FES-Analyse: Iran schreibt Abduljavad Falaturi, der die Revolution unter diesem Aspekt untersucht hat –„hatte von Anfang an nichts mit dem wissenschaftlichen Geben und Nehmen zu tun gehabt. Sie hat sich von Anfang an auf einer gesellschaftlichen Ebene abgespielt mit dem Ziel der Beherrschung der Unterlegenen durch die Überlegenen; statt eines Entwicklungsprozesses löste dies einen Ablehnungsprozess aus“. Das durch Entfremdung entstandene Vakuum wurde durch eine Hinwen5 dung zur Religion gefüllt. Der Vorwurf wurde laut, „die kulturellen bzw. zivilisatorischen Erscheinungen sollten das Ziel, d.h. die wirtschaftliche und politische Beherrschung der betroffenen Völker, zugänglicher machen“. Nur der Islam, so Falaturi und andere iranische Intellektuelle,„konnte sich als eine Kraft hervortun, um das Zerstörte zu restaurieren und den Weg für ein neues adäquates Leben und die Rettung der zerstörten Identität zu ebnen.“ Die widersprüchliche Republik Dieser Einschätzung freilich fügt Falaturi gleich hinzu:„Ob dieses Ziel erreicht werden wird, hängt davon ab, wie weit es den verantwortlichen Personen gelingen wird, die einfachsten und reinsten islamischen Werte zugrunde legend, einen neuen Ansatz zu ermöglichen.“ Die Revolution hat Politik und Gesellschaft zutiefst verändert. Der postrevolutionäre Iran aber hatte allenfalls bis zum Ableben Ayatollah Khomeinis(3. Juni 1989) ein einheitliches äußeres Erscheinungsbild. Dies vor allem aufgrund der charismatischen Persönlichkeit des Ayatollah selbst. Aber auch hinter dieser Fassade, die durch die Fiktion der„Islamisch-Republikanischen Partei“(IRP) geschaffen wurde, waren Friktionen erkennbar, die das politische System, die Interpretation der islamischen Weltanschauung und Fragen von Wirtschaft und Gesellschaft sowie der kulturellen Orientierung betrafen. Sie traten nach dem Tode Khomeinis unter dem Führungsduo von Ayatollah Khamenei als Nachfolger Khomeinis und Hojjatol-Islam Rafsandschani als Präsident hervor. Die Auflösung der IRP im Juni 1987 bedeutete nur einen pragmatischen Nachvollzug der tatsächlichen Situation im Lande. Während der Präsidentschaft von Hujjatol-Islam Muhammad Khatami(1997-2005) beschleunigte sich der Prozess der inneren gesellschaftlichen Pluralisierung rasant, auch wenn sich an der autokratischtheokratischen Struktur des Systems nichts Wesentliches veränderte und mit der Wahl Mahmud Ahmadinedschads im Juni 2005 eher ein Rückfall auf die khomeinistischen Prinzipien der Revolution zu verzeichnen ist. Das politische System beruht auf essentiellen Elementen einer religiös begründeten(schiitischen) Ideologie, wie sie in Khomeinis Schrift von der„Islamischen Herrschaft“ ausgearbeitet worden war. Bestimmende Charakteristika des religiös-politischen Systems sind: • die„absolute“ Herrschaft des„anerkannten Gottesgelehrten“( vilayat-e faqih) • Der religiöse Führer thront als oberste Instanz über dem politischen System. Dieses ist ansonsten als Präsidialdemokratie organisiert, mit einem gewählten Parlament( madschlis) und einem Präsidenten mit nur eingeschränkter Machtfülle. Der„Führer“ verfügt über Zuständigkeiten, die ihm weitestreichende Einwirkungsmöglichkeiten in alle Bereiche des politischen Systems geben. Dies gilt auch im militärischen Bereich, in dem er die Funktion des Oberkommandierenden aller Sicherheitskräfte innehat. • Im Bereich der Judikative ist dem„Führer“ die Ernennung der obersten rechtlichen Instanz vorbehalten. Von besonderer Bedeutung mit Blick auf die Stellung des religiösen Rechts im politischen System ist die Möglichkeit, die sechs religiösen Mitglieder( fuqaha) eines„Rats der Wächter“ zu bestimmen, der über die Konformität aller vom Parlament verabschiedeten Gesetze mit dem Islam und der Verfassung zu wachen hat. Zu den Funktionen des Wächterrats zählt auch die unter religiösen Gesichtspunkten vorgenommene Vorauswahl aller Kandidaten bei Parlaments-, Gemeinderatsund Präsidentschaftswahlen. Die religiöse Grundierung des Systems hat über ein Vierteljahrhundert bewirkt, dass wesentliche Elemente einer Demokratiebewegung, wie sie von der Transitionsforschung gefordert bzw. als konstituierend erkannt worden sind, nicht gegeben waren. Der Dreischritt von Liberalisierung – Demokratisierung – Konsolidierung konnte nicht wirklich in Gang kommen. Die politische Elite und eine breite Öffent-
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Die widerspruchsvolle "Republik" - Iran auf dem Weg zu einer regionalen Vormacht?
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