„In Würde alt werden“ 22. September 2007 3 Um dieser Lebensphase gerecht zu werden – also, um die bloße Behauptung, dass Altern kein Unglück sei, mit Inhalt zu füllen –, möchte ich den Begriff zunächst definieren, dabei wird deutlich werden, dass je nachdem, wie man den Alterungsprozess beschreibt, sich Chancen oder Defizite eröffnen. Der Begriff des Alters Die Antike verstand das Alter als letzten Abschnitt menschlichen Lebens in seiner Ambivalenz von Verfall und Vollendung 4 und das Handlexikon für Evangelische Theologen definierte 1890 das Alter als die„späte, an Erfahrung, Urteil und Weisheit reiche, von den Jünglingen pietätvolle Achtung und Ehrerbietung fordernde oft schon körperliche Gebrechen mit sich bringende Lebenszeit.“ 5 Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann man mit der medizinischen-biologischen Erforschung des Alters. Von einer tatsächlichen Gerontologie kann man überhaupt erst nach 1945 sprechen. Aus medizinischer Sicht ist Altern ein Abbauprozess, der im Grunde schon in den ersten Lebenswochen durch Kalkablagerungen in den Blutgefäßen beginnt, die im Laufe des Lebens zum Abklingen von Erregungszuständen und Reaktionsfähigkeit infolge der sinkenden 4 Thomae, H., Alter, in: Evangelisches Soziallexikon, S.30ff 5 Handlexikon für Evangelische Theologen, Gotha 1890 Leitfähigkeit an den Synapsenenden führen(so genanntes Defizitmodell). Seinem genetischen Programm nach könnte ein Mensch aber 120 Jahre alt werden. Sozialpsychologisch betrachtet, ist das Alter gekennzeichnet durch eine Verringerung der Aktivitäten eines Menschen(Disengagement), tiefenpsychologisch kann man eine nachlassende Plastizität seelischer Vorgänge analysieren. 6 Unabhängig davon, wie man letztlich diesen Abschnitt menschlichen Lebens betrachtet, besteht in jedem Fall ein untrennbarer Zusammenhang von Altern und Sterben, der dazu führt, dass das Altern an sich immer wieder auch als Bedrohung empfunden wird. Überhaupt unterscheiden wir uns in unserer Kultur von anderen dadurch, dass die Vorstellung von Alter ein breites Assoziationsfeld jedweder Abhängigkeiten freisetzt und Angst erzeugt. Möglicherweise liegt das auch daran, dass in unserer Gesellschaft die materielle Fürsorge für alte Menschen alle anderen Bedürfnisse in dieser Lebensphase zu verdrängen scheint. Dabei ist es für das Wohlbefinden alter Menschen besonders wichtig als wertvolle Mitglieder der Gesellschaft geschätzt zu werden und sich nicht dauernd und ständig als Last fühlen zu müssen. Nichtsdestotrotz gilt es aber dringend im Auge zu behalten, dass infolge der gegenwärtigen Erwerbsbiographien und 6 Thilo, H.J., Alter, in: EKL, Bd.1, S. 110ff
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