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Die Schwellenländer Ostasiens und der G-20-Prozess
Entstehung
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gierung, aufzuwerten. Die G-20 wird demnach die bisherigen G-8 weitestgehend ablösen. Die Schwellenländer Ostasiens begrüßten ein­hellig die Abkehr von der G-8 und die Erweite­rung zur G-20 als eine richtungsweisende Ver­änderung, durch die zukünftig ein weitaus grö­ßerer Teil der Weltbevölkerung mit am Verhand­lungstisch sitzen kann, wenn internationale Wirtschafts- und Finanzfragen erörtert werden. Die VR China und der G-20-Prozess China hatte bereits 2003 und 2004 als Beobach­ter an den G-7-Treffen teilgenommen, doch 2005 eine Teilnahme am Gipfel der Finanzminis­ter der sieben führenden Industrienationen ab­gelehnt. Gemessen an der Höhe des BIP hätte China schon damals ein Platz im Kreise der G-7 zugestanden, da seine Wirtschaftskraft inzwi­schen die von Kanada überholt hatte. Doch ga­ben sich die Chinesen zumindest nach außen hin desinteressiert. Offizielles Argument war, dass das Land auf Grund seines noch immer geringen Pro-Kopf-Einkommens und der hohen regionalen Ungleichheiten nach wie vor als ein Entwicklungsland zu gelten hat. Ein weiterer Grund war sicherlich, dass bei den vergangenen beiden G-7-Treffen China jeweils mit der Forde­rung nach ‚flexiblen Wechselkursen in allen wichtigen Wirtschaftsregionen konfrontiert wurde- ein Thema, das noch heute aktuell ist. Entsprechend seiner Vorstellung von einer mul­tipolaren Weltordnung, sieht China in der Auf­wertung der G-20 zu einem Gipfel der wichtigs­ten Wirtschaftsmächte der Welt auch eine Machtverschiebung von West nach Ost und damit ein besser ausbalanciertes Verhältnis in einem Dreieck aus den USA, Europa und Asien. Verglichen mit der G-7 entspricht die G-20 in ihrer Zusammensetzung aus Industrie- und Ent­wicklungsländern viel stärker den Erwartungen Chinas hinsichtlich einer repräsentativen und umfassenden Weltwirtschaftsregierung. Die Mitgliedschaft ist nicht die von Gleichgesinnten, sondern schließt Länder in unterschiedlichen Entwicklungsstadien ein. Jedes Mitglied hat ei­gene Interessen und eine eigene Agenda. Die Einbindung von Schwellenländern in die interna­tionale Wirtschaftspolitik wird von China als ein historischer Prozess gesehen, der diesen Ländern die Möglichkeit gibt, ihre Positionen und Forde­rungen auf einem hochrangigen Forum gleich­berechtigter Partner vorzutragen. China beab­sichtigt, den Aufbau und den Einfluss der G-20 bei der Reform der Weltordnungspolitik tatkräf­tig zu unterstützen. Doch möchte China keines­falls die G-20 in eine supranationale Organisati­on umgewandelt sehen, welche die Internatio­nalen Finanzinstitutionen oder gar die Vereinten Nationen(UN) ablösen könnte. Als aktives Mitglied der G-20 will sich China maßgeblich in die zukünftige Gestaltung des internationalen Wirtschafts- und Finanzsystems einbringen. Unter anderem war China an der in London beschlossenen Aufstockung der Quoten des IWF maßgeblich beteiligt. China ist auch bereit, innerhalb der G-20 eine Art Vertretung für andere Entwicklungsländer zu übernehmen und bei der Koordinierung der Schwellenländer vor den jeweiligen G-20-Treffen mitzuarbeiten. Ebenso beabsichtigt China, zu einer Verbesse­rung der regionalen asiatischen Zusammenarbeit beizutragen, um damit auch Asiens Einfluss in der G-20 zu stärken. Südkorea und der G-20-Prozess Die Stärkung des asiatischen Einflusses steht auch auf der Agenda Südkoreas, das im kom­menden Jahr den G-20-Vorsitz übernehmen und im November 2010 das übernächste Gipfel­treffen ausrichten wird. Südkorea zählt gemein­sam mit Großbritannien und Brasilien in den Jahren 2009 bis 2011 zur so genannten Mana­gement-Troika der G-20. Insbesondere will man im Vorfeld des Gipfels die asiatischen Nicht-Mitglieder konsultieren, um den Repräsentationsgrad der G-20 zu erhöhen. Südkorea als ein Land mit langjährigen Erfah­rungen im Übergang von einem Entwicklungs­land zu einer mittleren Industriemacht, sieht seine Rolle als eine Brücke und als ein Vermittler zwischen den Industrie- und den Schwellenlän­dern; aber auch als ein Modell, denn in nur 50 Jahren hat man sich von einem der ärmsten Agrarstaaten der Welt zu einem entwickelten Land gewandelt. Die Idee der Brückenfunktion ist für Südkorea keineswegs neu. Bereits die vorherige Regierung versuchte sich angesichts der sicherheitspoliti­- 3-