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Von der improvisierten zur geglückten Demokratie : Deutschlands schwieriger Weg im 20. Jahrhundert
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5 Edgar Wolfrum Von der improvisierten zur geglückten Demokratie. Deutschlands schwieriger Weg im 20. Jahrhundert Obwohl es sich die Historiker angewöhnt haben, das 20. Jahr­hundert als einkurzes Jahrhundert zu bezeichnen, kann diese Formel nicht richtig überzeugen. Umrahmt wird dasZeitalter der Extreme nach allgemeiner Lesart von den Schlüsseljahren 1917 und 1989; mit der Oktoberrevolution in Russland und dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg entstand der Weltkon­flikt zwischen Kommunismus und Kapitalismus, es begann die Zweiteilung der Welt, die sich seit 1989 im Untergang des Ost­blocks auflöste.Kurz ist das 20. Jahrhundert damit allenfalls unter politikgeschichtlicher Perspektive. Wählen wir hingegen den Blickwinkel der Erfahrungsgeschichte, dann präsentiert sich das Jahrhundert als ein langes, und gerade für die Deutschen als ein extrem langes Jahrhundert. Mit Leichtigkeit hätte der Stoff, das Drama dieses Jahrhunderts zwei, ja drei Jahrhunderte aus­füllen können. Ein Deutscher, der um 1900 geboren wurde, konnte, wenn ihm ein langes Leben beschieden war, Erfahrun­gen machen mit fünf Deutschlands, konnte fünf deutsche Staa­ten erleben, die unterschiedlicher nicht hätten sein können, von denen wiederum vier untergingen eine Untergangshäufigkeit innerhalb kürzester Zeit, die einmalig ist in der ganzen Weltge­schichte: 1918 wurde die Monarchie zu Grabe getragen, ging in den Stürmen des Ersten Weltkrieges das Kaiserreich zugrunde; die überforderte Weimarer Republik existierte mit Müh und Not nur bis 1933; das totalitäreDritte Reich war 1945 endlich zertrümmert; die realsozialistische DDR überlebte immerhin vierzig Jahre; nur die Bundesrepublik erwies sich als stabil und besteht, wenngleich seit 1990 in veränderter Weise, bis heute fort. Deutschland und die Deutschen haben sich, oft ungewollt und erzwungener Maßen, in diesem Jahrhundert stärker verän-