitens der Regierung Boden gegenüber der PPP und insbesondere den„islamischen“ Parteien gut machen konnten, von einer einmaligen demokratischen Übung, die die Demokratie im Lande stärken werde, während das Bundeskabinett den Wahlverlauf als zu 90% frei und fair beschrieb und auf die nur 8-10% Beschwerden aufgrund von Unregelmäßigkeiten verwies. Führende Oppositionsparteien fochten diese Aussagen dagegen an, beschuldigten die Regierung, staatliche Macht und Ressourcen zur Verschiebung des Gleichgewichts zugunsten der PML eingesetzt zu haben- Vorwürfe, die selbst von einer Reihe regierungsnaher Abgeordneter geteilt werden. Einige Oppositionsparteien kündigten an, die Parlamentswahlen zu boykottieren, sollten sie nicht unter der Kontrolle der UN durchgeführt werden und forderten den Rücktritt der Regierung. Die Tage vor den Wahlgängen waren gekennzeichnet von Chaos und massiven Störungen des öffentlichen Lebens, da Betreiber des öffentlichen Personennahverkehrs gezwungen wurden, ihre Fahrzeuge für Wahlzwecke zur Verfügung zu stellen, so dass Tausende von Fahrgästen an Haltestellen strandeten. Der der Wirtschaft und insbesondere Tagelöhnern zugefügte Schaden, aber auch die Behinderung der Versorgung von Krankenhäusern und ähnlichen Einrichtungen ist erheblich. Nicht zu unterschätzen ist auch das Maß an Einschüchterung und Gewalt, das in wenigstens einem Viertel der Wahllokale die Stimmabgabe beeinträchtigte oder zeitweilig verhinderte. Zusammenstöße zwischen rivalisierenden Gruppen haben landesweit insgesamt rund 70 Tote gefordert. Apathie der Wahlkommission Die Gebergemeinschaft hatte große Summen für die Stärkung der Wahlkommission bereit gestellt. Dennoch wurden die getroffenen Arrangements in den meisten Wahllokalen von Beobachtern als katastrophal beschrieben: Wahllokale öffneten zu spät, WahlhelferInnen waren abwesend oder verspäteten sich, das nur unvollständig aktualisierte Wahlregister aus dem Jahr 2001 enthielt zahlreiche Fehler und Verwechslungen, es fehlten Namen und zum Teil ganze Seiten, es mangelte an Wahlzetteln, die Wahlzettel trugen zum Teil nicht die zugewiesenen Wahlsymbole, notwendiges Mobiliar und Ausstattung waren nicht oder nur unzureichend vorhanden. So mussten beispielsweise im Landkreis Attock 54% der abgegebenen Stimmen für ungültig erklärt werden, die meisten davon in Frauenwahllokalen, da aufgrund der ungenügenden Qualität der Stimmzettel die Wahlstempel auch auf die Rückseite und darunter liegende Stimmzettel durchgefärbt waren.
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Pakistan nach den Kommunalwahlen : Demokratisierung oder Machterhalt?
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