FES OnlineAkademie- WM Spezial 2010 Sport und Homosexualität Während sich im Männerfußball keiner outet, ist Homosexualität im Frauenfußball nichts Spektakuläres. Es interessiert intern nicht besonders, was eine Spielerin zu Hause macht. Homosexualität im Frauenfußball ist ein offenes Geheimnis. Die Spielerinnen nehmen ihre Partner oder Partnerinnen selbstverständlich mit zur Weihnachtsfeier. Der Frauenfußball ist ein familiärer und sozialer Kreis, man darf sich darin bewegen, wie man will. Man braucht sich nicht zu erklären. Sobald man jedoch in die Öffentlichkeit tritt, muss man sich automatisch rechtfertigen. Frauenfußball ist mit dem Vorurteil belastet, dass alle lesbisch wären. Das stimmt zwar nicht, zugleich können sich lesbische Frauen im Mannschaftsgefüge akzeptiert und aufgenommen fühlen. Auf 20 bis 40 Prozent schätzt die ehemalige Bundestrainerin Tina Theune-Meyer den „Lesbenanteil“(Interview mit EMMA) im Fußball. Andere, wie der Coach von Turbine Potsdam, Bernd Schröder, sehen den Anteil höher. Wie hoch der„Homo-Anteil“ im Frauen- und Männerfußball tatsächlich ist, mag keiner genau prognostizieren. Fakt ist aber, dass Theo Zwanziger mit dem Schweigen zum Thema Homosexualität im Fußball bewusst gebrochen hat. Der DFB gibt mittlerweile die Broschüre „Gegen Diskriminierung von Homosexuellen im Fußball“ heraus. Zur Ausstellungseröffnung von„Gegen die Regeln“ im Berliner Rathaus ist der DFB-Präsident sogar persönlich erschienen. Männlichkeit und Leistungserwartungen Im Sommer 2006 wurden 922 Berliner Gymnasiasten und Gesamtschüler zu ihren Einstellungen gegenüber Schwulen und Lesben befragt. Die vergleichende Untersuchung von Prof. Bernd Simon(Christian-Albrechts-Universität Kiel) kommt zu dem Ergebnis, dass homosexuellenfeindliche Einstellungen unter Schülern stark verbreitet sind. Darüber hinaus konnte festgestellt werden, dass Kontakte zu Schwulen und Lesben einen signifikanten Einfluss auf die Homosexuellenfeindlichkeit haben: Je mehr Kontakte bestehen, desto weniger homosexuellenfeindlich sind die Schüler. Diese Erkenntnis verdeutlicht den Teufelskreislauf im Fußball. Die Unsichtbarkeit von schwulen Profis erschwert folglich den Abbau von Vorurteilen. Zum anderen – so die Studie – hängt Homosexuellenfeindlichkeit vor allem mit der Akzeptanz traditioneller Männlichkeitsnormen zusammen. Je stärker www.fes-online-akademie.de/ Seite 5 von 10
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