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Wenzel Jaksch (1896-1966) : biografische Schlaglichter auf einen Sozialdemokraten aus Mitteleuropa
Entstehung
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54 BEITRÄGE AUS DEM ARCHIV DER SOZIALEN DEMOKRATIE| HEFT 19 Der Sudetendeutsche in der SPD: Vertriebenenpolitik und Neue Ostpolitik Wäre Wenzel Jaksch, hätte er damals noch gelebt, 1981 überhaupt noch Sozial­demokrat gewesen? In einer seit 1966 sehr veränderten deutschen Sozialdemo­kratie, in der bereits sein einstiger Gegner Helmut Schmidt im Zuge der Nach­rüstungsdebatten zum Rechtsaußen abgestempelt und vom linken Parteiflügel offen alleingelassen wurde? Herbert Czaja zumindest zeigte sich überzeugt:»Jaksch wäre es wie Rehs ergangen, wenn er noch gelebt hätte.« 190 Reinhold Rehs, jener SPD-Bundestagsabgeordnete und ostpreußische Vertriebenenpolitiker, der 1967 kurz nach Jakschs Unfalltod dessen Nachfolger als Präsident des»Bundes der Ver­triebenen«(BdV) geworden war, hatte 1969 von Willy Brandts Ostpolitik tief enttäuscht die SPD demonstrativ verlassen und war zur CDU übergetreten. 191 Aber Rehs und Jaksch waren sehr unterschiedliche Persönlichkeiten. Der bürger­liche Rechtsanwalt mit adliger Ehefrau gegen den sozialdemokratischen Land­arbeitersohn und vom Maurer zum Ehrendoktor aufgestiegenen Autodidakten; der Ostpreuße mit völkischer und NSDAP-Vergangenheit und einem Beitritt erst zur Nachkriegs-SPD gegen den lebenslangen Sozialdemokraten, für den die Par­tei innere Heimat war; der trockene Jurist gegen den intellektuell brillanten, aber aufbrausenden Parteisoldaten. 192 Zweifellos hing Wenzel Jaksch an seiner Partei primär gewiss an der deutsch-böhmischen, aber mit Vorbehalten auch an der SPD. Gemeinsame Exilvergangenheiten, wie sie Jaksch, Brandt und dessen Vor­gänger als SPD-Chef Erich Ollenhauer zusammenführten, stärkten diese sekun­däre Parteibindung. Ähnlich wie kommunistische Dissidenten, die unter einem Parteiausschluss regelrecht litten, hätte Wenzel Jaksch den eigenen Parteiaustritt zweifellos als schmerzenden Heimatverlust empfunden. Auch war er zeitlebens ein Kämpfer:»Nie ließ er nach im Kampf um das, was er als richtig erkannte«, S. 331. Matthias Stickler,»Ostdeutsch heißt Gesamtdeutsch«. Organisation, Selbstverständnis und heimatpolitische Zielsetzung der deutschen Vertriebenenverbände 1949–1972, Düsseldorf 2003, S. 269–271. zu Rehs: Schwartz, Funktionäre mit Vergangenheit, 2013, S. 108–110 und S. 175–177.