FES OnlineAkademie- WM Spezial 2010 Sport und Homosexualität Theo Zwanziger sieht insbesondere zwischen Spitzen- und Breitensport große Unterschiede. Aus der Kreisklasse erhält er von zahlreichen schwulen Sportlern Briefe, die ihm berichten, wie anerkannt sie im Team und Verein sind. Noch vor 50 Jahren, so Zwanziger, sei das undenkbar gewesen. Ein ähnlicher Entwicklungsprozess müsse in den oberen Ligen noch nachvollzogen werden. Lichtblick ist der Oberligist Türkiyemspor Berlin 1978 e.V.: auf einer Pressekonferenz mit dem Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg im April 2010 verkündete die Vereinsspitze, dass homosexuelle Spieler die Rückendeckung des Vereins genießen würden, wenn sie sich outen möchten. Dies war auch als offene Einladung an schwule Kicker anderer Vereine zu verstehen. Ob die Strategie aufgeht, bleibt abzuwarten. Persönliche Kontakte schaffen Aber es geht auch anders: Seit 5 Jahren kicken hetero- und homosexuelle Fußballer bei den Respect Gaymes unter dem Motto„Zeig Respekt für Schwule und Lesben“. Bis zu 60 Fußballmannschaften kommen jedes Jahr in Berlin zusammen, um ein Zeichen zu setzen und Respekt und Toleranz selbstverständlich zu leben. Zu den Unterstützern der ersten Stunden zählt der Regionalligist Türkiyemspor. In dem Verein spielen Fußballerinnen und Fußballer aus 20 Nationen, darunter Türken, Serben, Araber, Schwarzafrikaner und Deutsche. Das Engagement entspringt aus dem Gefühl, mit Schwulen und Lesben im selben Boot zu sitzen, wenn es darum geht, Opfer gesellschaftlicher Vorurteile zu sein. Wie wichtig Respekt ist, erfahren die Spieler hautnah bei ihren Auswärtsspielen in Chemnitz und Leipzig, wo sie(zum Teil) heftigen verbalen Anfeindungen ausgesetzt sind. Auch schwule Fans haben sich ihren Platz in den Zuschauerrängen erkämpft. Entgegen dem Klischee, dass Schwule sich nicht für Fußball begeistern können, zeigt man sich da lockerer. Vielleicht auch deshalb, weil man in den Massen erst einmal als Individuum nicht sonderlich auffällt. In Berlin gibt es den ersten offiziellen schwul-lesbischen Fußballfanclub der deutschen Bundesliga: im August 2001 gründeten sich die„Hertha-Junxx“. Bereits im Jahr 2002 wurde der Fanclub von Hertha BSC registriert. Die Regenbogenflagge, das Zeichen der Solidarität in der schwul-lesbischen Szene, hat also Einzug ins Berliner Olympia-Stadion gehalten und dort einen festen Platz gefunden. Bei jedem Hertha-Heimspiel hängt das Transparent„Fußball ist alles – auch schwul“ an der Zuschauer-Tribüne. Darauf ist man bei den Hertha-Junxx zu Recht stolz. Dem Vorbild der Hertha Junxx folgten weitere Fanclubs. www.fes-online-akademie.de/ Seite 7 von 10
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