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Wenzel Jaksch (1896-1966) : biografische Schlaglichter auf einen Sozialdemokraten aus Mitteleuropa
Entstehung
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8 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 19 Der Sozialdemokrat: Volkspartei statt Klassenkampf Wie jede über einen großen Zeitraum existierende Institution hat auch die Sozial­demokratie, die bekanntlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand, mit dem Phänomen tiefgreifender Veränderungen zu tun. Dasselbe galt und gilt für das Leben einzelner Menschen. Welche Wandlungen hat etwa eine Persön­lichkeit wie Willy Brandt gestaltet oder erlebt von den noch größeren Brüchen im Leben Herbert Wehners zu schweigen? Wie verhält es sich bei Wenzel Jaksch hat er sich ähnlich gewandelt oder ist er sich, allen äußeren Brüchen zum Trotz, eher, über Jahrzehnte hinweg, gleich geblieben? Sein damaliger Parteichef, der SPD-Vorsitzende Willy Brandt, der Antifaschismus, Antikommunismus und lang­jährige Exilerfahrung mit Jaksch teilte, betonte 1966 am Sarge des Verstorbenen: »Das war Wenzel Jaksch, und das wird er für uns bleiben: Patriot und Europäer, sozialer Demokrat und kämpferischer Humanist.« 8 Während Brandt Jaksch trotz aller Differenzen als Sozialdemokraten vereinnahmte, gab es allerdings immer wieder auch Stimmen, die dies in Zweifel zogen und behaupteten, Jaksch habe sich früher oder später so weit nach rechts entwickelt, dass er nicht mehr als»ge­nuiner Sozialdemokrat« betrachtet werden könne. 9 nach Seliger-Gemeinde, Landesverband Hessen(Hrsg.), Reden zum Gedenken an Wenzel Jaksch(1896–1966). Wegbereiter deutscher Ostpolitik, Fernwald 1998, S. 22. unlängst noch Martin Bachstein, Wer war Wenzel Jaksch?(2017), Thesenpapier, collegium-ca­rolinum.de(pdf, 14.06.2022), worin dieser Historiker seine langjährigen differenzierten Forschungs­ergebnisse zu Jaksch(vgl. insb. Martin Bachstein, Wenzel Jaksch und die sudetendeutsche Sozial­demokratie, München / Wien 1974) zugunsten einer unhaltbaren Verurteilung in der Tradition linkssozialistisch-kommunistischer Anti-Jaksch-Diskurse dementiert. Bachstein urteilte 2017 ab­schließend über Jaksch:»Sozialdemokraten und Historiker dürften mir zustimmen, dass[] er im Grunde genommen schon seit den späten dreißiger Jahren nicht mehr als genuiner Sozialdemo­krat bezeichnet werden kann.«(S. 6.). Dies kann man nur als verheerendes Fehlurteil betrachten und bedauern.